Swarovski-Chef Buchbauer will neue Familienholding schaffen

Der „Transformationsprozess“ soll das Unternehmen am Ende an die Börse führen.

Beim Kristallkonzern Swarovski mit Sitz in Wattens in Tirol wird bei einer Gesellschafterversammlung ein erneuter Anlauf zur Änderung der Unternehmensstruktur unternommen. Es soll eine neue Familienholding beschlossen werden, in der alle Kristallgeschäfte vereint sind, sagte Swarovski-CEO Robert Buchbauer am Mittwoch. Für diesen Schritt sah Buchbauer einen „extrem großen Rückhalt“ unter den Gesellschaftern.

Das Unternehmen sei schlicht aus der bisherigen Kommanditgesellschaft (KG) „herausgewachsen“. Man müsse nun versuchen, zu einer „einheitlichen Führung“ zu kommen. Die Tyrolit soll hier nicht miteingeschlossen werden, für die Schleifmittelwerke soll eine „eigene Lösung“ gesucht werden. Die bestehende KG werde in die neue Holding mit Sitz in Wattens miteingebunden. Die Familienholding könnte laut Buchbauer mit einer „hohen qualifizierten Mehrheit“ unter den Gesellschaftern beschlossen werden, eine Einstimmigkeit sei nicht vonnöten. Sein Wunsch wäre jedoch, das Unternehmen auf lange Sicht „börsenfähig“ zu machen.

Der „Transformationsprozess“ – in dessen Zuge unter anderem mittelfristig der Mitarbeiterstand in Wattens auf 3.000 Mitarbeiter reduziert wird – sei bereits im Laufen. Man habe die beiden Geschäftsbereiche B2B und B2C zusammengelegt, die nun unter einer Leitung geführt werden. Diese Managementstrukturen seien schon implementiert und eine „funktionale Struktur“ für die einzelnen Bereiche – wie etwa Marketing, Verkauf, Finanzen, Human Resources“ – geschaffen. Damit sei beispielsweise der Verkaufsverantwortliche sowohl für den Verkauf von B2B- und B2C-Produkten zuständig.

Auch Swarovski ist von der Pandemie schwer getroffen. „Die Gewinnschwelle werden wir nicht überschreiten,“ erklärt CEO Robert Buchbauer. Foto: Expa/Spiess

Die Coronakrise habe dem Unternehmen schwer zugesetzt, berichtete Buchbauer. Über 90 Prozent der Geschäfte mussten geschlossen bleiben. Im ersten Halbjahr 2020 habe man einen Umsatzrückgang von minus 50 Prozent hinnehmen müssen, für das gesamte Jahr 2020 rechnete er mit Einbußen von 35 Prozent. „Die Gewinnschwelle werden wir nicht überschreiten“, meinte er zudem. Daher werde man nicht nur in Österreich sondern auch an internationalen Standorten weniger produzieren. So werde es etwa in Thailand von den acht Teilfabriken „um einige weniger geben“ und die „Kapazitäten in Vietnam werden halbiert“. Auch werde man sich ansehen, ob man kleinere Standorte, wie in Serbien, künftig noch halten können wird. Insgesamt wurden im Ausland 6.000 Stellen gestrichen.

In Wattens werden aktuell die vom Abbau betroffenen 1.000 Mitarbeiter in persönlichen Gesprächen informiert. 98 Prozent der bisherigen „Trennungen“ seien einvernehmlich erfolgt, sagte Buchbauer. Er gab jedoch zu, dass bei den Kündigungen nicht immer alles „ganz reibungslos“ verlaufen sei, Swarovski bemühe sich aber, „möglichst sauber und verträglich“ vorzugehen. Der Standort Wattens – an dem die Produktionsleitung und das B2B-Marketing und B2B-Sales angesiedelt sind – bleibe Hauptsitz des Unternehmens. In der Schweiz werden derzeit die sogenannten „Corporate-Bereiche“, wie etwa Finanzen und die oberste Marketing- und Vetriebsleitung bearbeitet – das soll laut Buchbauer auch in Zukunft so sein.

Der Kristallkonzern hatte im Juli angekündigt, im Herbst in Wattens von den derzeit noch bestehenden 4.600 Stellen weitere 1.000 abzubauen. Mittelfristig würden am Hauptsitz rund 3.000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll sich der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringern.

Bei einer Gesellschafterversammlung Anfang September war Buchbauer mit seinen Umstrukturierungsplänen, wonach etwa die „Genehmigung der Einbringung“ des Wattener Betriebes des Geschäftsbereiches Kristall unter das Dach einer Schweizer Holding an der Tagesordnung stand, gescheitert. Eine oppositionelle „Familiengruppe“ rund um Paul Swarovski, die laut eigenen Angaben 18,7 Prozent der Anteile hält, votierte dagegen. Eine Einstimmigkeit wäre für die Durchsetzung der Pläne Buchbauers notwendig gewesen – dieser sah die Versammlung jedoch als Teil eines „Prozesses“.

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