Klimabonus: Große Unterschiede auch in Osttirol

Lienzer:innen bekommen 133 statt 200 Euro. Ist Ainet besser erschlossen als Oberlienz?

Seit die türkis-grüne Bundesregierung ihr „ökosoziales“ Steuerpaket vorgestellt hat, diskutieren die Bürger:innen des Landes vor allem über Sinn und Unsinn einer Art Gutschrift, die von den politischen Marketingexperten „Klimabonus“ genannt wird und deren Logik sich zumindest nicht auf den ersten Blick erschließt. 

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) hat den Rechenstift in der Hand. Was er und seine Regierungskolleg:innen als „Klimabonus“ ausgetüftelt haben, stößt aber auf Kritik. Foto: Expa/Schrötter

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) bemühte sich in der ZiB2 des ORF am Montagabend um Klarstellung. Er erklärt den „Klimabonus“ so: Weil durch die geplante CO2-Besteuerung das Tanken und das Heizen teurer werde, erhalten alle davon Betroffenen – also alle Einwohner:innen des Landes – eine jährliche Entschädigung zur Deckung dieser Mehrkosten. Diese Entschädigung ist aber weder vom tatsächlichen Verbrauch noch vom Einkommen abhängig, sondern wird nach Wohnort gestaffelt! 

Damit sind lustige Berechnungsbeispiele vorprogrammiert, zumal die Statistik Austria am 4. Oktober bereits eine Österreichkarte veröffentlicht hat, die zeigt, welche Gemeinde in welcher der vier geplanten Klimabonus-Stufen liegt. Grundsätzlich gilt folgende Staffelung: 

  • Rot: Klimabonus Stufe eins, 100 Euro (nur Wien)
  • Orange: Klimabonus Stufe zwei, 133 Euro (zum Beispiel Graz, Linz und Lienz)
  • Hellgrün: Klimabonus Stufe  drei, 167 Euro (zum Beispiel Amlach, Tristach, Nußdorf-Debant)
  • Dunkelgrün: Klimabonusstufe vier, 200 Euro, (alle Osttiroler Seitentäler) 
Geht es um den „Klimabonus“, dann ist Osttirol großteils dunkelgrün. Doch der Schein trügt. In Lienz und Umgebung wohnen mehr Menschen als in den Tälern. Sie haben niedrigere Bonusstufen, weil es im Talboden mehr Öffis gibt. Grafik: Statistik Austria

Laut Kogler bekommen den Bonus alle Erwachsenen, Kinder würden mit 50 Prozent berechnet, erklärte der Vizekanzler in der ZiB2. Demnach käme eine 4-köpfige Familie in der Tristacherstraße in Lienz auf 399 Euro Klimabonus, während ein paar hundert Meter weiter in Tristach 501 Euro ausgezahlt werden und in Gaimberg, das in der grünen Zone liegt, sogar 600 Euro. 

Warum diese Unterschiede? Vereinfacht ausgedrückt, weil die Regierung davon ausgeht, dass Lienz ein funktionierendes Öffentliches Verkehrssystem besitzt, sprich einige Buslinien, die einen Verzicht auf das Auto einfacher machen als beispielsweise in Landgemeinden. Wie das berechnet wurde? Die Statistik Austria wurde beauftragt, eine Typologie zu erstellen, um die Regionen entsprechend einzuteilen. Basis für die Berechnung ist die sogenannte „Urban-rural-Typologie“, die zwischen dem ländlichen und urbanen Raum unterscheidet und alle fünf Jahre berechnet wird.

Abgesehen von erwartbaren Unschärfen, die sich an den oben genannten Beispielen gut zeigen lassen – Gaimberg ist in den Linienverkehr eingebunden und dennoch „dunkelgrün“, Aineter:innen bekommen weniger als Oberlienzer:innen – regt sich auch Kritik an der grundsätzlichen Logik der Kostenerstattung. Es wird angezweifelt, ob ein pauschal ausgezahlter „ökosozialer“ Klimabonus notorische Autofahrer:innen überhaupt zum Umsteigen motiviert? Bei den Heizkosten dürfte es ebenfalls Diskussionen geben, auch hier erschließt sich die Staffelung nach Stadt und Land zumindest nicht auf den ersten Blick. Der Klimabonus soll jährlich ausgezahlt werden, erstmals im Sommer 2022.

