Mit etwas besserem Schuhwerk als die Römer wandeln wir auf ihren Spuren. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Mit etwas besserem Schuhwerk als die Römer wandeln wir auf ihren Spuren. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Herbstwandern auf den Wegen der Römer

Der Bus bringt uns zum Start einer idyllischen Spurensuche hoch über dem Lienzer Becken.

Für unseren heutigen Öffi-Freizeittipp begeben wir uns auf die Spuren der alten Römer, von denen man im Lienzer Talboden einige findet. Als einzige Römerstadt Tirols entwickelte sich Aguntum in der Antike aufgrund der günstigen Lage zu einem regionalen Handelsmittelpunkt. Als wichtigste Exportgüter der Region galten Kupfer, Holz, Milchprodukte und auch Bergkristalle aus den Tauern. Eine der wichtigsten Handelsrouten führte damals über den Iselsberg und die Tauern nach Salzburg, dem römischen „luvavum“.

Auf dem neuen Rundweg „Wege der Römer“, der um Aguntum durch Felder, Wälder und Wiesen auf den Iselsberg führt, wandeln wir auf den Spuren der Römer. Diese neue Route, die auf bestehenden Wegen angelegt wurde, ist 15 Kilometer lang und nimmt etwa fünf Stunden in Anspruch. Man kann den Römerweg aber auch in drei Etappen und beide Richtungen marschieren. Um uns voll auf das Wirken der Römer und die Natur einzulassen, haben wir uns für eine entspanntere Variante entschieden. Genusswandern könnte man sagen.

Mit der Buslinie 942 rollen wir der Morgensonne entgegen.

Startpunkt ist der modernisierte Bahnhof Lienz. Mit der Linie 942 geht es zum Start gleich hoch hinaus. Beim Einstieg lächelt uns die Busfahrerin entgegen, die seit zwei Jahren hinter dem Steuer sitzt. Heute ist sie Richtung Winklern unterwegs, für 3,90 Euro dürfen wir mitkommen. Unser Plan für den Tag gefällt ihr: „Das ist mal etwas Neues. Viele meiner Fahrgäste wandern sogar vom Talboden bis Winklern und fahren dann mit dem Bus zurück.“ Kurz vor der Abzweigung zur „Schönen Aussicht“ am Iselsbergpass verlassen wir Anna bei der Haltestelle „Kopfsguter“. Hier oben hat sich die Sonne noch nicht blicken lassen, es ist frisch und in den Wäldern hängt der Frühnebel.

Frau am Steuer – Busfahrerin Anna setzt uns in Iselsberg ab.

Wir überqueren einen Bach und folgen dem gut markierten Römerweg – allerdings in entgegengesetzter Richtung. Nach wenigen Metern lichtet sich der Wald. In einer Wiese grast ein Pferd, daneben versucht sich ein kleiner Esel in Morgengymnastik. Angenehm abfallend führt der geschotterte Forstweg bergab Richtung Stronach. Kurz vor der Siedlung erreichen wir eine weitläufige Wiese und blinzeln zum ersten Mal durch die Baumkronen in die Sonne.

In Stronach kümmert sich eine junge Frau um die Pflanzen in ihrem Garten und wünscht uns einen guten Morgen. Beim Rehazentrum Ederhof öffnet sich schließlich der Blick auf den Talboden. Unter uns liegt Dölsach, um uns herum bunte Wälder und gegenüber die „Unholden“ – vor allem an einem Herbstmorgen eine traumhafte Kulisse. Nach ein paar Minuten haben wir genug gestaunt, wechseln das Terrain und wandern über Asphalt hinunter zur Rotte „Stronach-Säge“. Hier erwartet uns die erste Römerstation. Neben einer kleinen Holzbank erzählt ein Text auf einem Pylon vom „ferrum noricum“. Im Gegensatz zu festem Schuhwerk ist auf den Wegen der Römer Latein kein Muss. In den Zeilen auf der Säule geht es um das norische Eisen. Wegen seiner Härte war es im römischen Reich ein bekanntes Qualitäts- und Markenprodukt.

Die erste Römerstation auf unserem Weg entdecken wir in Stronach.

Bei einer kurzen Rast auf der Bank erspähen wir bereits die nächste Station: Die Ruine Wallenstein. Die Stürme der letzten Jahre haben sie freigelegt, umso imposanter thronen die alten Mauern nun über dem Lienzer Becken. Bei diesem Anblick hält es uns nicht lange auf der Holzbank, über einen idyllischen Waldsteig und eine feuchte Wiese erreichen wir rasch die Ruine.

Was für eine Aussicht! Die Ruine Wallenstein ist ein Geheimtipp.

Hier gibt es Infotafeln, Bänke und natürlich einen Rundblick, der seinesgleichen sucht. In einer Wiese unter der Ruine sieht Anton Walder gerade nach seinen Kühen. Er ist der „Burgherr“ und füttert uns mit Infos über die Ruine:

Burgherr Anton Walder vor seinem Gemäuer.

