„Die psychische Verfassung von Jugendlichen ist dramatisch“

SOS-Kinderdorf fordert rasche, professionelle und leistbare Hilfe für Kinder und Jugendliche.

SOS-Kinderdorf fordert anlässlich des Tages der Gesundheit eine Offensive für psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die Forderungen umfassen unter anderem den Aufbau einer Übergangspsychiatrie, flächendeckende Therapie auf Krankenschein und die Förderung digitaler Angebote.

„Die psychische Verfassung von Jugendlichen ist dramatisch. Immer mehr junge Menschen leiden an ernsten psychischen Erkrankungen. Sie brauchen Hilfe, rasch, professionell und leistbar“, sagt Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf.

In Österreich fehle es an der nötigen Infrastruktur. Es gebe zu wenig FachärztInnen und damit einhergehend nicht genug Ausbildungsplätze, um ebendiese FachärztInnen aufzubauen. Gleichzeitig müssten Familien die Kosten für Psychotherapien häufig selbst übernehmen. Bereits vor der Corona-Krise fehlten rund 70.000 kassenfinanzierte Therapieplätze für Kinder und Jugendliche. SOS-Kinderdorf fordert eine leistbare, flächendeckende Therapie auf Krankenschein.

Die Österreichische Gesundheitskasse will in den kommenden drei Jahren genau diese Psychotherapie auf Krankenschein um ein Drittel erweitern, wie bereits im Dezember 2020 in einer Aussendung verlautbart wurde. Mehr als 20.000 Menschen könnten dadurch zusätzlich versorgt werden.

Die Zahl der Jugendlichen, die unter ernstzunehmenden psychischen Erkrankungen leiden, nimmt zu. Foto: Unsplash/Piscilla Du Preez

SOS-Kinderdorf sieht weiterhin Handlungsbedarf und setzt sich auch dafür ein, dass die Angebote für PatientInnen erreichbar sind und beispielsweise ländliche Gebiete miteinschließen, ohne dass lange Anfahrtszeiten in Kauf genommen werden müssen. Eine Lösung könnten innovative und kreative Ansätze wie etwa Krisenbehandlung zuhause oder digitale Therapieangebote darstellen.

„Seit dem ersten Lockdown hat sich in unseren Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie gezeigt, dass Therapien über Telefon oder Videochat gerade von Jugendlichen sehr gut angenommen werden“, so Christoph Schneidergruber, Leiter des Ambulatoriums für Kinder- und Jugendpsychiatrie von SOS-Kinderdorf in Kärnten.

Die Hilfe müsse aber auch in Form von passenden Angeboten bei den Jugendlichen ankommen, besonders bei jenen, die sich in der Übergangsphase zum Erwachsenenalter befinden. SOS-Kinderdorf schlägt darum vor, 15- bis 25-Jährige auf dem Weg zum Erwachsenwerden mit Übergangspsychiatrie bzw. Transitionspsychiatrie zu begleiten. Denn der Wechsel von der Kinder- und Jugendpsychiatrie zur Erwachsenenpsychiatrie sei für viele junge Menschen ein schwieriger Schritt.

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5 Postings bisher
Gristian

Letztes Jahr gab es dazu im Healthjournal vom Robert Koch Institut einen interessanten Artikel. Unter anderem wurde dort eine chinesische Studie erwähnt, welche 2020 am Höhepunkt der Pandemie eine Befragung von knapp 10.000 Jugendlichen durchführte. Die Verfassung war nicht nur dramatisch, sondern katastrophal. Die 2 größten Probleme waren Angst (37%) und depressive Verstimmungen (44%). In D und AT gab es ähnliche Studien mit einer geringeren Befragungsgruppe, aber identem Ergebnis.

Hinzu kommen die Eltern bzw. generell Erwachsene -> letztes Jahr war die Häufigkeit von Depressionen 5x höher.

Es ist traurig zu sehen, dass es hervorragende Lösungen geben würde, aber eine Therapie auf Krankenschein ist äußerst selten und häufig nur bei schweren Fällen zu bekommen, ganz zu schweigen von der Wartefrist. Trägt man die Kosten selbst, können sich das zum Teil nicht einmal die Erwachsenen leisten, geschweige denn Jugendliche. Ein weiteres großes Problem ist nachwievor die Scham sich zu überwinden und überhaupt um Hilfe zu bitten (28%) und weiters das fehlende Vertrauen in Therapeuten (12%).

Diese Probleme gibt es nicht nur in Österreich und auch nicht erst seit gestern. Mich würde es freuen hier ähnliches wie bei der letztjährigen Digitalisierung zu beobachten. In kürzester Zeit hat man Jahre übersprungen und befindet sich nun an einem Punkt, welchen man vielleicht erst viel später erreicht hätte und sich nicht einmal ansatzweise so vorstellen hätte können. Videotelefonie als Beispiel, ist jetzt in den Büros zur Normalität geworden, wär hätte sich das Anfang 2020 überhaupt vorstellen können?

Meiner Meinung nach erreicht man die Jugend mit digitalen Hilfsangeboten wesentlich effizienter, zumal es so und so noch Jahre dauert genügend physische, bezahlbare Plätze zur Verfügung zu stellen. Eine bezahlbare und gut verfügbare Lösung wird jetzt und nicht erst in Jahren benötigt.

wolf_c

... es gibt auch viel zu wenig schulpsychologen wie zB herr Ebner darlegt, aber es gibt vieeel geld für schneeräumung! und kreisverkehr!

    Post_ler

    wolf_c, wie soll denn der Schulpsychologe auf ungeräumten Straßen in die Schule kommen? Du vergleichst da Äpfel mit Birnen.

      wolf_c

      es geht babei um die maßstabs- und prioritätenfragen, nicht um die sinnfrage! und da wird auf gewissen gebieten aus dem vollengeschöpft(meist sind es nichthinterfragte gewohnheitsgebiete die geld bringen oder/und machtverhältnisse spiegeln)und die schwächeren des sozialgefüges beißen ab ...

      senf

      naja, herr wolf, fast jeder nutzt das staatsystem mit dem großzügigen sozialgefüge auf seine weise. du kennst das ja zur genüge.

      „Die psychische Verfassung von Jugendlichen ist dramatisch. Immer mehr junge Menschen leiden an ernsten psychischen Erkrankungen. Sie brauchen Hilfe, rasch, professionell und leistbar“, sagt Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf.

      hättest du darauf eine schlüssige antwort parat?