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30 Postings bisher
multi 1

Wieder so eine Ampel 🙈🙈🙈

Spanidiga

Die Spaltung betreiben hier am meisten gewisse Leserbriefschreiber...was ist schon großartig schlimmes daran das jemand aus einem Tal paar Euro mehr bekommt als ein Lienzer(bin selber einer) ???

    FirstConsul

    Der welcher am zentralen Knotenpunkt, Lienz, wohnt hat die Möglichkeit nahezu jede Gemeinde mit lffentlichen Verkehrsmitteln ohne Umstieg zu erreichen. Diese Möglichkeiten sind für jemanden am Land beschränkt, ein einziger Umstieg kann die Wegzeit um ein vielfaches verlängern was ein pendeln per Bus oder Bahn nahezu unmöglich macht.

    Dass jemand am Land mehr bekommt sehe ich als gerechtfertigt. Über die paar Euro kann man sich eine Meinung bilden, einen Streit ist dies aber keinesfalls wert.

    wolf_c

    ... gewisse Leserbriefschreiber finden es gut und richtig neue Autostrassen zu bauen, finden es in Ordnung wieder und wieder Freiland in Bauland zu verzaubern, finden es nett mit hässlichen Bauwerken bedient zu werden um sich daran zu erfreuen, sie sind einverstanden mit der umwelttechnischen Bevorzugung des Autoverkehrs vor allen! anderen!! Möglichkeiten. Gewisse Leserbriefschreiber sind einverstanden mit dem Pendlerstaat und der fortwährenden Subventionierung des Autoverkehrs durch die Republik; dafür lieben(und wählen)sie ihre Bürgermeister, die Beamten buggeln wie immer ...

      S-c-r-AT

      @wolf_c Ihr ständiges Gemaule gegen jeden, der vom Auto abhängig ist, geht mir wahrlich auf die Nerven.

      Sie bedienen sich selbst der"teuflischen" technischen Errungenschaften, um hier ihre Kommentare abzuladen, wollen aber gleichzeitig den Pendlern die technische Errungenschaft AUTO verbieten.

      Ich hoffe, Sie beziehen NICHTS, was auf dem Straßenweg in die Regale wandert. Ihren Computer haben Sie sicher aus heimischem Holz gezimmert, Ihren Strom erzeugen Sie selber mit Muskelkraft. Auf Kreuzfahrten und Flugreisen verzichten Sie hoffentlich auch und wohnen tun Sie vermutlich im Baumhaus.

    bergfex

    Kann man das Klimaponusgeld essen ??

      wolf_c

      @ S-c-r-AT: ''Und trotz allem verweigern sich Politik sowie Wirtschafts- und Transportlobbys jeglicher konkreten Maßnahmen, um die Verkehrsflut einigermaßen einzudämmen.''(salto)

      Sie können natürlich weiter an dem Ast sägen auf dem Sie sitzen, die Unterstützung der Verantwortlichen dazu haben Sie, wie man an unseren sehr regionalen Beispielen ablesen kann.

    FirstConsul

    Es sollte nicht verwunderlich sein dass eine auf Kohlenstoff basierende Lebensform welche Sauerstoff atmet auf welche Art auch immer Kohlenstoffdioxid erzeugt. Pflanzen filtern den Kohlenstoff aus der Luft und können so wachsen.

    Es ist ein ständiger Kreislauf. Die Probleme entstehen auch nur dort wo der Schadstoffausstoss durch nicht ausreichender Grünflächen abgedeckt werden kann, überwiegend in Großstädten.

    Kohlenstoffdioxid ist kein globaler Killer, die globale Erwärmung ist kein Produkt der Menschheit, viel mehr eine Eigenschaft des Planeten.

    Wir wollen Umweltfreundliche Energie aber keine Atomkraft welche zwar Klimafreundlich ist aber eben nich Grün. Entgegen unserer Möglichkeiten mehr Wasserkraft zu nutzen lehnen wir auch diese Möglichkeit ab weil wir keinen Eingriff in die Natur vornehmen wollen.

