An der Isel wurde proklamiert und diskutiert, gebastelt, gepicknickt und musiziert. Alle Fotos: WWF/Brunner Images

An der Isel wurde proklamiert und diskutiert, gebastelt, gepicknickt und musiziert. Alle Fotos: WWF/Brunner Images

WWF und Naturschutzbund luden zum Isel-Erlebnistag

Umweltschützer:innen fordern erneut umfassenden Schutz des gesamten Flusssystems.

Es ist ein Spielplatz und Treffpunkt der besonderen Art, das Ufer der Isel mit seinen Sandbänken und Buchten, ständig wechselnden Szenarien und einem Hauch von Frische selbst an schwülheißen Sommertagen. Am 25. Juli fand sich am Gletscherfluss eine Gruppe umweltbewegter Menschen ein, um auf Einladung des WWF und des Naturschutzbundes einen „Flusserlebnistag“ zu verbringen und einer bekannten Forderung Nachdruck zu verleihen: „Wir kämpfen seit zehn Jahren für die vollständige Ausweisung der Osttiroler Gletscherflüsse als Naturschutzgebiet. Der derzeitige Entwurf des Landes Tirol weist dieselben Lücken wie das bestehende Natura 2000 Gebiet auf. Daher erneuern wir beim Flusserlebnistag unsere Forderung nach dem umfassenden Schutz dieses einzigartigen Flusssystems und einem Stopp der Kraftwerksverbauungen,“ proklamierte die Frontfrau der Iselschützer:innen, Marianne Götsch vom WWF.  

Sie fordern umfassenden Schutz für das gesamte Gewässersystem der Isel (von links): Maximilian Schmid, Katharina Schwendner, Susanne Muhar, Marianne Götsch, Bernd Lötsch, Reinhold Bacher und Roman Türk.

Für die Naturschutz-Organisationen kann jedes weitere Kraftwerksprojekt an einem Zubringer der Isel – umstritten ist vor allem das Kraftwerk Haslach-Kalserbach – der Kipppunkt sein, der das wertvolle Gletscherflusssystem in seiner Vitalität zerstört. „Naturjuwele wie die Osttiroler Gletscherflüsse sind die Aushängeschilder Österreichs. Die sensiblen Ökosysteme entlang von Wildflusslandschaften sind auf eine intakte Flussdynamik und ein durchgängiges Netzwerk aus Hauptfluss und kleineren Flüssen angewiesen“, erklärt deshalb Roman Türk, Präsident des Naturschutzbundes Österreich.

Reinhold Bacher, Naturschutzreferent der Alpenvereinssektion Matrei meldete sich aus Osttiroler Perspektive zu Wort: „Mit der Isel und ihren Zubringern haben wir in Osttirol bislang etwas bewahrt, was in anderen Regionen längst verloren ist. Dieses wertvolle Naturerbe steht auf dem Spiel. Wir wollen, dass auch unsere Kinder die Schönheit der Natur erleben können. Dafür braucht es einen umfassenden Schutz des Flusssystems.“

Kostenlos und einmalig – schmucke Iselanhänger, vor Ort gebastelt.
Daniel Haselwanter (Mitte) spielte mit seiner Band „Terra Preta“ am Isel-Sandstrand auf.

Beim Flusserlebnistag wurde aber nicht nur proklamiert und diskutiert, sondern auch gebastelt, gepicknickt, musiziert und an verschiedenen Stationen anhand von Workshops, Führungen, Tier- und Pflanzenbeobachtungen viel Wissen vermittelt: „Das Gletscherflusssystem der Isel ist alpenweit etwas ganz Besonderes – etwa aufgrund seiner ungestörten Dynamik, seiner ausgedehnten, frei passierbaren Fließstrecken und der typischen Lebensraumvielfalt, die sich beispielsweise im vitalen Vorkommen der Deutschen Tamariske zeigt. Deshalb ist diese einmalige Flusslandschaft einer der letzten Orte, an denen wir hautnah sehen, erleben und erforschen können, wie naturnahe, gletschergeprägte Alpenflüsse funktionieren“, so Susanne Muhar von der Universität für Bodenkultur.

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2 Postings bisher
kritisch

Wenn man die Kraftwerksideen an der Isel so beobachtet, wunderts mich nicht, dass das Land nicht die gesamten Bereiche unter Schutz stellen will. Mich wundert ja, dass man nicht auch den Lech noch verbauen will, wer braucht schon naturnahe Landschaften...die jetzigen Verantwortlichen und Politiker wohl nicht, die leben eh nicht mehr soooo lange, um den Totalverbau noch mitzuerleben .... ;-)