Widerstand gegen Schulschließungen in Tirol

Dringlichkeitsantrag der SPÖ und Petition der NEOS für das Offenhalten der Schulen.

Die neuerliche Debatte über eine generelle Schulschließung heizt die Diskussionen an. Angesichts der nach wie vor hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen in Österreich scheint eine neuerliche Schließung der Bildungseinrichtungen nicht vom Tisch zu sein.

Die Regierung habe den Sommer verschlafen und versuche jetzt mit plakativen Rundumschlägen von den eigenen Fehlern und Versäumnissen abzulenken, kritisiert etwa der Klubobmann der SPÖ Tirol, Georg Dornauer: „Wir brauchen keinen Bildungslockdown, sondern endlich ein vernünftiges, evidenzbasiertes und vorausschauendes Krisenmanagement. Wir wissen, dass gerade Kinder aus einkommensschwachen Familien ganz besonders unter den Schulschließungen leiden.“

Georg Dornauer kündigt einen Dringlichkeitsantrag der SPÖ im Tiroler Landtag an. Foto: EXPA/Groder

Auch Dornauers Parteikollege und SPÖ-Bildungssprecher Benedikt Lentsch plädiert für ein Offenhalten der Schulen. Bis heute würden jegliche statistische und medizinische Belege dafür fehlen, dass die Schulschließungen zur Eindämmung des Coronavirus beitragen. Dornauer und Lentsch warnen vor einem „Bildungskollaps“ und kündigen daher mit ihrer Partei einen Dringlichkeitsantrag für den November-Landtag an.

Die Tiroler NEOS mobilisieren mithilfe einer Petition Stimmen gegen eine etwaige Schulschließung. Wie der pinke Klubobmann Dominik Oberhofer heute, Dienstag, mitteilt, wurden 3.160 Unterschriften von Erziehungsberechtigten aus Tirol gesammelt und an Bildungslandesrätin Beate Palfrader übergeben. Der Austausch mit der Landesrätin war laut Oberhofer „ein sehr guter“. Das Ziel müsse nun sein, „das Virus zu isolieren, nicht unsere Kinder.“ Auf Bundesebene haben die NEOS die Forderungen der pinken Tiroler Fraktion übernommen und seit Anfang der Woche bisher über 15.000 Unterschriften gesammelt. Diese Petition ist weiterhin online.

Die Innsbrucker NEOS-Gemeinderätin Dagmar Klingler (li.) und Klubobmann Dominik Oberhofer übergeben ihre Petition an Bildungslandesrätin Beate Palfrader. Foto: NEOS Tirol

Auch mehrere Institutionen und Vereinigungen sprachen sich zuletzt gegen Schulschließungen aus. Laut Georg Knill, dem Präsidenten der Industriellenvereinigung in Österreich, gebe es durch die neuerliche Schließung von Kindergärten und Pflichtschulen „große Herausforderungen“ im Bildungsbereich, da die Konsequenzen für den Bildungserfolg der Schüler nicht abschätzbar seien: „Im Frühlings-Lockdown waren 12 Prozent der Kinder (davon 36 Prozent aus sozial schwachem Umfeld) nicht für die Lehrerinnen und Lehrer erreichbar, ein Drittel war von schlechten Rahmenbedingungen betroffen. Ich appelliere eindringlich an alle bildungspolitischen Verantwortlichen, hier gegenzusteuern.“

Für die „Österreichischen Kinderfreunde“ habe sich beim ersten Lockdown gezeigt, dass eine Schließung der Schulen „die einschneidendste und belastendste Maßnahmen für Familien ist“, die es nun zu verhindern gelte. „Wir können das schaffen: Bessere Ausstattung der Klassenzimmer, klare Regeln für alle Schulen in ganz Österreich sowie eine Teststrategie mit regelmäßigen und beschleunigten Tests können Elemente sein, die einen sicheren Schulbesuch ermöglichen“, meint Christian Oxonitsch, Bundesvorsitzender der Kinderfreunde.

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1 Posting bisher
Domenik Ebner

Nachdem Bund und Land im Sommer geschlafen haben - kommen die Kinder, Eltern und Lehrer jetzt (möglicherweise) zum Handkuss - das kanns ja wohl wirklich nicht sein!

Bitte die Petition unterschreiben - Die Schulen müssen offen bleiben!