Osttirol: Hungernde Wildtiere füttern oder nicht?

Für Bezirksjägermeister Hans Winkler ist klar: „Wer jetzt nicht hilft sollte sich schämen.“

Dass man geschwächte Wildtiere in der derzeitigen Notsituation füttern soll, steht für den Osttiroler Bezirksjägermeister Hans Winkler außer Frage: „Man kann doch nicht dabei zuschauen, wie die Tiere vor der eigenen Haustüre verenden.“ Ob die Fütterung allerdings auch rechtlich gedeckt ist, steht auf einem anderem Blatt. Eine klare Antwort auf diese Frage gibt es laut Winkler nicht: „Eigentlich beschränkt sich die Erlaubnis auf behördlich genehmigte Fütterungen, dann gibt es aber wieder viele Ausnahmen für solche Notsituationen wie die derzeitige. Ich bin der Auffassung, dass es derzeit gesetzlich erlaubt und auch notwendig ist.“

Osttirols Bezirksjägermeister Hans Winkler hält eine Fütterung von Wildtieren „in der jetzigen Situation für notwendig.“ Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Wichtig sei jedoch, beim Füttern gewisse Regeln zu beachten. Ein absolutes No-Go ist die Fütterung im Jungwald. Findet das Wild dort später keine Nahrung mehr, ist die Gefahr groß, dass es sich an den Bäumen vergeht. Es sollten auch nur jene Tiere gefüttert werden, die geschwächt wirken und sich längere Zeit in der Nähe der Menschen aufhalten.

Nicht in Jungwäldern und keine Hausabfälle füttern – so lauten die Grundregeln, um den Tieren bestmöglich zu helfen. Foto: EXPA

„Wenn man schwache Tiere entdeckt, sollte man idealerweise den Gemeindewaldaufseher oder den zuständigen Jagdpächter informieren, der dann Futter bringt“, so Winkler. Keinesfalls dürfe man dem Rotwild Hausabfälle füttern. Geeignet ist nur Raufutter, also Heu. Eine Dauerlösung sei das Füttern laut dem Jäger aber nicht: „Das ist nun eine Notfütterung, die notwendig ist. Die Viecher brauchen Ruhe und wenn das Wetter es zulässt, werden sie wieder ihre Unterstände aufsuchen. Momentan sind sie übrigens nicht nur wegen dem Wetter so weit unten unterwegs. Dass so viele Leute in den Wäldern unterwegs sind, stresst die Tiere zusätzlich.“

Der Bezirksjägermeister von Spittal, Franz Kohlmayer, teilte vor wenigen Tagen mit, dass das Landwirtschaftsministerium Kärnten das Verbot von Wildtierfütterungen in flächenwirtschaftlichen Projekten der Landesforstdirektion vorübergehend aussetze. In Osttirol sei die Sachlage laut Winkler aber eine andere, weil hier das Land und die Bezirksbehörden zuständig sind und es keine Eigenverwaltung wie in Kärnten gibt.

In Oberkärnten setzt man zudem auf Streckenfütterung der Wildtiere. Dabei wird ein Weg angelegt, auf dem anschließend Heu ausgebracht wird. „Das macht derzeit durchaus Sinn, weil es so angelegt ist, dass alle Tiere etwas davon haben“, so Winkler. Doch nicht alle „Berufskollegen“ teilen seine Meinung. In der Osttiroler Jägerschaft gebe es auch „einige schwarze Schafe, die eine Fütterung der Wildtiere ablehnen. Für mich stellt sich diese Frage nicht. Wenn man als Jäger jetzt nicht hilft, sollte man sich schämen.“

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14 Postings bisher
robertl

@ simon legniti

Als "der" Biologe schlechthin, welcher sich um alle Tiere bzw. Tierarten Gedanken macht ist es wohl 1000fach sinnvoller, uns Ottonormalverbrauchern ihr fundiertes Biologenwissen, Tipps, Ideen, Tricks usw. näherzubringen, wie wir alle möglichst viele dieser Tiere im Moment bestmöglich unterstützen können, 1000fach sinnvoller als jetzt in dieser Situation die Jägerschaft unterschwellig anzugreifen (die Jägerschaft füttere nur jene Tiere, welche diese dann auch später erlegen kann). Bei jeder Wildfütterung profitieren nicht nur das von ihnen benannte Rot- und Rehwild von der Futtervorlage, sondern sehr viele weitere Tierarten auch, Klein- und Kleinstsäugetiere, diverse Vogelarten, usw.)

Die Osttiroler Jägerschaft, mit ihrem Bezirksjägermeister als Sprachrohr, stellt sich mit sehr viel persönlichem Einsatz der momentanen Situation - nach ihren Möglichkeiten, reden Sie diese nicht schlecht!

Vielmehr fordere ich gerade Sie hiermit auf, auch alles Ihnen mögliche zu unternehmen, um den von der Jägerschaft nicht abgedeckten Tierarten jetzt von Nutzen zu sein — im ersten Absatz habe ich eine Möglichkeit erwähnt!

