Hörl stellt Tiroler Koalition mit Grünen in Frage

Lkw-Nachtfahrverbot, Schutz der Wölfe und Grundeinkommen stören den VP-Hardliner.

Tirols ÖVP-Wirtschaftsbundobmann Abg. Franz Hörl schießt einmal mehr scharf gegen den grünen Koalitionspartner auf Landesebene und stellt die Zusammenarbeit in Frage. „Es reicht“, meinte Hörl in der „Tiroler Tageszeitung“ und ließ weiter wissen: „Ob wir uns die Grünen als Koalitionspartner leisten können, nur weil sie in der Landesregierung ein bequemer und komfortabler Partner sind, sei dahingestellt. Wirtschaft und Bauern wollen das jedenfalls nicht.“

Die Gründe für Hörls erneute Unmutsäußerungen gegenüber Grün sind mannigfaltig. Die „Ärgernisse“ würden sich häufen. Ein Grund ist, dass Grünen-Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe mit 1. Jänner 2021 eine Verschärfung des Lkw-Nachtfahrverbots auf Schiene gebracht habe und damit auch Lkw der neuesten Schadstoffklasse Euro VI in der Nacht nicht mehr im Transitverkehr durch Tirol fahren dürfen. Ausgenommen wird der Ziel-und Quellverkehr. „Das ist eine Provokation für Italien und Bayern“, so Hörl. Die Wintersaison wackle wegen Corona, da hätte man mit der Verschärfung ein halbes Jahr warten können, meinte der Wirtschaftsbundchef und oberste Seilbahnvertreter. Auch dass die Grünen gegen den Abschuss von Wölfen im Notfall seien sowie der Wunsch von Grünen-Soziallandesrätin Gabriele Fischer, über 1.700 Euro Grundeinkommen zu diskutieren, stoßen Hörl sauer auf.

Franz Hörl mag die Grünen nicht und macht daraus auch kein Geheimnis. Foto: APA

Bei den Bauernvertretern sieht man die Situation offenbar etwas entspannter. Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Abg. Josef Hechenberger (ÖVP), will die Koalitionsfrage jetzt nicht stellen: „Gerade in der Corona-Zeit wird man nicht die Regierung aufkündigen“. Viele Punkte hätten ÖVP und Grüne gemeinsam gut gelöst, aber es gebe auch viele Bruchlinien. „Für eine längerfristige Partnerschaft müssen sich die Grünen in der Frage des Wolf-Abschusses bewegen“, so Hechenberger. Ob das für den Bauernflügel eine Koalitionsfrage sei, wollte Hechenberger nicht sagen: „Das ist für uns die entscheidende Frage“. Bei einem weiteren grünen „Nein“ zum Wolf-Abschuss werde es aber „schwierig“.

Felipe zeigte sich indes gegenüber der APA unbeeindruckt von Hörls Attacken. Mit den Transit-Verschärfungen setze man den in der Koalition mit der ÖVP paktierten „Kampf“ gegen den überbordenden Transit konsequent fort: „Davon lasse ich mich weder von Drohgebärden aus den Nachbarländern noch von Zurufen aus Wien abhalten“. Die Verschärfungen seien bereits 2018 im Transitpaket beschlossen worden und würden daher nicht kurzfristig kommen.

„Dass das Coronavirus in luftbelasteten Regionen überdurchschnittlich viele Krankheits- und Sterbefälle verursacht hat, belegen mittlerweile Studien“, so die Landeshauptmannstellvertreterin. Daher sei es ihre Pflicht, alles Mögliche zu tun, um die Luft zu verbessern und die Verlagerung von Straße auf Schiene voranzutreiben.

Rückendeckung erhielt Felipe durch den Landesgeschäftsführer der Tiroler Volkspartei, Martin Malaun. Hörls Attacken aufgrund der Transit-Verschärfungen konnte dieser nicht nachvollziehen. „Die Koalition in der Tiroler Landesregierung hat als einen Kernpunkt den Kampf gegen den internationalen Transitverkehr. Dieser Weg wird konsequent verfolgt“, so Malaun gegenüber der APA.

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3 Postings bisher
Edi1913

der Knabe hat ja wirklich nicht mehr al...

Talpa

Interessantes Demokratieverständnis von Hörl. Ein Tourismusoligarch, der sich herausnimmt, für die Gesamtheit der Bauern und Wirtschaft zu sprechen, ist entbehrlich. Ein Mensch in solch einer Position sollte über mehr Kontenance verfügen, und nicht seine emotionalen Regungen öffentlich kommentieren.

osttirol20

Der Hörl ist nur sauer, dass nordtiroler Ballermanntouristiker aufgund von katastrophalen hygienischen Bedingungen, zu den Buhmänner, natürlich selbstverschuldet, in der Coronakrise geworden sind und der türkise Großspendennehmer, mit nahezu null Gewicht auf EU-Ebene, auch nichts mehr daran ändern und den Wintermassentourismus nicht mehr retten kann 😂😂😂

Hörl's Börserl wird heuer wohl leer bleiben, bin schon gespannt welche SMS da wohl wieder auftauchen werden