Lienzer Wasserrettung: Neue Basis hat sich bewährt

Die Finanzierung war ein Kraftakt, doch die moderne Einsatzstelle erleichtert den Alltag.

„Es war ein langer und steiniger Weg“ – Nadja Konrad spricht über die turbulente Reise der Osttiroler Wasserrettung zu einer neuen Einsatzstelle. Konrad leitet den Bereich „Nautik“ und hätte ihr neues Heim gerne gemeinsam mit ihren Kolleg:innen bei einem Festakt der Öffentlichkeit präsentiert. Doch auch bei den Wasserrettern trat Corona als Spielverderber auf den Plan und so wurde der Neubau schließlich am 19. Oktober den Medien präsentiert.

(V.l.) Manfred Schorn (Bezirkseinsatzleitung), Tauchwart Hans Salcher, Kassier Ernst Glaser, Nadja Konrad (Nautik), Einsatzstellenleiter Markus Pflanzl, Helga Crazzolara (Kindertraining), Präsident Meinhard Pargger und Wildwasserleiter Christian Burger. Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Im März 2015 musste die Wasserrettung ihre Wirkungsstätte am rechten Drauweg beim Lienzer Schwimmbad verlassen, weil diese desolat und zu klein war. Teilweise wurde das Equipment in privaten Garagen gelagert. „Vier Jahre lang mussten wir dann unter prekären Umständen im Ersatzquartier in der Peggetz ausharren“, erinnnert sich Obmann Markus Pflanzl. In der ehemaligen TIWAG-Garage gab es keine Heizung und keine Sanitäranlagen. Umso größer war dann die Freude, als die Wasserretter 2019 wieder zurück an die Drau durften.

Die alte Einsatzstelle wurde neu gebaut, die Rettungsorganisation kann sich nun auf 250 Quadratmetern ausbreiten und hat genug Platz für das gesamte Equipment. Die Raumaufteilung nahmen sie selbst in die Hand, um die neue Zentrale auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Ein wesentlicher Vorteil ist auch die Lage, wie Pflanzl erklärt: „In der Peggetz haben wir im Schnitt 15 Minuten von der Alarmierung bis zur Ausfahrt gebraucht. Hier beim Schwimmbad sind es fünf bis sieben Minuten.“

Doch nicht nur das Ausweichquartier verlangte den Freiwilligen einiges ab, vor allem die Finanzierung der neuen Einsatzstelle war „eine Mammutaufgabe“. Nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ wurden die Vorstandsmitglieder unzählige Male in den Osttiroler Gemeindestuben vorstellig. Mit Erfolg: „Letzten Endes haben sich alle Gemeinden beteiligt“, berichtet der Osttiroler ÖWR-Präsident Meinhard Pargger. Eine Lanze bricht er für die Stadt Lienz, die 150.000 Euro der Gesamtkosten von 450.000 Euro übernommen und den Wasserrettern einen Bittleihvertrag auf 50 Jahre ausgestellt hat.

Vom Land flossen rund 150.000 Euro und aus den Gemeinden 90.000 Euro an das rechte Drauufer. 40.000 Euro sammelten die Mitglieder beim Verkauf tausender Plastikenten und auch die MTF-Stiftung aus Liechtenstein zahlte mit. Die Talbodengemeinden mussten erneut in die Börse greifen und ein neues Fahrzeug mitfinanzieren, nachdem der 21 Jahre alte Ford der Wasserrettung wortwörtlich „den Bach runter ging“.

Einsatzstellenleiter Markus Pflanzl hat in seinem neuen Büro alles im Blick.

Das neue Fahrzeug steht bereits in der modernisierten Garage und stand schon einige Male im Einsatz. Das Jahr 2021 war für die Wasserrettung bisher besonders fordernd. „Bisher hatten wir pro Jahr im Schnitt sieben bis zehn Einsätze, heuer wurden wir schon 22 Mal alarmiert“, so Pflanzl. Für die Einsätze sieht er sich und sein Team gerüstet: „Wir haben eine motivierte und schlagkräftige Truppe und die Jugendarbeit liefert guten Nachwuchs.“

Insgesamt zählt die Organisation derzeit 101 Mitglieder sowie 91 Freiwillige im Jugendbereich. Immer mehr junge Menschen wagen den Sprung ins kalte Wasser. „Auf unserer Warteliste im Nachwuchs stehen 55 Namen. Wir können leider nicht so viele Leute aufnehmen, weil wir begrenzte Möglichkeiten haben“, erklärt Helga Crazzolara, die sich um das Kindertraining kümmert. Pargger ist als Präsident „unglaublich stolz auf die Leistungen, die hier erbracht werden. Um die Wasserrettung in Osttirol mache ich mir keine Sorgen.“

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