Ein Netzwerk für den Erhalt alter Kulturarten

Gärtner:innen arbeiten gemeinsam an einem bunten Pflanzenspektrum im Pustertal.

Sie sind leicht zu übersehen und liegen hinter Stallgebäuden an den steilen Hängen der Pustertaler Sonnenterrasse. Von hohen Gartenzäunen werden sie nahe der Drau versteckt. Man findet sie auch unmittelbar neben der B100, düst aber zu schnell an ihnen vorbei. Eine Gruppe von Gärtner:innen und Bäuer:innen will sie nicht nur sichtbar machen, sondern auch auf ihre Bedeutung aufmerksam machen.

Die Rede ist von jenen winzigen Äckern und Gärten, in denen noch die traditionellen Kulturpflanzen angebaut werden, die vor wenigen Jahrzehnten im Pustertal großflächig anzutreffen waren: Erbsen, Ackerbohnen (Schollepoan), Mohn, Herbstrüben und deren lokale Sorten.

Die begeisterten Erhalter:innen der Vielfalt treffen sich regelmäßig – wie hier vergangene Woche am Hof von Julia Walder in Sillian. Fotos: C. Vogl

Die engagierten Gärtner:innen und Bäuer:innen, die sich um den Erhalt dieser Kulturpflanzen bemühen, organisieren sich nun grenzübergreifend im Interreg Dolomiti-Live Projekt „PuKuVi“ (ITAT 4143). Sie wollen Erfahrungen austauschen, ihre Freude am Nachbau von Saatgut teilen und jene Techniken erlernen, die es für den Erhalt der Pflanzen braucht. Saatguterhaltung ist dabei nicht nur immaterielles historisches Kulturerbe im Pustertal, sondern profitiert auch von neuesten Erkenntnissen aus dem Gartenbau und der Pflanzenzüchtung.

Dieses Netzwerk geht von der Gemeinde Assling aus, wird vom privaten Forschungszentrum „Eurac“ aus Bozen unterstützt und von der Universität für Bodenkultur in Wien beraten. Interessierte aus dem Pustertal haben sich bereits mehrmals zum fachlichen Austausch getroffen. Nun sind weitere Gartenrundgänge, Workshops und andere Veranstaltungen im gesamten Pustertal geplant. Am 11. November wird sich eine öffentliche Online-Tagung dem Saatgutrecht widmen und dabei klären, was Freund:innen der Saatguterhaltung beachten müssen, wenn sie traditionelle Kulturarten vermehren und weitergeben.

Auf diesem Acker in Assling werden Ackerbohnen – die „Pustertaler Schollepoan“ – angebaut und über Jahrzehnte vermehrt.

Brigitte Vogl-Lukasser, die das Netzwerk koordiniert, ruft Gleichgesinnte aus dem Pustertal dazu auf, sich bei ihr (Telefon: 01-47654-933-37) zu melden: „Wir laden ausdrücklich alle Personen aus dem Pustertal ein, die Freude an der Erhaltung der Vielfalt in unseren Gärten und Äckern haben – auch, wenn sie Saatgut von erst kurz anzutreffenden Arten, wie Tomate, Chilis oder Asia-Salate selbst anbauen und nachbauen. Die Erhaltung unseres Saatgutes ist ein Handwerk, das auch über traditionelle Arten hinaus große Bedeutung hat und gepflegt werden sollte.“

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