Diskussionen um Antigen-Tests bei Hausärzten

Laut der Ärztekammer sei die Verordnung nicht abgesprochen. Die Opposition übt Kritik.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) informierte diese Woche bei einer Pressekonferenz über die Neuerungen bei der Teststrategie der Regierung. Eine entsprechende Verordnung wurde am Mittwoch vom Gesundheitsministerium veröffentlicht.

Demnach dürfen seit 22. Oktober in Österreich niedergelassene Ärzte auf freiwilliger Basis Antigen-Tests durchführen. Voraussetzung für einen Test beim Hausarzt sind entsprechende Symptome und die telefonische Terminvereinbarung. Die Ärzte seien laut Anschober nicht dazu verpflichtet, Antigen-Tests durchzuführen. Auch den herkömmlichen PCR-Test ersetzen diese nicht, weil sie nicht so „sensitiv“ seien. Ein positives Ergebnis muss deshalb durch einen PCR-Test bestätigt werden. Vorteile der Antigen-Tests sind schnelle Ergebnisse zu niedrigeren Kosten. Letztere werden vom Bund übernommen.

Kritik an der Teststrategie der Regierung

Kritik – nicht an der Idee, sondern vielmehr an der Umsetzung – kam unter anderem von der Österreichischen Ärztekammer. „Die Verordnung des Ministers ist nicht im Einvernehmen mit der Kammer erlassen worden, wesentliche Gespräche wurden nicht zu Ende geführt oder gar nicht mit uns gesucht“, betonte Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres in einer Presseaussendung.

Gesundheitsminister Anschober hielt dagegen. Es habe im Vorfeld intensive Gespräche mit Vertretern der Ärztekammer und niedergelassenen Ärzten gegeben. Generell merke man einen „enormen Zuspruch. Ganz viele Ärztinnen und Ärzte wollen in den nächsten Tagen und Wochen in diese neue Möglichkeit einsteigen.“

Nach Ansicht der Tiroler Ärztekammer sind Antigen-Tests nicht in allen Praxen möglich. „Grundsätzlich ist die patientennahe Testung mit Antigentests ein großer Fortschritt, um COVID-19-Patienten rasch zu erkennen und einer Behandlung zuzuführen. Allerdings werden nicht alle Vertragsarztpraxen Tirols in der Lage sein, die für die Antigen-Tests notwendige zeitliche und räumliche Trennung der Verdachtsfälle von den übrigen Patienten umzusetzen“, so der Präsident der Tiroler Ärztekammer, Artur Wechselberger.

SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher schließt sich der Kritik der Ärztekammer an: „Die Telefonleitungen der Ordinationen laufen bereits heiß, während noch nicht einmal klar ist, welche und wie viele Ärztinnen und Ärzte mitmachen und die Tests noch nicht zur Verfügung stehen.“

Auch für NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker liegt bei der Teststrategie „einiges im Argen.“ Er stößt sich daran, dass die Antigen-Schnelltests ausschließlich in Arztordinationen durchgeführt werden dürfen: „Antigentests würden es ermöglichen, Veranstaltungskonzepte und betriebliche Sicherheitskonzepte zu erstellen, die ein normaleres Leben ermöglichen. Wenn nur Ärztinnen und Ärzte testen dürfen, nicht aber andere medizinisch geschulte Personen, ist das System zu unflexibel.“
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1 Posting bisher
wolfgangwien

Jaja die Ärztekammer hechelt der Pandemie schon wieder hinterher. Im Sommer wäre Zeit gewesen sich viele gute Dinge auszudenken.