Wie sinnvoll ist der Lockdown an der Uni Innsbruck?

ÖH-Spitze fordert die Öffnung für Geimpfte. Rektor Märk hält an der Schließung fest.

Am 18. November erhielten die Studierenden der Universität Innsbruck einmal mehr eine Hiobsbotschaft: Lockdown. Seit dem 22. November und bis vorerst 9. Januar 2022 schaltet die Uni von Präsenz- auf Fernlehre um. Diese Maßnahmen seien erforderlich, um Universitätsangehörige bestmöglich zu schützen und den Forschungs- und Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten, wird argumentiert.

Die Studentenvertreter:innen sehen das nicht so. Sie lehnen den Uni-Lockdown ab: „Studierende haben sich eine sichere Präsenzlehre durch ihre außerordentlich hohe Impfquote von über 83 Prozent selbst ermöglicht und dürfen jetzt nicht erneut die Leidtragenden sein“, erklärte ÖH-Vorsitzender Daniel Müller in einer Presseaussendung.

Rektor Tilman versteht den Frust der Studenten, hält an den strengen Maßnahmen aber fest: „In der jetzigen coronabedingten Situation ist diese Art von Universität leider nicht aufrechtzuerhalten, weil es jetzt darum geht, die vierte Welle zu brechen und eine prognostizierte fünfte Welle erst gar nicht in dieser Wucht entstehen zu lassen. Wir wollen und müssen einen Beitrag dazu leisten, dass die Kontakte, ob auf dem Weg zur Uni und zurück oder an der Uni selbst, so gering wie möglich sind.“

Das ÖH-Vorsitzteam der Universität Innsbruck äußert sich kritisch zur Uni Schließung. Von links: Anna Maria Weiß, Daniel Müller und Lukas Schobesberger. Foto: ÖH/Tandler

Wir haben Daniel Müller zum Interview getroffen und zur Kontroverse zwischen ÖH und Rektorat befragt.

Wie hat die Universität auf eure öffentliche Stellungnahme reagiert?

„Ich muss zuerst sagen, dass die Zusammenarbeit an der Universität grundsätzlich großartig funktioniert. Die Universität war aber natürlich nicht begeistert, dass wir uns öffentlich gegen die Schließung ausgesprochen haben. Wir haben in den nächsten Tagen einen Termin mit Rektor Tilman Märk und ich bin gespannt was dabei herauskommt. “

Inwiefern könnt ihr euch als ÖH für die Student:innen beim Thema Corona Pandemie einsetzen?

„Die Universität hat eine sogenannte Corona Task-Force eingerichtet, ein Beratungsgremium, das aber keine Entscheidungsgewalt hat. Je ein Mitglied verschiedener Sparten, wie dem Rektorinnen-Team, dem Betriebsrat etc. sitzt am Tisch und vertritt die jeweilige Gruppe. An sich eine gute Einrichtung. Wenn jedoch auf die Meinung der Studierenden nicht gehört wird, dann ist die Corona Task-Force eigentlich sinnlos.“

Warum sollte die Universität von dem derzeitigen Lockdown ausgenommen werden?

„Es ist so, dass die Universität von den Verordnungen der Bundesregierung ausgenommen ist. Das heißt auch wenn der Lockdown herrscht, kann die Universität in ihrem eigenen Wirkungsbereich selbständig entscheiden. Mit dieser Verantwortung ist der Rektor beauftragt. An der Universität gilt derzeit FFP2 Maskenpflicht auch am Sitzplatz, es gelten Abstandsregeln, es wird 3G kontrolliert und es sind junge Menschen, die typischerweise – von Ausnahmen abgesehen – die Intensivkapazität nicht belasten. Und da sehe ich eigentlich keinen Grund, jetzt wieder die Uni zu schließen.“

Das letzte Jahr wurde die Universität bei weitaus niedrigerer Inzidenz geschlossen. Warum ist der Aufschrei gerade jetzt so groß?

„Der Unterschied zum letzten Lockdown ist die hohe studentische Impfquote. Die 83 Prozent Durchimpfungsrate wäre in der gesamten Bevölkerung doch so erstrebenswert. Wenn dies später in der Gesellschaft funktionieren sollte, warum nicht jetzt an der Universität? Laut Rektorat ist in der letzten Zeit keine einzige Ansteckung an der Universität passiert. Die steigenden Zahlen von infizierten Student:innen und Mitarbeiter:innen sind auf Ansteckungen im privaten Bereich zurückzuführen.“

Wie könnt ihr als ÖH jenen Studierenden helfen, die mit psychischen Erkrankungen im Lockdown zu kämpfen haben?

„Wir haben 25.000 Euro bereitgestellt, um psychisch kranken Student:innen finanziell unter die Arme zu greifen. Und es melden sich sehr viele Leute. Wir haben viele einheimische, aber auch ausländische Studierende, denen man nahe gelegt hat, nach Innsbruck zu ziehen. Sie haben überteuerte Wohnungen gemietet, sitzen nun in den Wintermonaten allein vor dem Computer und kennen keinen Menschen. Es ist kein Wunder, dass es denen schlecht geht.“

Vor einer Woche war auf die Straße vor der Universität groß gekreidet: „Kein 2G! Bildung ist für jeden da“. Seid ihr als ÖH dafür, eine 2G Regel einzuführen?

„Ja, solange den Ungeimpften das Recht auf Bildung nicht entzogen wird. Die Universität könnte sogar 1G einführen, wenn sie offen bleibt. Das beste überhaupt wäre Hybridlehre. Wir sind dabei, auch das weiter zu fördern.“

Daniel Müller stellt aber auch klar: „Der Schutz der Bevölkerung ist wichtig und richtig! Das ist ganz klar.“


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