Von links: Konrad Pagitz, Paul Illmer, Ingrid Felipe (mit Riesen-Bärenklau!), Josef Geisler und Reinhard Lentner stellen die Neophyten-Strategie des Landes Tirol vor. Foto: Land Tirol/Christa Entstrasser-Müller

Von links: Konrad Pagitz, Paul Illmer, Ingrid Felipe (mit Riesen-Bärenklau!), Josef Geisler und Reinhard Lentner stellen die Neophyten-Strategie des Landes Tirol vor. Foto: Land Tirol/Christa Entstrasser-Müller

Invasion: 600 Neophyten breiten sich in Tirol aus

Die Folgen sind teilweise fatal. Jetzt gibt es eine Strategie zur Bekämpfung invasiver Pflanzen.

Schulter an Schulter präsentierten am Freitag, 28. August, Politik und Wissenschaft die „Neophytenstrategie des Landes Tirol“. Sie soll dazu beitragen, die Ausbreitung gebietsfremder Pflanzenarten in Tirol einzudämmen. „Das Auftreten gebietsfremder Pflanzenarten ist auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen“, erklärt Konrad Pagitz vom Institut für Botanik der Universität Innsbruck.

In Tirol sind mittlerweile rund 600 Neophyten dokumentiert. Diesen stehen ca. 1.800 heimische Pflanzenarten gegenüber. 14 dieser Neophyten sind derzeit für Tirol als problematisch eingestuft. Dazu zählen unter anderem Beifuß-Ambrosie, Riesen-Bärenklau, Südafrikanisches Greiskraut, Kanadische Goldrute, Drüsiges Springkraut, Sommerflieder oder Robinie. Meist wurden diese Arten aktiv nach Tirol geholt, angepflanzt und als Zier-, Nutz-, Forst- Bienen- oder Aquarienpflanzen genutzt. Ausnahmen sind die Beifuß-Ambrosie und das Südafrikanische Greiskraut – sie wurden unabsichtlich ins Land gebracht.

Zu den allgegenwärtigen Neophyten zählt das drüsige Springkraut. Foto: Wikicommons

Die Eindringlinge behaupten sich höchst erfolgreich an ihren Standorten. Folgeerscheinungen dieser Massenausbreitung sind negative Auswirkungen auf die Diversität der heimischen Flora und Fauna, aber auch auf die Gesundheit von Mensch und Tier.  So kann die Beifuß-Ambrosie Allergien auslösen, der Riesen-Bärenklau schmerzhafte Hautreaktionen bis hin zu Atemnot verursachen und das Südafrikanische Greiskraut – wenn es als Verunreinigung ins Viehfutter, Getreide oder Gemüse gelangt – zu Vergiftungen führen. „Managementmaßnahmen müssen die Biologie der Arten berücksichtigen und genauso der jeweiligen Fundsituation angepasst werden. Ein bewusster Umgang mit diesen Arten, wie auch allen anderen Neophyten ist aber Grundvoraussetzung“, so Pagitz, der das Kompetenzzentrums Neophyten-Tirol an der Universität Innsbruck leitet.

„Der verhältnismäßige Umgang ist eine Mammutaufgabe, es braucht daher Bereitschaft und engagierte Mitarbeit von Systempartnern, wie Gemeinden, Bergwacht, Universität und der unterschiedlichen Organisationseinheiten des Landes, um diese Aufgabe zu bewältigen. Da finanzielle und personelle Ressourcen begrenzt sind gilt es, mit den vorhandenen Mitteln einen möglichst hohen Erfolg zu erzielen. Dazu ist strategisches Vorgehen erforderlich. Die Neophytenstrategie Tirols liefert die entscheidenden Grundlagen dazu“, sagt Reinhard Lentner von der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol.

Die Vernichtung von Neophyten ist oft nur händisch möglich und sehr zeitaufwändig.  Ingrid Felipe, Landesrätin und Naturschutzreferentin, hält deshalb „Prävention durch Information“ für eine der wichtigsten, kostengünstigsten und einfachsten Formen der Neophytenbekämpfung. Regierungskollge Josef Geisler (ÖVP) appeliert an die Bevölkerung: „Regionalität sollte nicht nur beim Lebensmitteleinkauf, sondern auch bei der Gartengestaltung selbstverständlich sein“.

Ausführliche Informationen – auch über die konkrete Bekämpfung einzelner Arten – liefert ein neu aufgelegtes Handbuch „Strategie für Tirol im Umgang mit gebietsfremden Pflanzenarten (Neophyten)“, das man von der Website des Landes Tirol als PDF herunterladen kann.

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1 Posting bisher
Danny

Und warum werden Neophyten z.b :Sommerflieder in Gärtnereien verkauft?????