Das „widerständige Leben“ von Marion Dönhoff

Mareili Warsitz-Rott liest aus Alice Schwarzers Biografie über eine große Journalistin.

Alice Schwarzer wurde 1943 in Wuppertal geboren und wurde als Journalistin und Gründerin der feministischen Frauenzeitschrift Emma bekannt. Schwarzer zählt zweifelsohne zu den bekanntesten Feministinnen Europas. Sie brachte Frauen auf die Straße und Männer in Rage. Sie demonstrierte gegen Abtreibungsverbot und Pornographie.

1970 freundete sich Schwarzer mit Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre an. Ihre Interviews mit de Beauvoir erschienen 1983 unter dem Titel „Weggefährtinnen im Gespräch“. Zu Schwarzers Bekanntheit hatte auch ein unmoderiertes Streitgespräch mit der argentinisch-deutschen Autorin Esther Vilar beigetragen, das der WDR im Februar 1975 ausstrahlte. Vilar hatte in ihrem Buch „Der dressierte Mann“ mit der These provoziert, dass nicht die Frau durch den Mann unterdrückt werde, sondern umgekehrt der Mann durch die Frau. Ein kontroverser Schlagabtausch folgte, der in die deutsche Fernsehgeschichte einging. In diesem Kontext betonte Alice Schwarzer immer wieder, dass es ihr nicht um eine Angleichung an die männliche Lebensform ging: „Nicht unsere Integrierung ist wünschenswert, nicht die Vermännlichung der Frauen, sondern die Vermenschlichung der Geschlechter.“

Marion Dönhoff. Foto: Detlef Gräfingholt, 1971, Creative Commons-Lizenz

Esther Vilar haben wir bereits im Rahmen unseres ersten literarischen Adventkalenders 2020 vorgestellt. Marion Gräfin Dönhoff wurde 1909 in Ostpreußen geboren. Sie war Chefredakteurin und Mitherausgeberin von „Die Zeit“ und gilt als eine der bedeutendsten Publizistinnen der Nachkriegszeit. Für ihre Tätigkeit wurde sie unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Gräfin Dönhoff schrieb mehr als zwanzig Bücher und war als Autorin ebenfalls erfolgreich, wobei ihre persönlichen Erinnerungen und Erlebnisse im NS-Widerstand ihr Schaffen prägten.

Von 1994 an trafen sich Alice Schwarzer und Marion Dönhoff über ein Jahr lang regelmäßig. Dönhoff hatte Schwarzer als einzige „Biographin zu Lebzeiten“ akzeptiert, nachdem sie Jahre zuvor einen Bericht über sich selbst in der „Emma“ als treffend empfunden hatte. Marion Dönhoff war 81, als sie sich auf das Abenteuer einließ. Ein bewegtes Jahrhundert ging langsam zu Ende und kaum ein Mensch hatte es so geprägt wie sie: Im niedergehenden Kaiserreich als letzte Herrin von Schloss Friedrichstein, in der Nazizeit als Verbündete des Widerstandes, in der Bundesrepublik als Journalistin und moralische Instanz. Es entstand eine vielfach gelobte Biographie, die Dönhoff nicht nur als Journalistin, sondern als Frau erfasste. Voran gingen zahllose Gespräche, gemeinsame Reisen und breite Recherchen im intimsten Lebenskreis der Gräfin. Begegnungen, die beide Frauen prägten.


Die Lesereihe „Unerwartete Begegnungen“ wird vom Literaturkreis der Stadtbücherei Lienz realisiert, dessen Mitglieder die Texte ausgewählt und selbst eingelesen haben. Ursprünglich waren adventliche Lesungen in der Bücherei geplant, die aber der Pandemie zum Opfer fielen. 

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