Durnwalder ist 80 und attestiert Kompatscher zu wenig Herz

„Die Taten, die ich gesetzt habe, sind so viele, dass sie nicht vergessen werden können“.

Südtirols Altlandeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) blickt angesichts seines 80. Geburtstages am Donnerstag zufrieden auf Leben und politisches Wirken zurück. „Die Taten, die ich gesetzt habe, sind so viele, dass sie nicht vergessen werden können“, sagte Durnwalder im APA-Gespräch. Mit seinem Nachfolger Arno Kompatscher zeigte er sich weiter nicht uneingeschränkt zufrieden und attestierte diesem zu wenig Herz.

„In jedem Dorf“ seien die Spuren seines beinahe 25-jährigen Wirkens als Landeshauptmann von 1989 bis 2014 noch zu sehen, zeigte sich Durnwalder „stolz“: „Ich will nicht glorifiziert werden, aber das was ich gemacht habe, wird mich schon ein bisschen überleben. Diese Zeit wird nicht aus der Geschichte Südtirols gelöscht werden können“. Er sei jedenfalls ein „glücklicher und zufriedener Mensch“ und habe ein „erfülltes Leben“ gehabt, so der Jubilar. Und obendrein sei er „wunschlos“. Er wolle einfach noch einige Jahre „gesund und gut leben“, mit den Mitmenschen auskommen und weiter so akzeptiert werden, wie er es derzeit erfahre. Er sei sich aber bewusst, dass die Zeit, die noch vor ihm liege, knapper werde. Ein „politisches Wesen“ werde er immer bleiben – dies könne man „nie ausschalten“, betonte der Pustertaler.

Luis Durnwalder stammt aus Pfalzen im Pustertal, nahe Bruneck. Zum Achtziger versichert er, dass er immer ein „politisches Wesen“ bleiben werde. Foto: Expa/Groder

Seine Vorgänger wie Silvius Magnago hätten in Bezug auf die Autonomie „das Haus gebaut“ und für das Fundament gesorgt – und er habe das Glück gehabt, das „Haus einzurichten“. So habe Südtirol durch die von ihm und seinen Weggefährten gesetzten Rahmenbedingungen – aber vor allem auch dank der Tüchtigkeit der Menschen und Unternehmen – von einem „armen Gebiet“ zu einem der wohlhabendsten Regionen in Europa werden können. Die nun vorhandene Autonomie samt ihrer Rechte und Befugnisse sei die „bestmögliche“, aber nicht die „beste“. „Aber selbst mit der besten Autonomie gibt es keine hundertprozentige Garantie, dass die deutschsprachige Minderheit entsprechend geschützt ist“. Schließlich mache diese nur ein Prozent der gesamten Bevölkerung Italiens aus. Es gehe weiter darum, wachsam zu sein, dass Südtirol seitens des Zentralstaates „nichts weggenommen wird“ – und zudem gelte es, neue Befugnisse zu erkämpfen – etwa in Zukunftsbereichen wie Technologie, Mobilität, Umweltschutz usw.

Durnwalder wünschte sich, dass sein Nachfolger und Parteikollege Kompatscher in Rom energischer auftrete, mehr Mut zeige und die Grenzen für die autonome Provinz deutlicher mache. Im Land selbst solle Kompatscher mitunter schneller Entscheidungen fällen, gab ihm der Altlandeshauptmann mit auf den Weg. Jeder Mensch und Politiker sei anders gestrickt, aber Kompatscher stelle nach wie vor „zu wenig Kontakt auf der menschlichen Ebene“ zu den Menschen her. „Kopf, Herz und Hände“ – dies sei wichtig. „Ein Herz wird er vielleicht schon haben, aber vielleicht kann er es nicht zeigen“, so der 80-Jährige in Richtung seines Nachfolgers.

Und Durnwalder drängte darauf, dass Kompatscher seine Ankündigung wahr mache und noch im Herbst bekannt geben soll, ob er bei der Landtagswahl im Jahr 2023 wieder antreten wird. Denn alles andere würde die Chancen der nicht mehr im Besitz der absoluten Mehrheit stehenden Südtiroler Volkspartei schmälern. Dann könnten „Strömungen in der Partei“ offenkundig werden, die in dem 50-Jährigen nicht mehr den idealen Spitzenkandidaten sehen und die dann sagen, dieser sei „kein gutes Zugpferd“. „Wenn er wieder kandidieren will, dann gibt es keine Alternative“, gab Durnwalder seinem Nachfolger aber auch Rückendeckung. Er halte den Landeschef jedenfalls für den bestmöglichen SVP-Spitzenkandidaten.

In der Sonderfonds-Causa, in der Durnwalder wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder nach einem Freispruch doch noch rechtskräftig zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde, bereite er gerade eine Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg vor. Er empfand das Urteil als grob ungerecht und habe nie auch nur einen Cent in die eigene Tasche gewirtschaftet, was sogar dezidiert festgehalten worden sei: „Der Sonderfonds ist über Jahre mit Landesgesetz zur Verfügung gestellt und vom Rechnungshof überprüft worden“. Dies werde in allen Ländern auf dieselbe Art gehandhabt, auch bei seinen Regierungskollegen sei dies der Fall gewesen. Das Gericht der letzten Instanz in Rom hatte es im Juni als erwiesen angesehen, dass der frühere Südtiroler Landeshauptmann mehrmals über den Sonderfonds private Ausgaben vorfinanziert hatte. Die Haftstrafe wird Durnwalder aufgrund der Gesetzeslage nicht antreten müssen, er habe bis dato auch keine Aufforderung zur Leistung eines Sozialdienstes erhalten, erklärte er.

Die Arbeit von
dolomitenstadt.at unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in Krisenzeiten ist faktenorientierte und schnelle Information wichtig.
Wir arbeiten trotz Rückgang bei den Werbeeinnahmen mit großem Einsatz, um Sie bestmöglich – und kostenlos! – zu informieren.

Wenn Sie unsere journalistische Arbeit mit einem einmaligen Beitrag unterstützen möchten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen!

Sie möchten dolomitenstadt.at unterstützen?

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren