Der Naturpelz als Alternative zum „Plastikzeitalter“?

Die Kürschner bringen sich in Stellung, doch Tierschützer halten dagegen.

Bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt starten Tirols Kürschner eine Offensive für den echten Pelz und argumentieren, dass der Naturpelz eigentlich nachhaltiger sei als sein künstliches Imitat. Berufsgruppensprecherin Raphaela Scherkl verweist darauf, dass in Tirol nicht Zuchtpelze aus Qualzuchten, die man strikt ablehne, verarbeitet würden, sondern vornehmlich Pelze aus heimischen Revieren.

„Füchse, Marder und andere pelzige Waldbewohner müssen in gewisser Anzahl erlegt werden, um den Wildbestand zu kontrollieren. Wird ein Tier geschossen, sollte es nicht einfach eingegraben, sondern auch einer bestmöglichen Nutzung zugeführt werden“, ist Scherkl überzeugt und verweist darauf, dass pro Jahr und Kopf in Österreich etwa sieben Kilo Mode in den Müll geworfen werden, darunter auch Kunstpelze. Scherkl: „Diese können im Gegensatz zu natürlichen Materialien im Umweltkreislauf nicht abgebaut werden und landen über Umwege letztlich als Mikroplastik auch im menschlichen Körper.“

Kürschnerin Raphaela Scherkl ist überzeugt, dass Echtpelz aus Tirol nachhaltiger ist als Kunstpelz aus Plastik. Foto: WKO

Veronika Weissenböck von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ findet das weit hergeholt und widerspricht dieser Aussage mit Nachdruck aus mehreren Gründen: „Es ist ein grausames Geschäft, Pelz als ein nachhaltiges Produkt zu bezeichnen und eine Verhöhnung für die Tiere und die Umwelt.“ Denn die Realität sei nicht so simpel, wie von den Kürschnern geschildert. Zwischen dem Tier und dem modischen Pelzartikel stehe zum Beispiel eine Vielzahl chemischer Behandlungsprozesse, die die Umwelt verschmutzen.

Weissenböck kennt das Argument, dass Pelze von Tieren stammen, die aufgrund der Waldbestandskontrolle geschossen wurden und findet es problematisch: „Damit werben viele Hersteller. Diese äußerst kleine Pelznische kann dem einzelnen Verkäufern schwer abgestritten werden. Zahlen legen jedoch offen, dass der Großteil der Pelzindustrie auf unethischer Pelzgewinnung basiert. 95 Prozent der weltweit gehandelten Felle stammen aus der Pelztierzucht. Nur ein kleiner Teil wird durch Jagd- und Fallenfang abgedeckt. Dies läuft jedoch ebenso grausam ab. Gerade bei dem Fallenfang kämpfen Tiere stunden- oder tagelang um ihr Leben, bis sie schließlich vor Erschöpfung oder Hunger sterben.“

Pelzkragen-Nachschub aus Tirols Jagdrevieren? Kürschner sehen darin eine Chance zur Nachhaltigkeit, Tierschützer widersprechen heftig. Diese Füchse und Marder, fotografiert 2016 in Kals, wurden nicht verarbeitet, sondern entsorgt. Foto: Expa/Groder

Es gebe sicherlich Ausnahmefälle, räumen auch die Tierschützer:innen ein. Die Verarbeitung der Pelze von waidgerecht erlegten Tieren sei unter Umständen ethisch vertretbar, doch die Überhöhung zur „zeitlosen“ oder gar nachhaltigen Mode sieht man äußerst kritisch. Der Pelzmantel habe längst ausgesorgt und werde funktional wie modisch durch andere Materialien ersetzt. Auch Pelzapplikationen seien absolut verzichtbar.

Hinterfragbar ist auch der wirtschaftliche Sinn. Das „Abbalgen“ eines Fuchses sei aufwändig, bestätigten bereits vor Jahren auf Dolomitenstadt-Nachfrage die heimischen Jäger. Die Preise für Fuchs- und Marderbälge seien im Keller, Naturpelz-Mäntel zu tragen nicht mehr en vogue. Also werden die Tierkadaver meist entsorgt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Bleibt als Kompromiss für alle, die echtes Tierhaar mit gutem Gewissen tragen möchten noch das Recycling von „Omas Pelz“ im Sinne des Second-Hand-Gedankens. „Umarbeitungen sind ein fester Bestandteil im Arbeitsalltag des Kürschners. So kann etwa ein alter Pelzmantel zu einem modernen Kleidungsstück umgenäht werden. Damit wird es möglich, dass hochwertige Pelzkleidung von Generation zu Generation weitergegeben wird“, so Branchensprecherin Scherkl. Das klingt auf jeden Fall nachhaltig.

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13 Postings bisher
steuerzahler

Die Aufbereitung und Umarbeitung von längst vorhandener Pelz- und Lederbekleidung ist einwandfrei als nachhaltig zu werten. Die Jägerschaft sehe ich zwiespältig. Vor Allem die Schickimicki-Jagdgesellschaften braucht niemand. Das Füttern im Winter, damit möglichst viel Wild überlebt, das dann bejagt werden muß, alles nur Selbstzweck.

Zur Lösung der Problematik Mikroplastik gibt es auch ein Mittel und das ist die Müllverbrennung. Kunststoffe brennen sehr gut und werden dabei zur Erzeugung von Strom und Wärme verwendet. Diese Art der Entsorgung ist jedenfalls weit besser als die Deponie. In der MVA werden die Abgase gereinigt und die Reststoffe konzentriert. Der Müll ist sowieso vorhanden, also sollte er auch genutzt werden. Alternativ kann sogar Kraftstoff aus dem Restmüll erzeugt werden. Due Technologie ist vorhanden und sollte genutzt werden. Müll ist wertvoller Rohstoff.

Kapatieme

50 erschossene Tiere . Für was ? Wegen ein paar gestohlenen Hühnern? Da wüsste ich ein Raubtier zum erjagen das uns sehr, sehr viele Schafe kostet. Aber.....

    unholdenbank

    Da meinen Sie wohl das Raubtier Mensch, das weit mehr Schafe tötet, als alle anderen Raubtiere zusammen.

      Kapatieme

      Äh, nein den Mensch meine ich nicht, eher was auf 4 Tatzen... gell?

chiller336

pelztragen ist tiermord - und sonst nix. mich würd vor allem interessieren, warum zb füchse und marder überhaupt geschossen werden. welchen schaden richten marder im wald an bitte? welchen schaden richten füchse im wald an? es gibt keinen baumfraß, aas ist die bevorzugte beute und auch mäuse usw. für mich nach wie vor nix als das sinnlose befriedigen der schiessgeilheit - das foto spricht für sich .... "stolze" jäger lassen sich mit ihrer beute ablichten, die getötet und dann entsorgt wird. schämts euch jäger

    unholdenbank

    100% d'accord !

    Oschtadio

    Chiller 336 hast du schon was von Tollwut gehört. Wenn ein infiziertes Tier (Fuchs-Marder) zb. Dein Haustier Katze oder Hund im schlimmsten Fall den Menschen angreift bzw. infiziert und die Tollwut auf dich dadurch übertragen wird, wärst du froh die Hauptsächlichen Virusträger währen durch die gezielten Bestand Regulierung dezimiert geworden. Soviel zum Schaden anrichten

      chiller336

      dass gegen tollwut geimpft wird und zwar schon lange ist dir aber schon klar? wann gabs den letzten tollwutfall in osttirol? eine fadenscheinige ausrede und sonst nix. wo sind die jäger die erklären können warum man diese tiere wirklich dahinmetzelt??

