„Alles, was wir zurzeit wirklich wissen ist, dass wir wieder daheimsitzen.“ Maturantinnen und Maturanten fühlen sich von den Verantwortlichen vergessen. Foto: Andrew Neel/Unsplash

„Alles, was wir zurzeit wirklich wissen ist, dass wir wieder daheimsitzen.“ Maturantinnen und Maturanten fühlen sich von den Verantwortlichen vergessen. Foto: Andrew Neel/Unsplash

Und dann waren da noch die Maturanten …

Wir appellieren an die Verantwortlichen: Lasst uns nicht im Regen stehen!

Wer gedacht hat, dass die Matura 2020 als einzigartige Ausnahmesituation und Notlösung in die Geschichte eingehen würde, der hat sich wohl noch nicht mit der Maturasituation 2021 auseinandergesetzt.

Wir Schülerinnen und Schüler haben viel Verständnis für die momentanen Maßnahmen. Wir haben Verständnis für die Wirtschaft, die für viele zurzeit eine Existenzbedrohung bedeutet. Wir verstehen, dass man gefährdete Personengruppen schützen und die allgemeine Verbreitung des Coronavirus stoppen muss. Unser Verständnis reicht für die Schulleitung, die Professorinnen und Professoren und für alle Beteiligten, die im Schulsystem Entscheidungen treffen und Änderungen vornehmen wollen. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die sich eigenwillig verhalten, aber wie sonst auch kann man uns nicht einfach auf diese paar Ausreißer herunterbrechen. Wir bemühen uns.

Als unsere letzten Schulreisen, unsere Abschlussbälle und jegliche Arten von schulischen Exkursionen abgesagt und annulliert wurden, haben wir versucht mit dem größtmöglichen Verständnis der Schulleitung, der Regierung und der Gesellschaft entgegenzukommen. Wir hatten dieses Verständnis schon letztes Schuljahr, als es hieß, dass man als Nichtmaturanten eh noch glimpflich davongekommen war. Als „zur Schule gehen“ plötzlich „daheimbleiben“ bedeutete, haben wir uns angepasst. Ja, wir hatten Schwierigkeiten und ja, wir haben uns über die Umstände beschwert. Dann aber haben wir versucht, Hoffnung auf eine baldig zurückkehrende Normalität zu schöpfen, die Köpfe nicht hängen zu lassen. Wir haben auf den Zuspruch und die versprochene Hilfe aus Familie, Lehrerschaft und politischer Vertretung vertraut.

Immer wieder hieß es: „Sicherlich wird man sich bemühen den nächstjährigen Maturantinnen und Maturanten entgegenzukommen“, „Man wird sich bestimmt darum kümmern, dass die Maturantinnen und Maturanten nicht zu kurz kommen“ und „Irgendwie wird man die Maturantinnen und Maturanten unterstützen. Ganz bestimmt“. Diesen helfenden (Faß-) „man“ gilt es aber erstmal zu finden. Denn irgendjemand, der Lösungen und Antworten hat, wurde leider bisher weder gehört noch gesehen. Ich aber sehe die Arbeitsaufträge, die jeden Tag eintrudeln. Ich sehe die VWAs, Diplomarbeiten und Projektarbeiten und die in sie gesteckten Mühen. Ich sehe die Vorbereitungen auf die Matura und ich sehe die Bemühungen aller Lehrpersonen. Wo also liegt das Problem, dass keiner weiß, wie es weiter gehen soll? Dass keiner weiß, wie die VWA- Präsentationen stattfinden sollen oder wie die Matura ablaufen soll? Ich weiß es nicht und ich traue mich hier für mehrere Schülerinnen und Schüler zu sprechen. Wir wissen es nicht. Wer ist denn also für uns verantwortlich?

Alles, was wir zurzeit wirklich wissen ist, dass wir wieder daheimsitzen. Das „distance-learning“ hatte sein unverhofftes aber bereits vermutetes Comeback und funktioniert, zugegebener Weise, deutlich besser als noch vor einem halben Jahr. Im digitalen Schulhaus halten wir größtenteils zusammen und aus persönlicher Sicht kann ich sagen, dass der Unterricht in den eigenen vier Wänden nicht das Problem zu sein scheint. Viel mehr machen mir die Ungewissheit und die wenigen, kargen Infos zur Matura 2021 Sorgen.

Jetzt sitzen wir daheim. Anfang November gaben verschiedene Quellen, darunter auch die ZIB, zu verstehen, dass für die heurigen Maturantinnen und Maturanten höchstwahrscheinlich eine Sonderregelung in Kraft treten werde. Das wurde Sekunden vor einer Pressekonferenz am 31. Oktober verkündet, bei der man schließlich kein Wort über die Matura verlor. Fast ebenso unbeachtet blieb das Thema bei der darauffolgenden Pressekonferenz zwei Wochen später. Ich habe versucht mich zu informieren, wirklich, aber nirgends war deutliche, offizielle und sichere Information zu finden.

Jetzt sitzen wir daheim. Schularbeiten und Tests sind alle aufgeschoben. Aufgeschoben bis wann? Das weiß keiner. Weder Lehrer noch Schüler. Das Ermessen der eigenen Fähigkeiten durch Schularbeiten- und Testnoten, die vor allem in Hinsicht auf die Matura so wichtig wären, kann nicht erfolgen und bereitet Sorgen und Ungewissheit.

