Beate Palfrader geht auf Distanz zu Sebastian Kurz

Die ÖVP-Landesrätin vermisst Anstand und fordert Rückzug bis zur Klärung der Vorwürfe.

Drei Tage nach Bekanntwerden der Korruptionsermittlungen gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ist mit Tirols Beate Palfrader eine ÖVP-Landesrätin öffentlich auf Distanz gegangen. Statt sich – wie zuletzt Länder- und Bündechefs – bedingungslos hinter Kurz zu stellen, „erschiene es mir wichtiger, besser und korrekter, volle Aufklärung zu fordern“, zitiert sie die „Presse“. Bis zur vollständigen Aufklärung der Vorwürfe sollten sich alle Betroffenen zurückziehen – auch Kurz.

Über die Anschuldigungen sei sie „sehr schockiert und tief betroffen“. Diese hätten nicht nur eine „rechtliche Dimension, sondern auch Auswirkungen auf die Einstellung der Menschen zur Politik“, so die Bildungs- und Kulturlandesrätin in der Online-Ausgabe der Zeitung. Bereits am Donnerstag hatte sie betont, dass für Kurz und die anderen Beschuldigten zwar die Unschuldsvermutung gelte. Sollten sich aber die Vorwürfe bewahrheiten, „wird es natürlich Konsequenzen geben müssen“.

Beate Palfrader verlässt die vorgegebene Linie der ÖVP und fordert vom Kanzler einen Rückzug bis zur Klärung der Vorwürfe gegen ihn. Foto: Expa/Groder

Am Samstag nannte sie nun als Szenario in der aktuellen „veritablen Krise“, „dass sich jene, die mit Vorwürfen konfrontiert sind, zurückziehen, bis eine vollständige Aufklärung passiert ist. Und wenn ich das richtig gelesen habe, zählt auch der Bundeskanzler dazu.“ Zu den Chat-Verlaufen in Zusammenhang mit Ex-Parteichef Reinhold Mitterlehner (Kurz: „Super war dass Spindi heute ausgerückt ist. Das stört den Arsch sicher am meisten…“) fällt Palfrader laut Bericht nur ein Satz ein: „Wo bleibt der Anstand?“

Palfrader hatte bereits im Mai dieses Jahres, als die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Ermittlungen wegen vermeintlicher Falschaussage im U-Ausschuss zu Ibiza- und Casinos-Affäre aufgenommen hatte, Kritik an der Bundes-ÖVP geübt. „Ich fühle mich darin bestätigt, mich in Tirol stets als Schwarze und nicht als türkise VPlerin zu deklarieren“, hatte sie damals betont. Palfrader war von jeher Kritikerin von Türkis in der ÖVP.

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16 Postings bisher
hunter

Riesige Probleme als Bildungs Landesrätin, Wohnbaulandesrätin ... ungelöst, und dann gscheit sein .. also ???

    Franz Brugger

    Wenn man die Struktur in der Tiroler LR ansieht, betrifft der Vorwurf wohl auch Platter.

    Aber - ich schätze moralische Kompetenz als zumindest ebenso wichtig und notwendig ein wie Fachkompetenz, deshalb erhät Frau Palfrader hier in diesem Forum wohl überwiegend Zustimmung

Bergan

"Es gibt doch noch Menschen mit Anstand und Mut in der Politik. Meine Wertschätzung gilt ihnen Frau Palfrader,ganz im Gegensatz zum Herrn Platter." Diesem Satz weiter unten kann ich nur voll zustimmen. Weil ein Herr Platter diesen Machenschaften zustimmt und verteidigt, so kommt er bei mir in die gleiche Schublade wie unser Superbundeskanzler und ist somit unwählbar.

miraculix

Danke an Beate Palfrader für Ihre klaren Worte. Passen wir doch auf, dass aus der Unschuldsvermutung nicht eine Unschuldsverdummung wird! Mensch gewöhnt sich schließlich an alles!

