Und wenn es keine Impfstoffpatente gäbe?

Dann hätten wir genügend Impfstoff für alle, meint Marcus Bachmann von Ärzte ohne Grenzen.

Mit Ende des Jahres kam für viele Menschen die große Erleichterung und ein erster Hoffnungsschimmer in der Corona-Pandemie: Der erste Impfstoff gegen COVID-19 wurde zugelassen.

8,5 Milliarden Euro Steuergelder sind in die Forschung und die Entwicklung geflossen. Nun muss der Impfstoff aber auch produziert werden. Während weltweit 50 Unternehmen in der Lage wären, Impfstoffe zu produzieren, konzentriert sich die Produktion derzeit auf sieben bzw. acht Pharmakonzerne – denn diese halten die Patente für die Corona-Vakzine. Durch das Behalten des geistigen Eigentums können die Konzerne Produktion und Preis kontrollieren und nach Belieben gestalten. Doch schon jetzt kommen einige dieser Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen und melden Lieferschwierigkeiten.

„Wenn man diese Patente nun aussetzen würde – und das könnte man – könnten sehr viel mehr Unternehmen den Impfstoff produzieren und das zu fairen Preisen, den sich auch arme Länder leisten können“, erklärt Marcus Bachmann, gebürtiger Lienzer und Experte für COVID-19 bei Ärzte ohne Grenzen im Video:

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7 Postings bisher
wolf_c

''Ärzte ohne Grenzen'' das ist doch die schlepperbande? hat der kanzler gesagt, der seltene; und die pharmamanager sind die bestbezahltesten der welt, die lachen sich halbtot! beim geschäft ihres lebens, die politik schaut zu und macht die gesetze dafür, so wollen wir das.

Sepp Brugger

Die Heinrich Böll Stiftung in deutschland hat dazu am 10.2. ein Webinar organisiert: Europe Calling "Tödliche Patente? Wie die Produktion von Covid-19-Impfstoffen weltweit gesteigert werden kann" 10.2., 20 UhrGleich hier zum Webinar anmelden!

Liebe Freunde, liebe Interessierte, Impfstoffe sind der Ausweg aus der Covid-19-Pandemie. Doch trotz riesiger öffentlicher Investitionen wird weltweit bisher viel zu wenig Impfstoff produziert. Die Länder des Globalen Nordens werden zumindest bis Ende 2021 den größten Teil ihrer Bevölkerung geimpft haben. Dagegen wird es in den Entwicklungs- und Schwellenländern Jahre dauern, bis genügend Impfstoffe zur Verfügung stehen, um ihre Bürger*innen zu impfen. Die Welt wird sich jedoch erst dann von der Pandemie wirtschaftlich als auch sozial erholen, wenn das Virus global besiegt ist. Wichtig ist: Solange das Virus nicht überall besiegt ist, können und werden neue Virus-Varianten entstehen, die geimpfte Bevölkerungen infizieren könnten, wie wir es bei der aktuellen Variante aus Südafrika sehen. In einer solchen Situation bedeutet die Durchsetzung von Patenten auf Covid-19-Impfstoffe, dass nicht alle globalen Produktionskapazitäten für Impfstoffe, die genutzt werden könnten, auch genutzt werden. Die Impfstoffhersteller haben wiederholt ihre vertraglich zugesicherten Mengen nicht geliefert. Das Wissen um die Heilung einer globalen Krankheit, die mit öffentlichen Geldern entwickelt wurde, muss öffentlich sein und darf nicht hinter Patenten versteckt werden. Deshalb hat Indien als weltweit größter Hersteller von Impfstoffen gemeinsam mit anderen Entwicklungs- und Schwellenländern bei der Welthandelsorganisation den Vorschlag eingereicht, die Patente für Covid-19-Impfstoffe und Medikamente solange auszusetzen bis eine globale Herdenimmunität erreicht ist. Die meisten Industrieländer, darunter auch die EU und die deutsche Bundesregierung, lehnen dies entschieden ab. Im Europäischen Parlament haben die Grünen immer wieder eine Öffnung der Patente gefordert. Eine Forderung, die auch Unterstützung durch den EU-Ratspräsidenten Charles Michel gefunden hat. Vor dem Hintergrund dieser Debatte ist es unsere große Ehre, dass Ihre Exzellenz, die Botschafterin von Indien in Deutschland, Mukta Dutta Tomar, kurzfristig zugesagt hat, an unserem nächsten "Europe Calling"-Webinar teilzunehmen am Mittwoch, 10. Februar 2021, 20:00 bis 22:00 Uhr. Dieses Mal findet das Webinar in unserer Reihe “Europe Calling” in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Mit dabei ist deren Präsidentin Barbara Unmüßig. Sie ist eine bekannte Expertin für globale Gleichstellungs- und Ressourcenpolitik. Gemeinsam mit Ihnen und Euch werden wir hören, wie Indien die aktuelle Situation einschätzt, welche Impfstoffe dort bereits produziert werden und was Indien von der Weltgemeinschaft, insbesondere von der EU und Deutschland, in Bezug auf Patente und globale Impfstoffproduktion erwartet. Barbara Unmüßig wird die Situation kommentieren und ihre Überlegungen vorstellen, wie man eine globale Impfung gegen diese weltweite Pandemie erreichen kann. Seid dabei und meldet Euch gleich hier an: https://gruenlink.de/1xg5 Die Diskussion ist offen für alle und wird simultan ins Deutsche und Englische gedolmetscht. Bitte leitet diese Einladung auch an alle Interessierten weiter. Mit solidarischen Grüßen, Sven Giegold, MdEP, Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament Barbara Unmüßig, Heinrich-Böll-Stiftung, Vorsitzende

