In ihrem Heimatland hat Klettersport keine große Bedeutung - schon gar nicht unter Frauen. Eshqi setzt sich für eine breitere Akzeptanz und Chancengleichheit ein. Foto: Dani Arnold

In ihrem Heimatland hat Klettersport keine große Bedeutung - schon gar nicht unter Frauen. Eshqi setzt sich für eine breitere Akzeptanz und Chancengleichheit ein. Foto: Dani Arnold

Nasim Eshqi in Südtirol: „Klettern ist Freiheit“

Irans einzige Profikletterin war am Wochenende in Sexten zu Gast und sprach über ihren Sport.

Die einzige Profi-Kletterin des Iran, Nasim Eshqi, war am Samstagabend, 31. Juli, Stargast der fünften Ausgabe der Vertical Arena in Sexten, der zahlreiche Alpinisten und Bergliebhaber beiwohnten. Im Rahmen des Fachforums zum Thema Bergsteigen, das der Tourismusverein Sexten in Zusammenarbeit mit der Bergführerin Lisi Steurer organisierte, wurde der Dokumentarfilm „Climbing Iran“ ausgestrahlt. Darin wird Nasim Eshqis Geschichte und ihre Leidenschaft für den Bergsport dokumentiert. Im Anschluss an die Aufführung standen die Kletterin und Filmregisseurin Francesca Borghetti im Rahmen einer Podiumsdiskussion Rede und Antwort.

Nasim Eshqi war am Samstag in Sexten zu Gast. Lisi Steurer führte durch den Abend. Foto: Wisthaler

Nasim Eshqis Leidenschaft für den Bergsport ist in jedem Einzelbild sicht- und spürbar, das für den Dokumentarfilm „Climbing Iran“ gedreht wurde. Und genau das – die Sichtweise, die Vision von Eshqi – wollte Francesca Borghetti in diesem Portrait erzählen. Das betonte die Regisseurin auch in Sexten im Rahmen der Vertical Arena, denn „nachdem ich einen Artikel gelesen hatte, habe ich mich sofort mit Nasim in Kontakt gesetzt. Ich hatte damals noch keinen konkreten Plan, wie ich den Dokumentarfilm umsetzen könnte. Ich wollte zunächst einmal ihre Sichtweise kennenlernen.“

Trotz zahlreicher Komplikationen und Hürden – etwa der Stopp einer Crowdfunding-Kampagne um Geldmittel für die Produktion zu sammeln – wurde das Projekt mit großem Einsatz vorangetrieben. Dabei wurden nicht nur Bilder in Nasim Eshqis gewohntem Umfeld gedreht. Auch die Eröffnung einer neuen Route der iranischen Kletterpionierin in den Alpen stand im Mittelpunkt. „Mir ging es nicht darum, einen sportlichen Dokumentarfilm zu drehen, sondern einen Film, in dem der Berg eine zentrale Rolle spielt“, so Borghetti weiter.

Regisseurin Francesca Borghetti mit Nasim Eshqi bei den Dreharbeiten. Foto: Wisthaler

In der Beziehung zu den Bergen kristallisiert sich Nasim Eshqis Leidenschaft für den Klettersport heraus, den sie übrigens erst als Erwachsene für sich entdeckt hat. Im Alter von 23 Jahren beginnt die 1982 geborene Eshqi eine Sportart auszuüben, in der Erfahrung eine wesentliche Rolle spielt. Trotzdem hat sie seither bereits über 80 neue Routen eröffnet.

Mit den tänzerisch anmutenden Bewegungen am Fels kostet Nasim Eshqi jene Gleichheit voll aus, der die Menschheit aufgrund der Gravitation ausgesetzt ist. Gleichzeitig empfinde sie eine grenzenlose Freiheit, die auch vom Bewusstsein ihrer eigenen Stärke herrührt. „Ich setze meine Energie ein, um gegen meine eigenen Grenzen zu kämpfen“, sagte die Iranerin in Sexten.

Diesen Leitgedanken – also das ständige Wachstum und das Stärken des Selbstbewusstseins – versucht Nasim Eshqi auch ihren Schülerinnen und Schülern im Iran zu vermitteln. „Beim Klettern muss man ständig an die eigenen Grenzen gehen. Das Selbstvertrauen wird dadurch unvermeidlich gestärkt. Und dieses Bewusstsein wird in der freien Natur doppelt gestärkt“, bekräftigt die junge Frau, deren rosarot lackierte Fingernägel zu ihrem Markenzeichen geworden sind.

Die pinken Fingernägel sind inzwischen zum Markenzeichen der engagierten Iranerin geworden. Foto: Climb Iran

Der Klettersport führte Nasim Eshqi in viele Länder. Bei ihrem ersten Besuch in Europa erklomm sie in 30 Tagen nicht weniger als 27 Wände. Trotzdem kehrt sie immer gerne in ihre Heimat zurück, um dort ihre Leidenschaft zu teilen. „Für mich ist es sehr wichtig, dass ich den Menschen etwas zurückgeben kann. Ich bin im Iran nützlich, weil ich Menschen weiterhelfen kann, die ähnliche Schwierigkeiten haben, wie ich sie hatte“, gab Nasim Eshqi im Rahmen der Podiumsdiskussion bei der Vertical Arena in Sexten zu Protokoll. Das macht sie für viele auch zum Vorbild – nicht nur in ihrer Heimat Iran, sondern auch in vielen anderen Ländern. So auch in Sexten, wo sie am Ende des Abends von einem kleinen Mädchen um ein Autogramm gebeten wurde.

Die Arbeit von
dolomitenstadt.at unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in Krisenzeiten ist faktenorientierte und schnelle Information wichtig.
Wir arbeiten trotz Rückgang bei den Werbeeinnahmen mit großem Einsatz, um Sie bestmöglich – und kostenlos! – zu informieren.

Wenn Sie unsere journalistische Arbeit mit einem einmaligen Beitrag unterstützen möchten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen!

Sie möchten dolomitenstadt.at unterstützen?

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren