Walser: „Ein erstaunlich krisenresistenter Bezirk.“

Spitze der Wirtschaftskammer zieht Bilanz und lobt die Osttiroler Betriebe.

„Wir starten 2022 so, wie wir 2021 verlassen haben“, stellte Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser heute, Montag, bei einem Pressegespräch in Lienz fest. Mit der Einleitung seiner Bilanz zum abgelaufenen Jahr spielte er auf die Pandemie an, die die heimische Wirtschaft weiterhin auf Trab hält.

Vor allem der Tourismus und andere Dienstleister mussten massive Einbußen hinnehmen. „40 Prozent der gesamten Wertschöpfung Tirols werden mit wirtschaftsbezogenen Dienstleistungen erzielt, daher ist unser Standort im Bundesländervergleich besonders stark betroffen“, so Walser. Die Pandemie habe in Summe eine entgangene Wertschöpfung von fünf Milliarden Euro verursacht.

Doch Walser scheint erkannt zu haben, dass Tirol nicht nur für und von Tourismus lebt. Der Frächter bricht eine Lanze für die Industrie: „Tirol besteht nicht nur aus Tourismus. Starke Branchen, wie die exportierende Industrie, das Handwerk und Gewerbe sowie die Bauwirtschaft haben sich in der Pandemie als Träger der Konjunktur erwiesen.“ Erstmals sei es gelungen, bei den Exporten die 14-Milliarden-Marke zu überschreiten.

Den Touristiker:innen rät Walser, den Sommertourismus nicht aus den Augen zu verlieren: „Ein positiver Effekt der Pandemie war der starke Sommer. Das ist eine Chance, die man nutzen sollte.“ Man sei gut beraten, das touristische Geschehen nicht auf ein paar Monate im Winter zu reduzieren und solle Arbeitskräfte mit Ganzjahresstellen ansprechen.

Kammerpräsident Christoph Walser und Bezirksobfrau Michaela Hysek Unterweger. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Nicht nur Tirol, auch der Bezirk Lienz schippert nach Ansicht der Kammerspitze gut durch die Coronawellen. „Das produzierende Gewerbe, der Bau und die Industrie haben Osttirol durch die Pandemie getragen. Neben dem Tourismus zählen der stationäre Handel und die persönlichen Dienstleister auch hier zu den Verlierern“, so Bezirkskammerobfrau Michaela Hysek-Unterweger.

Sie sprach zudem die Arbeitslosenquote an, die von 8,8 Prozent im Jahr 2020 auf 6,8 Prozent im Jahr 2021 gesunken ist. Zwischen Juni und September 2021 herrschte im Bezirk Vollbeschäftigung: „Osttirol ist ein erstaunlich krisenresistenter Bezirk. Die Erwerbsquote lag 2020 bei 80,4 Prozent und damit über dem Österreich-Schnitt.“ Problematisch sei weiterhin die Besetzung von Lehrstellen: 2021 gab es in Osttirol zwar 13 Lehrbetriebe mehr als im Vorjahr, dafür aber weniger Lehrlinge.

Als große Herausforderungen der Zukunft nannte Walser den Fachkräftemangel, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und die Digitalisierung. Um diese Aufgaben zu meistern, müsse der Ausbau der Kinder- und Jugendbetreuung vorangetrieben, das steuerfreie Arbeiten von Pensionisten ermöglicht und der Ausbau der Wasserkraft forciert werden. Hysek-Unterweger bekennt sich zu Nachhaltigkeit und Bildung. So wird unter anderem der Uni-Standort Lienz neu ausgerichtet und eine Berufsakademie initiiert. Die Kammerspitze blickt optimistisch in die Zukunft. Walser rechnet mit einem Wirtschaftswachstum „von fünf bis sechs Prozent“. Ein weiterer Lockdown würde diese Zahl halbieren.

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz Journalismus und Public Relations. Er ist Reporter mit Leib und Seele, am liebsten mit Mikrophon und Kamera unterwegs und leitet das Sportressort bei Dolomitenstadt.

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hunter

Uni Standort-Lienz Neu und Berufsakademie ... was wollt ihr noch erfinden wenn kein Interesse der Jugend besteht in Lienz zu studieren??

 
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