Sepp Brugger

Dazu die Pressemitteilung der Generation plus Tirol (Grüne SeniorInnen)vom 26.1.2021 Generation Plus fordert die Aussetzung der Corona-Impfstoff-Patente Durch die Freigabe der Patente können Lieferengpässe vermieden und mehr Impfstoffe schneller produziert werden. Die EU-Länder haben die Pharmakonzerne durch Abnahmegarantien, Subventionen für Forschung zur Entwicklung der Corona-Impfstoffe und deren Produktion mit vielen Milliarden Euro unterstützt. Entgegen der getroffenen Vereinbarungen gibt es nun Lieferengpässe, die den Kampf gegen die Pandemie gefährden und eine Verlängerung der Einschränkungen bedeuten. Viele Experten und Regierungen plädieren daher, den Patentschutz auszusetzen. „Wenn die Pharmakonzerne das Wissen und die Patente zur Herstellung der Corona-Impfstoffe freigeben, könnten mehr Produktionen eingerichtet und alle Länder weltweit schneller mit Impfstoffen versorgt werden,“ fordern Sepp Brugger und Christine Schenk, Vorstandsmitglieder der Generation Plus Tirol. Da die EU-Staaten Milliarden Euros in die Entwicklung des Impfstoffes investiert haben, könnten sie im Gegenzug den Pharma-Unternehmen voschlagen, die Patente unter bestimmten Bedingungen, wie der Abgeltung des geistigen Eigentums, auszusetzen. Dahinter steht für die Generation Plus die ethische Frage, ob mit öffentlichen Geldern unterstützte Impfstoffe zur Bekämpfung der Pandemie nicht allen Menschen zu gleichen Bedingungen zur Verfügung stehen sollen? „Es geht nicht nur um eine rasche Versorgung der EU-Staaten, sondern auch der ärmeren Länder insbesondere in Afrika, Südamerika und Asien“, betonen Brugger und Schenk. Damit sind sie nicht alleine, Gesundheitsexperten, NGOs und die WHO diskutieren aktuell auch über eine Offenlegung der Technologien und eine Freigabe der Impfstoff-Patente. Die Republik Österreich möge sich daher gemeinsam mit den Ländern der Europäischen Union für eine Freigabe der Corona-Impfstoff-Patente, so die Vorstandsmitglieder der Generation Plus Tirol. Christine Schenk und Sepp Brugger Generation Plus Tirol

Spanidiga

An der ganzen Sache würde mich aber interessieren:gibt es dann nicht die Möglichkeit sein entwickeltes Produkt zu patentieren,wieviel Interesse hätten dann die Entwickler und wie lange würde man dann auf ein Produckt welcher Art auch immer warten müßen?

Der_einsame_Rechner

Wie kann ein "Experte" so wenig Ahnung von der Pharmabranche haben? Bestehende Anlagen auf die neuen, hochkomplexen Produkte umzustellen, dauert Monate. Und wie soll sich der Spaß finanziell ausgehen? Die Pharmakonzerne stehen bei der Impfstoffentwicklung politisch sowieso extrem unter Druck, ihr Produkt quasi zu verschenken, weswegen grundsätzlich kaum mehr in diesen Bereich investiert wird. Die Abschaffung von Patenten kann hier nicht die Lösung sein, denn dann wird gleichzeitig auch die Forschung eingestellt.

    rebuh

    8,5 milliarden wurden von den steuerzahlern für diese entwicklung zur verfügung gestellt, wären vermutlich für entwicklung eines medikamentes besser eingesetzt gewesen. und nein, die pharmaindustrie hat und wird nie was verschenken! mitleid ist in diesem fall nicht angebracht, wo ja noch nicht mal geklärt ist, ob dieser virus nicht aus einem ihrer labore stammt!

    Raphael Pichler

    Dass es wissenschaftliche Innovation nur gibt, wenn im Nachhinein damit ein großer Profit gemacht werden kann, ist eine kapitalistische Wunschvorstellung. Im Bereich der Pharmazie ist wohl die Entdeckung des Insulins das prominenteste und beste Beispiel: Der kanadische Chirurg und Physiologe Frederick Banting erhielt 1923 den Nobelpreis für die Entdeckung des Insulins. Banting verkaufte nach der Patentierung des neuen Medikaments sein Patent an die Universität von Toronto für 1$, weil er glaubte, dass es ethisch nicht vertretbar sei, von einer solchen Entdeckung zu profitieren. Leider eine umso traurigere Geschichte, wenn man beachtet, zu welchen Preisen Insulin heute in den USA verkauft wird.

    Wenn es ein Medikament gibt, welches Leben retten kann, sollte nicht der Profit, den man damit machen kann, darüber entscheiden, wie viel davon von wem und für wie viel Geld produziert und vertrieben werden darf.