Im öffentlichen Dienst - und dazu sollte die Politik doch eigentlich gerechnet werden können - wäre jede*r Amtsträger*in bei schon weniger schwer wiegenden Anschuldigungen am nächsten Tag suspendiert und aus dem Spiel - bis tatsächlich die Unschuld erwiesen ist.

tauernwind

Auch mein Respekt für Frau Palfrader ! Sie wären wählbar, schwarz/türkis nicht !

Sie zeigt Rückgrat obwohl sie sich damit selbst Steine in den Weg legt, daß System Kurz wird so etwas nicht einfach vergessen.

hoerzuOT

Sie hätte den gestrigen Tag/ die gestrigen Ereignisse locker an ihr vorüberziehen lassen können. Sie hat es aber nicht getan und sich deutlich positioniert. Das erfordert Mut und Entschlossenheit.

schreiberin

Es gibt doch noch Menschen mit Anstand und Mut in der Politik. Meine Wertschätzung gilt ihnen Frau Palfrader,ganz im Gegensatz zum Herrn Platter. Einfach nur peinlich wie sich die ÖVP Landeshauptleute in dieser so wichtigen Causa für Österreich dem Herrn Kurz unterwerfen.

Chronos

Bisher haben sich alle "geduckt" vor dem politischen System Kurz und "seiner türkisen Familie". Die Chat´s und die Anklageerhebungen der WKStA lassen tief in den "neuen Stil" der Türkisen blicken!

Palfrader ist die erste die sich aus der Komfortzone wagt. Viele in der ÖVP haben (noch) Angst ihren gut bezahlten Job in der Politik zu verlieren.

Die strafrechtliche Komponente ist eine andere Ebene. Da mahlen die Mühlen der Justiz. Da gilt für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Auf der politischen Ebene muss Kurz die Verantwortung übernehmen! Es ergibt sich für Kurz und seine Türkisen ein verheerendes Sittenbild! Mehr ÖVP-Stimmen werden sich melden! Bin gespannt wie LH Platter nach dem Interview die Kurve kratzt?

Ich wage eine Prognose: Politisch ist Bundeskanzler Sebastian Kurz in ein paar Tagen Geschichte. Das ist gut so!!!

Der Graukofler

Bravo Frau Palfrader! Eine Tiroler ÖVP Politikerin mit Anstand!

genaugenommen

lieber 10% schwarz mit anstand und ehrlich als 30% türkis und verlogen

bergfex

...... Beate Palfrader geht auf Distanz zu Sebastian Kurz .........

Da wird der Plattler aber keine Freude haben.

iseline

Respekt für Landesrätin Palfrader, die die chats gelesen hat und sich kritisch zu Wort meldet.

    senf

    @iseline: ojemine, wie kommst denn auf das? es braucht einen saubermann/frau innerhalb des teams und sie machts halt. vielleicht gar hin auf die landtagswahl - wer weiss!

      iseline

      @senf: Du übersiehst, dass sich die Landesrätin schon früher mehrmals kritisch gegenüber S. Kurz geäußert hat. Sie ist auch zuständig für die Kinderbetreuungseinrichtungen und hätte die Gelder, die Mitterlehner und Kern dafür gedacht hatten, (es waren -Dank Herrn Kurz - dann wesentlich weniger) sicher gut gebrauchen können. Tirol hinkt in diesem Bereich ja immer noch ordentlich nach.

      senf

      jaja, iseline, tirol hinkt nach ..., du hast recht. aber warum hat die liebe övpä-frau das nicht schon längst für tirol geregelt? sie ist ja doch schon ein weilchen in der regierung. kritik zu äussern ist eine sache, etwas zu ändern die andere, oder hast du seit den mittelkürzungen in deinem sozialbereich schon genugtuung erfahren?

    senf

    noch einmal: der böse platter, er unterstützt kurz. alle: jo verdammt no amol, die övp wähl ma alle nimmer. da kommt palfrader von der övp und hat bedenken was passiert, sie sieht das ganze kritisch.

    die medien reagieren, sie schreiben brav.

    jo aso, des isch jo gor nit so, wie behauptet wead. es gibt jo doch noch ounständige in der övpä. also wähl ma sie doch!

    haha!