Iseltrail und Iseltaler Radweg auf Kollisionskurs

Harald Haider vom Verein „Radwege in Osttirol“ über Neuerschließungen und Asphaltierungen.

Wie in den meisten Jahren um diese Zeit ist der Drauradweg wieder einmal in aller Munde. Auch wenn es heuer um rund ein Drittel weniger italienische Gäste sein sollen, die von Innichen bis Lienz bergab strampeln, ist der Radweg entlang der Drau dennoch stark frequentiert. Dafür, dass das Vergnügen auf zwei Reifen ab der italienischen Grenze so einwandfrei funktioniert – einmal abgesehen von der nicht vorhandenen Lösung im Stadtgebiet rund um das neue Mobilitätszentrum – ist der Verein „Radwege in Osttirol“ verantwortlich.

Harald Haider hat als Leiter des Baubezirksamtes die baulichen Gegebenheiten in Osttirol im Blick – und als Obmann des Vereins „Radwege in Osttirol“ auch die Fahrradrouten. Foto: Dolomitenstadt/Huber

Der Verein besteht aus den 33 Osttiroler Gemeinden und dem Tourismusverband, die sich gemeinsam dafür einsetzen, ein einheitliches Fahrradwegenetz in Osttirol zu erhalten und weiterzuentwickeln. Der Obmann des Vereins und Leiter des Baubezirksamtes, Harald Haider: „Der Verein wurde aus zwei Überlegungen gegründet: Zum einen haben alle Gemeinden den Ausbau der Radwege im Hinterkopf. Damit man das koordiniert machen kann, muss man das über die Gemeinden hinaus machen. Mit dem Verein können wir das besser koordinieren. Und zweitens können wir als Verein um Förderungen für Radwege ansuchen.“

Ein Glücksfall war das beispielsweise beim Hochwasser im Jahr 2018, bei dem der Drautalradweg stark in Mitleidenschaft gezogen worden war: „Hier konnten wir als Verein als Träger auftreten und um Katastrophenmittel und Förderungen ansuchen.“ Gefördert werden Radwege vom Land Tirol derzeit gut: Bis zu 60 Prozent gibt es für den Aus- und Neubau von Radwegen, zusätzlich gibt es bis zu 15 Prozent vom Bund dazu. Der Rest wird unter den beteiligten Gemeinden, dem Tourismusverband, aber auch Unternehmen aufgeteilt, die vom jeweiligen Radweg profitieren – wie etwa Papin Sport beim Drauradweg.

Im Verein kümmert man sich derzeit in erster Linie um drei gemeindeübergreifende Radwege: Den Drauradweg von Arnbach bis zur Kärntner Grenze, den Talbodenradweg, der durch die Gemeinden rund um Lienz führt und den Iseltalradweg von Matrei bis Lienz, der möglicherweise bis zum Tauernhaus erweitert wird. Außerdem ist im Defereggental ebenfalls ein durchgängiger Radweg angedacht.

Aktuell wurde der Drauradweg neu beschildert – mit Ausnahme der Stadt, hier folgt die Beschilderung sobald es Klarheit im Verkehrskonzept gibt. Der Talbodenradweg soll dann im nächsten Jahr eine durchgängige und einheitliche Beschilderung erhalten.

Beim Iselradweg geht es derzeit noch um die Schließung zweier Lücken: „Einmal von St. Johann nach Huben und ein zweites Mal von Seblas bis Matrei.“ Solange man auf einer Strecke einmal eine Landesstraße mit Schwerverkehr (im Bereich Kienburg) und einmal die B100 befahren müsse, könne man den Radweg nicht als solchen ausschreiben, so Haider. Die betroffenen Gemeinden St. Johann und Matrei haben die Anträge zur Erschließung der Lücken bereits beim Land eingebracht.

Doch während die Trassenführung zwischen Seblas und der Iseltaler Marktgemeinde schon relativ klar ist – ein eigener Radweg parallel zur Bundesstraße – scheiden sich entlang der Isel bei Kienburg noch die Geister: Laut Antragsstellung der Gemeinden soll der Radweg – asphaltiert und mit einer Mindestbreite von drei Metern just dort verlaufen, wo der im letzten Jahr neu konzipierte Iseltrail entlangführt und naturnah nachhaltig urlaubende Touristen anlocken soll. Wanderer auf einem asphaltierten Radweg?