      unholdenbank

      Ja,wieder so ein blödes Totschlagargument. Der Jäger weiß natürlich, welcher Fuchs die Tollwut hat, wenn er ihn erschießt. Dieser Virusträger trägt ja ein Schild um den Hals oder sonst was. Und dann muss immer das doofe Argument mit "Dein Haustier Katze oder Hund im schlimmsten Fall den Menschen" herhalten. Wie viele wurden in letzter Zeit von tollwütigen Tieren angefallen/gebissen und wie viele Frauen z.B. starben in letzter Zeit durch Mord? Hä? Wer ist wohl die gefährlichere Spezies?

    senf

    chiller@ sei mal ehrlich. Trägst du keine Lederschuhe, Hosengürtel a Kracherte oder sonstige Bekleidungssachen aus Tierprodukten? Schau mal auf den Griff deines Bieröffners :-).

    Ich bin kein Freund der Trophäenjagd. Füchse zählen nicht dazu und wenn die Jäger im Siedlungsraum regulierend eingreifen, dann finde ich das gut und notwendig - auch für meine Haus- und Nutztiere.

    Zeig ein bisschen Grösse und verteufle nicht alles!

      chiller336

      ich fang an mit dem was ich trage. hosengürtel - aus rindsleder, eine lederjacke aus - rindsleder, das wärs dann schon. was ich nicht trage: lederschuhe, schon gar keine kracherte, keine lederhandschuhe und bieröffner hab ich keinen, weil ich keinen alkohol trink. und jetzt? was mich daran nervt ist, dass diese tiere - füchse und marder - vollkommen umsonst sterben - steht ja oben, das abbalgen ist viel zu mühsam. also worin besteht dann im endefffekt der sinn? ich erinnere mich an ein foto in einer tageszeitung - ein muldenkipper (!) lädt getötete nerze (aufgrund einer erkrankung in einer "zuchtstation") ab in einen graben. bei sowas kommt mir die galle hoch. und zum thema katzen oder andere haustiere: im vergleich zu getöteten katzen auf der straße ist die menge der durch füchse getöteten haustiere quasi gleich null und auch ein marder fürchtet zb katzen aufs äusserste. also nochmal: welchen sinn hat es, diese -zig und mehr tiere zu töten? für mich ists ganz einfach die lust am ballern, zu zeigen, was man geschossen hat, womit man prahlen kann - zum speiben

      senf

      aber chiller336, jetzt hab dich mal wieder!

      in deinen grunddenken tu ich dir nichts weg, denn auch ich mag füchse. allerdings würd ich nie mehr einen in freier wildbahn streicheln, weil sie auch für den menschen gefährlich sein können, denn sie übertragen doch einige krankheiten. den tückischen fuchsbandwurm z. bsp., gegen den kein kraut gewachsen ist. auch deine noch s o gesunde leber würd ihn nicht überstehen. dein kätzchen macht gern den zwischenwirt, alles weiter ergibt sich. schleichend über jahre - danach ist es zu spät!

      und ja, dem meister reineke hat man um viel lebensraum beraubt, weshalb die listigen tierchen auch in das von uns in macht genommenes territorum eindringen, wo sie von unseren überfluss mitnaschen und etwas zurückholen wollen. so wie der naschbär, der sibirische tiger, der marder und viele andere, der ach so lieben pelzetierchen. es ist nur eine frage der zeit, bis sie - so wie die maikäfer - zur plage werden. dann helfen d i r nur lederhandschuhe, die flinte oder die flucht!

      deinem nächsten posting vorab: ich bin kein weidmann, kritisiere die trophäenjagd und einige schießwütige, gehe aber davon aus, dass die überwiegende mehrheit ihren job gut macht und einiges für das gesellschaftsgefüge leistet. den bambikomplex hab ich vor jahren besiegt!

hoerzuOT

Das Foto von den erlegten Füchsen hat auch vier Jahre später nichts an Schrecken verloren. Mir fällt nur ein Wort dazu ein: ekelhaft.