    Möglichkeiten sind vorhanden, weil uns keine davon gefällt werden wir eben weiter fossile Brennstoffe nutzen solange welche vorhanden sind. Aber wie gesagt, das CO2 ist ein Schadstoff der auf natürliche Weise abgebaut wird im Gegensatz zu dem Schrott der entsteht durch Votovoltaik und Rotorblättern von Windrädern.

      steuerzahler

      Immerhin kann man den Schrott von den Windrädern und der PV wiederverwerten. Mit dem radioaktiven Abfall hingegen werde noch viele Generationen nach uns beschäftigt sein.

    FirstConsul

    Wenn die künftige Generation ausschließlich durch e-Mobilität ans Ziel kommen möchte kann der Bedarf an Energie nur noch mit Atomkraft abgedeckt werden.

Der Graukofler

Die Spaltung der Bevölkerung geht weiter. Stadt gegen Land, Geimpfte gegen Ungeimpfte usw. In einer Krise, wo die Menschen zusammenstehen sollten, wird genau das Gegenteil provoziert. Es ist einfach krank, was derzeit abgeht.

wolf_c

Also die mit dem Auto von Gaimberg in Lienz parken kriegen mehr, weil sie so brav mit dem Auto fahren; Autostadt Lienz, Modell 'Schöner Parken'; unseren Autoförderungsverein wird's freuen, er tut ja eh alles für sie . . .

enibas

Unsere Regierung ist an Skurrilität nicht mehr zu überbieten. Man fördert bei einer ökosozialen Steuerreform quasi Benzin und Diesel. Aber damit versucht man halt wieder das "Stimmvieh" gnädig zu stimmen. Die Umverteilung des Benzingeldes veranlasst mich auch zu schmunzeln.

Domenik Ebner

Bei allen Diskussionen über Klimaticket, Ökobonus usw. wird halt eines immer wieder übersehen - wenn keine Verbindung verfügbar ist kann ich hüpfen wie ich will - ich brauch das Auto.

Der richtige Ansatz wäre in Wahrheit das Angebot und die Flexibilität (Stichword bedarfsgerechte Öffis) zu erweitern. Auch die sogenannte "letzte Meile" also vom Bahnhof oder der Haltestelle nach Hause ist speziell in Landbezirken - wie es Osttirol ist - ein großes Problem.

    wolf_c

    - wenn keine Verbindung verfügbar ist kann ich hüpfen wie ich will - ich brauch das Auto. - Der richtige Ansatz wäre in Wahrheit die Raumordnung die diesen Namen verdient, und nicht mit Grundstücksspekulation und Anlagewohnbau verwechselt wird!

      senf

      du meinst: raumordnungswahrheit = täler entsiedeln?

      das wollte schon ein anderer in osttirol!

Muehle

Der Klimabonus - oder auch:

Wie treibt man durch nutzlose und nicht nachvollziehbare Maßnahmen einen weiteren Keil in die Bevölkerung.

Diese Wirkung hätte man mit ein bisschen Wille und Fantasie sicher vorausahnen können. "Teile und herrsche" scheint aber noch immer die bevorzugte Strategie zu sein.

Klettermaxi

Hirnlos, genauso wie die gesamte Corona - Politik !!! Blechen kann wieder der "Pöbel" Einfach zum 🤑🤑🤑🤑🤑🤑🤑 Mehr ist dazu nicht zu sagen..........

