Der Matreier Krippenpfad – Kleinode in der dunklen Zeit

48 Stationen im gesamten „Marktle“ zeigen die schönsten Arbeiten des Krippenvereins.

Im Jahr 1996 wurde in Matrei von enthusiastischen Krippenbauern der Krippenverein gegründet. 2000 wurde dann mit Spendengeldern die Matreier Dorfkrippe gebaut, die seither jedes Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird und auch den Bürgern der Gemeinde selbst gehört. Dolomitenstadt traf sich mit Heike Leitner, Obfrau des 1996 gegründeten Matreier Krippenvereins zu einem Gespräch über die Leidenschaft des Krippenbauens, grenzenlose Phantasie, die stille Zeit im Jahr und eine Krippenausstellung mit 48 Stationen, die ab heute zu sehen ist.

Krippenbauen ist für Heike Leitner zwar eine Beschäftigung die so richtig erst im Herbst startet, aber eigentlich, so sagt sie, sieht man das ganze Jahr über etwas, das später in einer Krippe Platz finden kann. Zweige, Steine, Moos: „Hast du einmal eine Krippe gebaut, gehst du mit einem ganz anderen Blick durch den Wald,“ so Leitner. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt doch der Trend, so glaubt sie, geht wieder mehr in Richtung der alpenländischen Krippen. Vielleicht eine gewisse Heimatverbundenheit, die sich im Krippenbau widerspiegelt.

Obwohl die „orientalischen Krippen“ noch überwiegen, geht der Trend derzeit wieder mehr zu alpenländischen Krippen. Fotos: Krippenverein Matrei

Vom Krippenverein ebenfalls gepflegt wird die große Krippe in der Pfarrkirche. Ihren Ursprung nahm sie wohl in den 1920er Jahren, ganz genau lässt sich das heute nicht mehr ermitteln. Aber wohl seit dieser Zeit wird sie Jahr für Jahr in der Pfarrkirche aufgebaut und ich kann mich noch gut erinnern, dass ich als Kind staunend davor stand, wenn immer wieder neue Figuren auftauchten, es gruselte mir, als ich ganz im Hintergrund die Szene von Herodes‘ Kindermord erspähte und wenn meine Mama mit mir die Schafe zählte, kam sicher bald das Christkind. Genauso habe ich das dann später mit meinen Kindern gemacht und das geht bestimmt ganz vielen Familien auch so. Winter ist Krippenzeit und so wird die stille Zeit im Jahr, auch daheim in den warmen Stuben, gerne mit einer kleinen Welt verschönt, die etwas entrückt erscheint und doch voll liebevoller Details steckt. Eine Krippe ist ein kleines Zuhause, in ihr wohnt ein Stück Herz ihres Erbauers.

Heike Leitner ist seit heuer Obfrau des Krippenvereins und erzählt mir im Gespräch, wie aufwändig und doch schön die Arbeit an der großen Krippe in der Pfarrkirche ist. Sie ist ein Teil unseres Kulturgutes und wird seit vielen Jahren auch vom Krippenverein betreut und gepflegt. So wie auch die oben schon erwähnte Dorfkrippe, die heuer ihr 20. Jubiläum feiert. Weil sich das gerade gut mit dem 50. Bestandsjubiläum des heimatkundlichen Vereins „Medaria“ trifft, kam man im Sommer 2020 überein, einen „Krippenpfad“ zu realisieren. Schon in den warmen, sonnigen Monaten zeichnete sich ab, dass der Herbst und Winter und damit wohl die Weihnachtszeit ebenso im Zeichen von Corona stehen würden wie die Monate davor. Deshalb ist die Idee der beiden Vereinsobleute Heike Leitner und Bernhard Oberschneider besonders schön und wertvoll.

Krippenbauleiter Gustl Wanner justiert mit geschultem Blick die Hirten auf ihrem Weg zum Neugeborenen. 48 Krippen sind derzeit in Matrei zu sehen.

An 48 verschiedenen Stationen im Matreier Ortszentrum werden Krippen ausgestellt, in Schaufenstern von Geschäften genauso wie in Fenstern von Wohnhäusern. Zu sehen sein werden Krippen von Vereinsmitgliedern aber eben auch die Dorfkrippe und die große Krippe in der Pfarrkirche. Dort nimmt der Pfad auch seinen Anfang, es liegen Flyer mit einer genauen Wegbeschreibung auf. Diese findet man ebenfalls in den teilnehmenden Geschäften und bei der Dorfkrippe auf dem Kirchplatz.

„Spenden möchten wir nicht einsammeln,“ so Heike Leitner „aber wenn jemand eine Freude mit dem Projekt hat und gerne etwas geben möchte, ist bei der Dorfkrippe ein Einwurf möglich. Sollte etwas übrig bleiben, kommt das einem anderen Verein zugute, Matreier helfen Matreiern.“ Damit ist dieses wunderbare Projekt, das vom 4. Adventsonntag bis 10. Januar in Matrei läuft, nicht nur eine ganz kontaktlose Möglichkeit doch noch etwas Weihnachtsstimmung einzufangen, oder sich Ideen für den eigenen Krippenbau zu holen, einfach nur staunend und genießend die schönen Kunstwerke zu bewundern sondern, ganz nebenbei, auch noch eine helfende Hand für Menschen in Not.

In diesem Sinne wünschen der Krippenverein Matrei und der heimatkundliche Verein Medaria allen gemeinsam eine schöne Weihnachtszeit und laden ein, von nah und fern: Gemma Krippele schaugen!

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