Nach einer kleinen Stärkung kehren wir bei der Holztreppe unterhalb der Ruine in den Wald zurück. Nun geht es etwas steiler bergab, ehe wir nach einigen Kehren beim Rastplatz Moar landen. Bei einem Bauernhof versorgt uns ein Nussbaum mit Energie für die restlichen Meter. Wer müde wird oder schneller nach Hause will, gelangt kurz nach der Abzweigung beim Bauernhof über die Straße zur nächstgelegenen Bushaltestelle in Dölsach. Wir bleiben den Römern auf der Spur und erfahren am Rastplatz von den Transportcontainern der Antike.

Danach schlängelt sich der Weg durch ein Waldstück und über eine Wiese bergab und vorbei am Kuenzhof. Wenige Meter später zweigen wir von der Straße, die zum Dölsacher Schwimmbad führt, nach links ab. Hinter einem idyllisch gelegenen  Bauernhof gelangen wir auf den „Mühlensteig“ – ein echter Geheimtipp!

Hinter einem Schuppen mit alten Mühlrädern wird es abenteuerlich. Zunächst muss ein Hochwasserschutzwall überquert werden, danach geht es über eine Holzschräge und einen versicherten Grassteig nach Gödnach. Dort erreichen wir wieder eine Straße, biegen zunächst links ab und spazieren aufwärts zur Kapelle Görtschach. Nachdem wir uns umgesehen haben, folgen wir der Straße zurück durch das Siedlungsgebiet vorbei an einer Bushaltestelle bis knapp vor die Bundesstraße. Dort biegen wir rechts ab und stehen wenige Schritte später vor dem Dölsacher Schwimmbad.

Nun muss die B100 überquert werden – hier ist Vorsicht geboten! Auf der anderen Straßenseite führt uns ein Forstweg Richtung Bahnhof Dölsach. Nach wenigen Metern weicht der Verkehrslärm dem Plätschern des Debantbaches. Wir überqueren eine Brücke, die über ein ausgetrocknetes Bachbett führt und biegen vor der nächsten Brücke rechts ab. Dem breiten Fahrweg folgen wir vorbei an wuchernden Uferpflanzen zur nächsten Römersäule. Auf einer Bank blicken wir stolz hoch zur Ruine.

Fast geschafft: Am Dölsacher Anger blicken wir zurück nach Iselsberg.

Weil der Magen grummelt, fällt diese Pause kürzer aus. Bis zum Ziel sind es nur noch wenige Meter. Zuvor erreichen wir an einer Brücke eine Abzweigung. Hier lohnt es sich, den Normalweg zu verlassen und dem verwilderten Steig in den Wald zu folgen, der an wunderschönen Buchten am Debantbach vorbeiführt.

Nach diesem „Waldbad“ biegen wir erfrischt auf eine Querstraße ab und stehen kurz danach in der Römerstadt Aguntum – geschafft! Natürlich steht jetzt noch ein Rundgang durch das Museum auf dem Programm, um den Ausflug in die Antike gebührend abzuschließen. Danach gönnen wir uns gegenüber im Café „Taverna“ einen Espresso und einen warmen Apfelstrudel mit Schlag und checken über die VVT-App den Fahrplan.

Der köstliche Apfelstrudel versüßt uns den sportlichen Tag.

Wir spazieren durch die Grabungsfelder der Römerstadt in Richtung Stribach und hüpfen bei der Haltestelle „Aguntum“ in den Bus, der nach wenigen Minuten Fahrzeit am Busterminal in Lienz einparkt.

Nach einem kurzen Fußmarsch geht es mit dem Bus weiter Richtung Lienz.

Die von uns gewählte Variante ist eine von vielen. Man kann den Wegen der Römer auch über Iselsberg vorbei am Pondorfer Futterhäusl folgen. Flankiert wird jede Route von mehreren Bushaltestellen, die viel Spielraum bei der Wahl der Strecke bieten. Hier eine Übersicht:

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senf

ein ganz tolles wanderangebot der beiden gemeinden für geschichts- und kulturinteressierte und familien, die sich mit dieser informativen und spannenden beschreibung samt orientierungshinweisen sicher gut zurecht finden werden.

sehr schön sind die einfachen poller an haltepunkten, die keineswegs landschaftsstörend wirken. ebenso die sehr schlicht gehaltenen rastplatzeinrichtungen.

der rundgang mit bus-zustiegsmöglichkeiten am sonnigen nussdorfer berg wird heuer sicher noch bis spät in den herbst viel anklang finden.

entgegen den gepflogenheiten der römern werd ich allerdings für die tour meine bergschuhe den schnürsandalen vorziehen.

den akteuren: gut gemacht, super, ich freu mich drauf!