bb

Was ich mir immer wieder zu den "Geisterbussen" in der Stadt denke: wieso sind die nicht in den VVT integriert? 2 Jahre hatte ich eine VVT Jahreskarte für 2 Zonen (was sich nie und nimmer ausgezahlt hat) - um vom Bahnhof aus z.B. zum Krankenhaus zu kommen, müsste man noch einmal zahlen. Heuer bleib ich beim Einzelfahrschein, d.h. 3.80 Euro bis Lienz und dann noch 2 Euro (?) in der Stadt - und das ganze retour. Der morgendliche Spaziergang ist ja nett, aber ich komm zu spät zur Arbeit... Soweit ich mich erinnere, sind die Fahrpläne der Geisterbusse auch nicht auf den VVT abgestimmt und sie beginnen zu spät für den morgendlichen Weg zur Arbeit. Das alles macht es nicht leicht, auf Öffis umzusteigen. Geht das nicht besser? Sind die Busse nur für die Talbodengemeinden und gelegentliche Besorgungen gedacht? Sind Menschen aus den Tälern, die ja wesentlich zum Verkehrsaufkommen im Bezirk beitragen, uninteressant? Wenn man hin und wieder fährt, kann man ein Taxi nehmen. Aber sollte man nicht an Anreizen für die Berufstätigen arbeiten? Mein guter Wille hat sich in den letzten 3 Jahren erschöpft, es ist so mühsam.

    Gregor Samsa

    Also da sind Sie falsch informiert. Der Stadtverkehr in Lienz gehört sehrwohl zum VVT und kann mit den Regionstickets genutzt werden.

    Bei der Abstimmung mit den übrigen Verbindungen (=integrierter Taktfahrplan) gebe ich Ihnen Recht. Da könnte man so viel mehr Frequenz schaffen, wenn die Umstiege auch attraktiver (=an Bus und Bahn angepasst) wären.

      bb

      Danke, das wusste ich echt nicht. Wurde nicht optimal kommuniziert.

doc-doc

Eine Armutserklärung, ein Highlight für Bürokraten und Anlass für die ja schon massiv bestehenden Neidkomplexe jeder gegen jeden. Wegen einiger Euro (2022 nur halbes Jahr!) so ein Theater..... Die Lebenshaltungskosten, insbesondere aber Energie-, KFZ-Kosten, etc. werden um ein Vielfaches steigen.....

christoph03

OHNE WORTE....

osttirol20

Mit dem Differenzbetrag werden wohl Blaniks Geisterbusse und der monumentale Bahnhofsbau auf Kosten der arbeitenden Lienzer Bevölkerunh finanziert werden 😡😡😡

    unholdenbank

    HaHaHa, selten so gelacht ! Eine schwarz/grüne Regierung soll der roten Elisabeth die Geisterbusse und den Bahnhofsbau (sic sollte wohl -umbau heissen) finanzieren. So ein Blödsinn. Der Stachel "rote Bürgermeisterin in Lienz" sitzt wohl tief im dunkelschwarzen Fleisch. Wie können Sie nur so verquer denken ?

      osttirol20

      Die Bemessung richtet sich zwar nach den Grad des Ausbaus des Öffentlichen Verkehrs und dazu zählen halt einmal Blaniks Geisterbusse und der monumentale Bahnhof aber egal, das sich Türkis-Grün nicht besonders viel Hirn in ihre eigenen Leuchtturmprojekte, vielleicht besser gesagt Windlichtprojekte, steckt ist ohnehin bekannt, ansonsten würde man eine bekanntlich bundesweit verkehrstechnisch sehr sehr erschlossene Stadtgemeinde nicht gleich darstellen wie die Landeshauptstädte oder sogar besser wie ein urbanes Zentrum wie beispielsweise Villach???

    unholdenbank

    Was genau, @osttirol20, wollen Sie mit Ihrer untenstehenden Replik auf mein posting sagen ?? Ich habe noch immer nicht verstanden, wie der Klimabonus die "Geisterbusse" oder den "monumentalen" Bahnhof von Elisabeth Blanik finanziert. Bin halt doch, trotz zweier akademischer Grade, zu dumm oder was auch immer, für Ihre Argumentation. Jaja, der rote Stachel sitzt halt tief !

      osttirol20

      Ach hält sich da jemand für klüger als andere nur wegen eines Titels (ich nehme einmal an Pädagogik und oder Geisteswissenschaften) ? Da muss ich Sie aber leider gleich schon wieder enttäuschen ich habe nämlich auch zwei davon 😂😂😂, denke aber im Gegensatz zu ihnen, dass man dies nicht so herumposaunen sollte und personen die nicht studoert haben abqualifizieren sollte!!!

      bergfex

      Was sagen schon 2 hervorgehobene akademische Titel ??