Franz Theurl hätte sich für den Iseltrail, der mittlerweile zu einem wichtigen sommerlichen Frequenzbringer geworden ist, eine Beibehaltung der ursprünglichen Strecke mit all ihren Attraktionen gewünscht. Auf Asphalt zu gehen, mutet er den Trailwanderern nicht zu: „Das funktioniert nicht, das haben wir im Abschnitt von Glanz nach St. Johann schon gesehen.” Einer Entscheidung der Gemeinden könne man aber wenig entgegensetzen: „Wenn die Bürgermeister das so wollen und die Variante genehmigt wird, bleibt uns nichts anderes übrig, als mit dem Trail auf das andere Ufer auszuweichen.” Den Radweg auf der anderen Seite anzulegen, würde sich auf Grund der Vorgabe von drei Metern Mindestbreite nicht ausgehen, erklärt Haider.

Franz Theurl bei der letztjährigen Eröffnung des Iseltrails. Er ist mit der Verlegung des Weges alles andere als glücklich, scheint sich aber bereits damit abgefunden zu haben. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Stellt sich die Frage, ob ein Radweg überhaupt asphaltiert sein muss oder ob nicht ein gut befestigter Schotterweg auch reichen würde. „Wenn eine gewisse Frequenz besteht, dann muss ein Radweg asphaltiert sein, das ist eine verkehrssicherheitstechnische Frage. Wenn ein Drauradweg geschottert wäre, müsste sich das Rote Kreuz einen Standort neben dem Radweg bauen“, so Haider. Ähnlich sei das beim Iseltalradweg.

Neben den touristischen Radwegen werden aber auch die Alltagsradwege asphaltiert. Diese werden vom Land sogar noch einmal besser gefördert, als Fernradwege, weil man die Menschen dazu motivieren möchte, mit dem Rad anstatt mit dem Auto zu fahren. Auch hier seien befestigte Radwege wichtig: „Wenn es gewittert und danach drei Tage lang Wasserlacken im Schotter stehen, fährt da kein Mensch“, so Haider.

Es gibt aber auch Projekte im Bezirk, die nicht unbedingt eine Asphaltoberfläche voraussetzen. „Im Defereggental wird es beispielsweise nie eine so hohe Frequenz geben, dass dort eine Asphaltierung notwendig wäre. Und der Rennradfahrer fährt ohnehin auf der Straße“, erklärt Haider. Die drei Deferegger Bürgermeister wünschen sich einen durchgängigen Radweg bis Erlsbach in St. Jakob, ein Konzept wurde bereits erstellt. Problemstellen sind allerdings die Erlachgalerie vor Hopfgarten und der Melltiztunnel: „Da suchen wir noch nach Lösungen, sind aber mit Hochdruck dabei.“ Auch von Matrei bis zum Tauernhaus soll in den nächsten Jahren ein Radweg realisiert werden.

Auch wenn die Realisierung und Erschließung von neuen Radwegen umwelttechnisch grundsätzlich als positiv zu sehen sind, wenn man dadurch die Bevölkerung dazu motivieren kann, das Auto in der Garage stehen zu lassen und sich doch hin und wieder auf den Drahtesel zu schwingen um emissionsfrei von A nach B zu kommen, stoßen Neuplanungen trotzdem auf ökologischen Gegenwind: Beispielsweise wenn dann naturnahe Wege asphaltiert werden oder Bäume gefällt: „Ich wünsche mir, dass man da ein bisschen mehr aufeinander zugeht und versucht ein gemeinsames Konzept zu entwickeln“, meint Haider abschließend.

