Videodolmetscher helfen Schulen bei Elterngesprächen

Pilotversuch wird auf ganz Österreich ausgeweitet. Auch in Lienz gibt es Bedarf.

Um Verständigungsschwierigkeiten und Missverständnissen bei Elterngesprächen mit Erziehungsberechtigten, die kaum Deutsch sprechen, vorzubeugen, bekommen Bildungseinrichtungen in Österreich zumindest bis zum Ende des Schuljahres 2021/22 (August 2022) Unterstützung durch Video- und Telefondolmetscher. Im Gesundheitsbereich und bei österreichischen Ämtern ist dies bereits gang und gäbe, im Bildungsbereich mussten mitunter PädagogInnen mit Fremdsprachenkenntnissen oder die Kinder und Jugendlichen als Übersetzer herhalten.

Auch in Lienz werden gelegentlich Übersetzer gebraucht, wie Maria Bürgler, Direktorin der VS Lienz Nord, erklärt: „Wir haben schon immer wieder Elterngespräche, wo wir Dolmetscher hinzuziehen oder die Eltern jemanden mitbringen, der übersetzt.“ Der Bedarf sei durchaus da, das Angebot sieht Bürgler deshalb positiv. Ähnlich sieht man das auch an der VS Lienz Süd 1. Auch hier gebe es Bedarf, sagt Direktor Stefan Schrott, der das Angebot auch als große Hilfe sieht.

Dass Schulen oder die Eltern selbst Übersetzer hinzuziehen müssen, soll sich mit dem neuen Angebot für alle elementaren Bildungseinrichtungen (Kindergärten), Volksschulen sowie Mittelschulen in Österreich ändern. Den Einrichtungen stehen im Zeitraum von April 2021 bis August 2022 – auch während der Sommermonate – DolmetscherInnen in 34 verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Für 17 dieser Sprachen sollen entsprechende ÜbersetzerInnen innerhalb von nur wenigen Minuten nach der Anfrage zur Verfügung stehen. Zu diesen Sprachen zählen Albanisch, Hocharabisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Bulgarisch, Dari, Englisch, Farsi, Französisch, Kurdisch – Kurmanci, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Slowakisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch und Ungarisch. Für alle anderen der angebotenen Sprachen stehen DolmetscherInnen nach Terminvereinbarung zur Verfügung.

Die Videoübersetzung möchten in Lienz vor allem die Volksschulen nutzen. Foto: Dolomitenstadt/ Wagner

Das Angebot, welches Bildungsminister Heinz Faßmann in einer Aussendung an die PädagogInnen in Österreich als „einen wichtigen Meilenstein in der Integrations- und Elternarbeit im Bildungsbereich“ bezeichnete, erreichte auch die NMS Egger-Lienz. „Wir halten den Videodolmetsch für Elterngespräche für ein sehr gutes Angebot und haben das auch schon dementsprechend weitergeleitet. Wenn in Zukunft Bedarf da ist, dann werden wir das Angebot nutzen“, so Direktorin Gabriele Schwab. Ob Bedarf da sein wird, werde sich zeigen. An der MS Lienz Nord besteht im Moment kein Bedarf, wie Direktorin Anita Kofler-Neumayr erklärt.

Die ÜbersetzerInnen werden über Video oder Telefon zugeschalten und helfen Themen wie die Förderung, Entwicklung und Leistungen des Kindes so zu vermitteln, dass keine Missverständnisse entstehen. Genutzt werden kann das Service auf verschiedenen Endgeräten wie Laptop, Smartphone oder, wenn keine Internetverbindung vorhanden ist, auch einfach telefonisch. Empfohlen wird eine Nutzung des Videodolmetsch-Angebots, da Gestik und Mimik eine große Rolle spielen und Vertrauen einfacher aufgebaut werden kann, wenn das Gegenüber sichtbar ist. Auch kann beispielsweise Gebärdensprache nur im Videotelefonat gedolmetscht werden.

Rund ein Viertel der Kinder, die die VS Michael Gamper besuchen, sind laut Direktor Johannes Moritz nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen. Das Videodolmetsch-Angebot des Ministeriums bezeichnet er als eine „wertvolle Ressource, um in Gesprächen Sachen klar auszudrücken“. Er betont aber auch, dass eine Umsetzung an seiner Schule auch davon abhängen wird, wie schwierig der Zugang zum Angebot gestaltet ist.

Das Angebot läuft über die SAVD Videodolmetschen GmbH mit Sitz in Wien, welche die ausgebildeten DolmetscherInnen sowie die technische Anbindung und Schulungen zur Verfügung stellt. Bildungseinrichtungen können sich auf der Website von SAVD einloggen und über die eigens dafür ausgelegte Plattform das Angebot der Videoübersetzung nutzen. Das Projekt, das bereits in einem Pilotversuch an vier Schulen in Wien und Niederösterreich getestet wurde, wird über den EU-Sozialfonds finanziert und ist für Bildungseinrichtungen und PädagogInnen kostenfrei nutzbar.

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stella

Nur eine kurze Anmerkungen zu den Begriffen, die sehr oft verwechselt werden, aber doch "2 Paar Schuhe" sind: Übersetzen ist die schriftliche Übertragung eines Textes, Dolmetschen hingegen die mündliche Übertragung des gesprochenen Wortes. Einfacher gesagt, der Übersetzer schreibt, der Dolmetscher spricht. Ein Übersetzer muss nicht zwangsläufig auch Dolmetscher sein - hier gibt es eine klare Unterscheidung im Studium.