Kurzer Einwurf von mir — anpacken nit schimpfn!!

Grusz Robert

    Simon Legniti

    Lieber @robertl,

    mein Antwortversuch siehe Artikel: "Schadet Wildfütterung mehr als sie hilft?"...

    Grüße Simon

Simon Legniti

„Das macht derzeit durchaus Sinn, weil es so angelegt ist, dass alle Tiere etwas davon haben“, so Winkler ...

Das "alle Tiere" etwas davon haben? Wenn wirklich "alle Tierarten" gemeint wären, würden wohl nicht nur Reh- und Rotwild gefüttert werden. Wer denkt an die nicht jagdbaren Tierarten, welche jetzt schwer bzw. garnichtmehr zu ihrem üblichen Nahrungsangebot kommen? Und wie schaffen es Steinbock und Gämse über den Winter? Mann könnte fast denken, dass es der Jägerschaft nicht um "alle Tiere" geht, sondern nur um jene, welche man auch "nutzen" - sprich in der Jagdzeit erlegen kann.

So ein Engagement würde ich mir für bedrohte Tier- und Pflanzenarten in Osttirol wünschen. In unserem Bezirk gibt es etliche Tiere, welche vom regionalen Aussterben bedroht sind. Großes öffentliches Interesse dafür gibt es nicht. Schade ...

Kurzer Einwurf eines Biologen, welcher sich wirklich um alle Tiere Gedanken macht...

    le corbusier

    ganz ihrer meinung!

    isnitwahr

    ich denke, dass bei dem Satz "...dass alle Tiere etwas davon haben..." gemeint ist, dass alles Wild, das Geschwächte sowie das weniger Geschwächte gemeint ist, und nicht alle Bewohner des Waldes. Es geht ja in diesem Artikel um die Wildtierfütterung.

      Simon Legniti

      Denke ich auch! Habe ich aber, um meine Botschaft zu verdeutlichen, absichtlich falsch verstanden.

Claudia Moser

DANKE!! Toller Beitrag, tolles Video, Menschen mit 💓💓💓!

so ist es vielleicht

Toller Bericht, tolles Video! Solche Bilder sieht man als Laie echt nie, wunderschön zu sehen, dass es auch noch Menschen mit 💚💚💚 gibt, die nicht nur an sich denken! Bravo!!!! Die 🦌🦌🦌 danken es ihnen! 😚

Gertrude

Gott sei Dank gibt es noch Menschen, die das Herz am rechten Fleck tragen und wissen, was zu tun ist.

Herb62

Der Meinung des Bezirksjägermeisters kann man sich nur anschließen. Die Wildtiere benötigen zum Überwintern vor allem Ruhe, die sie in unserer Region z.B. durch Störungen auf Grund von Freizeitaktivitäten, Zerschneidung von Lebensräumen,... nicht mehr finden. Um den dadurch erhöhten Energiebedarf trotzdem zu decken, muss man besonders bei großen Schneemengen füttern. Sonst wird bewusst in Kauf genommen, die Tiere elendig verhungern zu lassen.

    nikolaus

    Meine Beobachtungen zu den "Störungen auf Grund von Freizeitaktivitäten":

    Immer wieder einmal schreckt man Wild auf, wenn man mit den Schneeschuhen querfeldein wandert. Verhält man sich ruhig, beruhigt sich auch das Wild bald wieder. Trotzdem bleibt im ersten Moment ein Rest schlechten Gewissens. 😞

    Folgt man aber Tage später wieder seinen eigenen Spuren, bemerkt man, dass auch das Wild diese Bahnen fleißig nutzt, weil es dort bei weitem nicht so tief einsinkt wie im unsgepurten Gelände. Das Gewissen fühlt sich wieder rein gewaschen! 😃

isnitwahr

in einem Winter wie diesem so wunderschöne Tiere verhungern lassen kann doch kein normal denkender Mensch zulassen. ich stimne 100% Klettermaxi zu, und es ist beeindruckend wie schnell sich die Fütterung unter den Tieren "herumspricht"! Von mir ebenfalls ein riesengroßes Dankeschön. Ich würde sehr gerne etwas Geld für das Futter spenden, wenn das möglich ist. wenn ja bitte bekannt geben, wohin man spenden kann, danke.

le corbusier

ein bisschen bipolar kommt mir diese sache schon vor. im sommer rechtfertigt man die jagd wegen verbissschäden und krankheiten. im winter füttert man die tiere dann durch. ich glaube, dass es auch viele tiere gibt, welche sich über einen rehkadaver freuen würden. die natur regelt das schon ganz alleine. vorausgesetzt man stört das system nicht (stichwort freeride dirch den wald).

Klettermaxi

So schön für die Tiere ❤ BRAVO, BRAVO, BRAVO !!! Gottseidank gibts noch Menschen mit Herz und Mitgefühl. Das Video hat mich richtig bezaubert. Danke 😍