Blick aus der Luft auf das Iseltal und den Anfang August 2021 Hochwasser führenden Fluss. Am talauswärts rechten Ufer verläuft derzeit die zweite Etappe des beliebten Iseltrails. Jetzt soll der Uferweg drei Meter breit asphaltiert und zum Radweg werden. Eine Führung des Radweges entlang der wenig befahrenen Landstraße (rechts im Bild) lehnen die Planer ebenso ab, wie eine Verlegung auf die talauswärts linke Seite. Dorthin und damit nahe an die Felbertauernstraße müsste der Trail weichen. Foto: Expa/Groder
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15 Postings bisher
rosemarie

Kaum zu glauben wie kurzsichtig Gemeindevorstände und Planer sind! Kaum hat sich der Iseltrail erfolgreich gezeigt ( zwischen glanz und Schlaiten leider noch Umleitung ) schon will man weiter zu betonieren! Sind es Fördergelder, die jucken oder Prestige? Fazit: Einheimische und Gäste brauchen das nicht! Ein markierter Seitenstreifen je Fahrtrichtung auf der Landesstraße genügt völlig!

le corbusier

Der international Trend geht eindeutig Richtung Schotter, oder wie man es heute auf cool nennt: Gravel. Auch im Rennradsport: die 1-Tages Klassiker Strada Bianca und Paris Roubaix sind gerade wegen der Feldwege berüchtigt und auch der Giro baut wieder mehr Schotterstraßen in die Etappen ein (z.b. Colle delle Finestre, absolut spektakulär).

In der heutigen Zeit sollte man echt zweimal nachdenken, ob man alles zu betonieren oder asphaltieren muss.

Wild Duck

Danke an Burgi für die Betrachtung der Problematik aus mehreren Perspektiven und vollste Zustimmung! Ich liebe den Iselradweg 1. wegen seiner landschaftlichen Schönheit 2. weil man sich dort - anders als am Drauradweg zwischen Innichen und Lienz - nicht fürchten muss, von mit Leihrädern ausgestatteten Touristen über den Haufen gefahren zu werden, insbesondere dann, wenn man es wagen sollte, flussaufwärts zu fahren! 3. weil der naturbelassene Abschnitt zwischen St.Johann und Huben einfach genial ist - Flussradeln vom Feinsten.

Was die vermeintlich höhere Unfallgefahr auf nicht asphaltierten Radwegen betrifft: im Großraum Wien gibt es sehr frequentierte Radwege (z.B. Inzersdorf-Laxenburg), die über geschotterte Wirtschaftswege führen...mit Verlaub: wenn die Wiener Radfahrer das schaffen, traue ich das den Osttirolern selbstverständlich auch zu! Nebenbei stellen auch die unvermeidlichen Wurzelaufbrüche auf den asphaltierten Radwegen ein Unfallrisiko dar! Die vermehrte Nutzung von E-Bikes ist ebenfalls kein Argument, den Abschnitt zu asphaltieren, da durch die Motorunterstützung das Befahren von Sand und Schotterstrecken ohnehin einfacher als mit dem Bio-Bike ist.

Mein Vorschlag lautet: Umbenennung des Iselradweges auf "Radroute Iseltal", in St. Johann bzw. Huben den Hinweis auf die Variante A "Landesstraße mit Verkehr" und Variante B "Iseltrail mit Naturbelag".

Kapatieme

Wer nicht in der Lage ist auf einem ebenen, geschotterten Weg zu fahren sollte das Radfahren aufgeben . Allein der beliebte Drauradweg hat über zig Kilometer Schotterwege ! Warum auch nicht , asphaltierte Wege sind auch zu erhalten .

    bergfex

    Da gebe ich ihnen Recht. Im Iseltal fahren ja keine Itlienermassen.

Burgi

Ich kenne das Teilstück sehr gut: Die Strecke ist nicht nur naturlandschaftlich sehr idyllisch, sondern auch kulturell attraktiv, weil hier ja auch die schönen Steinskulpturen internationaler Künstler stehen!

Der Weg ist in der derzeitigen Ausprägung entlang der gesamten Strecke stark genug befestigt, so dass er nicht nur von Fußgängern und Familien, sondern gerne auch von Radfahrern genutzt wird. Da die Radfahrer auf diesem Weg gezwungen sind, etwas langsamer zu fahren, gab es bis jetzt auch keinerlei Probleme im gemeinsamen Miteinander.

Radfahrer die gern schneller unterwegs sind, nutzen die kaum befahrene, daneben liegende, zweispurige Kienburger Landesstraße.