Jetzt sitzen wir also daheim mit Stift, PC und dem lebensnotwendigen Ladekabel bewaffnet. Wir warten hier auf Arbeitsaufträge, auf Videokonferenzen und Neuigkeiten. Neuigkeiten über unsere Zukunft und darüber, wie wir diese wichtige Reifeprüfung meistern sollen. Und daher ein Appell an alle Verantwortungsträger: Bitte vergessen Sie uns nicht! Wir sind zwar „nur“ Schüler und sind uns bewusst, dass es an vielen anderen, bedürftigeren Stellen bereits an Hilfe mangelt. Aber auch wir tun uns schwer, mit der Situation umzugehen. Bitte, liebe Verantwortungsträger, lassen Sie uns nicht außen vor! Lassen Sie uns nicht im Regen stehen und das Corona-Gewitter auf uns niederprasseln. Wir haben Verständnis. Großes Verständnis. Aber auch wir brauchen einen Plan, damit wir dieses Unwetter mit einer halbwegs sicheren Bruchlandung überstehen und irgendwie zum Guten wenden können. Danke. Danke für Ihr Verständnis.


Caterina Schilirò besucht eine Maturaklasse am Gymnasium in Lienz und ist freie Mitarbeiterin von dolomitenstadt.at.

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7 Postings bisher
karlheinz

Hallo Caterina, ich respektiere dein bzw. euer Anliegen. Ich verstehe, dass in dieser Zeit einiges auf euch zukommt. Aber versteh bitte, dass momentan dies dein bzw. euer Job ist. Nimm bitte auch zur Kenntnis, dass es Jugendlichen in deinem Alter ähnlich ergeht, die bei einem handwerklichen Beruf vor einer Abschlussprüfung stehen. Auch die haben es nicht leicht und nerveln herum. Ich wünsche euch ALLEN trotzdem viel Erfolg und vor allem Gesundheit.

Biker

Bei meinem Sohn letztes Jahr hat der Klassenvorstand bei der Überreichung der Maturazeugnisse gesagt: Da zeigt sich die Reife wenn man die Reifeprüfung auch in schweren Zeiten besteht.

Liebe Schüler und Maturanten, lasst euch nicht unterkriegen immer vorwärts denken. Jammern bringt nichts, die Situation annehmen wie sie ist und das beste draus machen.

Alles gute für die Matura.

gewa

Hat der Frühjahrs-Lockdown nicht endlich alle davon überzeugt, dass es auch ohne die Ochsentour der Matura geht. Es ist von den "Professoren" sicher nicht zu viel verlangt, nach acht, neun Jahren zu erkennen, ob der/die einzelne Studierende die Reife für eine Hochschulausbildung erreicht haben. "Ein Test ist kein Test", ein bereits unendlich oft bestätigter Merksatz der Psychologie... Also: Weg mit der Matura!

    unholdenbank

    Was soll den an einer Matura sooo furchtbar sein, dass man sie weg haben will? Selber habe ich eine Matura "überstanden" und viele Maturant/Innen als Lehrer betreut. Nach 8 oder manchmal auch 9 Jahren Ausbildung muss man von einem Jugendlichen schon das Bestehen einer solchen Prüfung verlangen können. Allerdings ist die Zentralmatura zu bekritteln. Sie entspricht dem Wunsch der Obrigkeit und der Wirtschaft, alles nach ihren Vorgaben messen zu wollen und zu können. - zur Produktion von stromlinieförmigen "Bürgern". Vor der Matura zu Tode gefürchtet ist auch nicht bestanden.

el...

Wie alt seid ihr? Die 10 jährigen schaffen dass auch. Andere in eurem Alter arbeiten auch schon selbständig.

    na servas

    @el... < einen so unqualifizierten Kommentar habe ich zu diesem Thema noch selten gelesen. Sie haben wohl persönlich nie ein Maturajahr 'durchlebt' und offensichtlich auch in Ihrer Familie bzw. Ihrem engsten Bekanntenkreis keinen Jugendlichen, der im kommenden Sommersemester zur Reifeprüfung antritt, sonst könnten Sie nicht einen solchen Blödsinn von sich geben!

    BettinaHuber

    @el...: Das ist wirklich alles, was Ihnen dazu einfällt? Schwach! Empathieloser und undifferenzierter geht's wohl nicht mehr!

    Liebe Caterina! Sei versichert, dass es viele Menschen gibt, die Deine/Eure Sorgen und Anliegen verstehen! Dein Text ist keine Anklage oder Pauschalverurteilung, er gibt einen guten Einblick in Eure momentane Situation und beleuchtet diese von verschiedenen Seiten. Schreiben tut manchmal der Seele gut, deshalb HERZLICHE GRATULATION zur Veröffentlichung dieses Textes und trau Dich auch weiterhin laut zu sagen, was Dir ein Anliegen ist! Ich hoffe, dass Ihr bis zu Eurer Matura gute Begleitpersonen um Euch habt und bald einen möglichst präzisen Leitfaden zur Vorbereitung und Abwicklung derselben bekommt. Alles Gute für ALLE (!!!) MaturantInnen und SchülerInnen da draußen - egal wie alt Ihr seid ;-)) !!!