Somit stellt sich für mich die Frage, zu welchem Zweck der bereits vorhandene Weg asphaltiert werden soll? Meiner Ansicht nach würde das nur zu Nachteilen führen: So würden durch die Asphaltierung nicht nur viele der wertvollen, natürlichen Strukturen zerstört werden, sondern auch das Unfallrisiko durch Zusammenstöße von Radfahrern, die nun mit wesentlich höherer Geschwindigkeit unterwegs sein könnten, mit Fußgängern würde steigen. Letztendlich würde dies die Wanderer und Familien, für die der Iseltrail eigentlich konzipiert war, vertreiben.

    senf

    liebe burgi, mit dieser argumetation könnten wir freunde werden. wenn man den radfahrern in st. johann und huben beide routen plakativ aufzeigen würde, könnten sie selber entscheiden, welche strecke sie fahren wollen. am geschotteter uferbegleitweg oder entlang der asphaltierte landesstraße.

    lustig wirds dann bei der realisierung des tauerntal-radweges, wo bereits zwei hände voll matreier gemeinderäte ebenfalls mit einer durchgehenden asphaltbahn liebäugeln. die tiwag solls/wirds dann schon richten, wird gemunkelt und ... geträumt.

    bergfex

    Wenn das "Asphaltband" 3 Meterbreit sein "muss" kann man auch dasselbe mit Schotter oder Asphaltbruch machen, reicht vollkommen.

sattmann

Kommischerweise funktionieren Schotterstrecken in vielen Ländern perfekt!

Vielleicht hätte Herr Haider dann auch genug Asphalt für die Winterschäden welche immer noch da sind:

https://www.dolomitenstadt.at/2021/02/18/harter-winter-beschert-osttirol-loechrige-strassen/

    FirstConsul

    Mit den E-Bikes kommen ganz neue Anforderungen an die Radwege. Ein ordentlich aspaltierter Weg ist auch relativ wartungsfrei wo sonst ständig präpariert werden muss. Auf einer derart langen Strecke macht das auf jeden Fall Sinn laufende Kosten zu vermeiden.

      bergfex

      Ein Rad/Fussweg ist keine Rennstrecke, wird auch nicht von Moped oder Autos befahren und hält daher lange. Man will es halt den E-Bikern Recht machen.

dolo1871

Das Osttiroler Radwegenetz ist wirklich vorbildlich, gerade der Neubau der Trasse von Abfaltersbach bis Thal ist hervorragend gelungen. Und ja, auf den noch zu schliessenden Lücken im Iseltal braucht es Asphalt - sonst ist der Weg etwa nach Gewittern "tief" und daher für ältere Leute, Ungeübte oder Kinder schwer bis kaum zu befahren. Wie es nicht geht kann sich jeder von Oberdrauburg bis Dellach oder Radlach bis Steinfeld im Oberen Drautal ansehen - nach Regen de facto nur für Trail-Geeichte befahrbar.

wolf_c

... und schon wieder mehr Asphalt statt Natur. 3 asphaltierte Wege im engen Tal und die zusammen mit der Isel: der Phantasie ist die Vorstellungskraft abhandengekommen. Von Größe zeugt dies nicht, eher von Verwirrung. Und man sieht: zuerst kommen die Auto, dann der Rest. Jeder der die Strasse zwischen St.Johann und Huben kennt, weiß wie schön und abwechslungsreich es ist, hier mit dem Fahrrad zu fahren; und mit abwechslungsreich meine ich nicht die gelegentlich fahrenden LKW. Es ist nicht gut Gesetze auf diese Weise zu interpretieren um weitere Fehler zu begründen, besser wäre es die Gesetze anzupassen oder anders zu interpretieren. Und ganz abgesehen davon bedingt der Klimawandel sowieso neue Verhaltensweisen, bei denen es die bis jetzt gewohnten und gelernten Verkehrssysteme nicht mehr geben wird.

    rebuh

    naja, eines ist auch klar, wo asphalt, da kein schaden durch hagel😅

Sumse

Leider ist die orographisch linke Seite der Isel in diesem Bereich für den Iseltrail ungeeignet. Neben der Bundestraße ist der Verkehrslärm nahezu unerträglich, mit einem naturnahen Erlebnisweg nicht zu vereinbaren. Wäre eine schwere Beeinträchtigung dieses hervoragenden Projektes. Deshalb bitte unbedingt den Radweg auf diese Seite Flusses verlegen.