„Ich nehme mir die Freiheit, alles auszuprobieren.“

Fanny Zinell ist ein kreativer Freigeist. Sie malt daheim und zeigt sich auf Instagram.

„Irgendwann habe ich mich gefragt, wer ich bin und wo ich hin will. Und obwohl ich diese grundlegenden Fragen noch immer nicht eindeutig beantworten kann, hat mich meine Kunst ein Stück näher an das Leben gebracht“, erzählt Fanny Zinell. Wir sitzen in ihrer Wohnung in Lienz, die auch ihr Atelier ist. Es ist schon einige Jahre her, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Wir haben gemeinsam im Gymnasium die Schulbank gedrückt.

Schon damals war Fanny ein kreativer Freigeist. Schlechte Laune gab es bei ihr nicht. Das ist auch heute noch so. Fanny grinst und die Sonne lacht, während mich die Künstlerin durch ihre „Werkstatt“ führt. Auf den Fensterbänken lagern dutzende Pinsel und Farben in Holzkisten. Auf einer Staffelei ist ein Kunstwerk platziert, das von zwei anderen Werken flankiert wird. Wer sich hier umsieht, merkt schnell: Fanny ist jung, kreativ und mutig.

Ideenschmiede und Kraftplatz – hier malt und werkelt die junge Künstlerin. Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

„Für mich sind die Kunst und das Leben ziemlich stark miteinander verbunden. Das erlaubt mir, Dinge auf eine spielerische Art zu hinterfragen und über den Tellerrand zu blicken“, sagt die 24-Jährige, die einen Bachelorabschluss in Architektur in der Tasche hat. Ihre Bilder wirken verspielt, sind meist bunt, manchmal ästhetisch und hin und wieder auch wild. Manchmal bringt sie auch Botschaften visuell zum Ausdruck – beispielsweise mit Sätzen, wie „Tanz dich frei“, „Das Leben ist schön“ oder „Frieden, Bier und Sonne“. „Ich nehme mir die Freiheit, auf der Leinwand alles auszuprobieren.“

Die Lienzerin habe sich auch immer wieder hinterfragt: „Ich habe mich gefragt, ob es meine Kunst unter Millionen von Werken überhaupt braucht. Mittlerweile glaube ich, dass Kunst für alle da ist.“ Man müsse nicht immer Regeln folgen, nicht alles soll strikt einer Logik zugehören, um zu funktionieren. Fanny malt gerne drauf los und lässt sich überraschen. Die Angst vor leeren Wänden oder falschen Bewegungen hat sie abgelegt: „Es gibt keinen Maßstab dafür, wie gut ich sein muss, um es genießen zu ‚dürfen‘.“

Fanny Zinell treibt es bunt: „Ich nehme mir die Freiheit, alles auszuprobieren.“

Den ersten Pinselstrich setzt sie in ihrem Kopf, bevor sie das Bild auf die Leinwand bringt. Das erklärt, wieso in ihrer Wohnung kaum Skizzen herumliegen. „Ich klatsche meist irgendeine Farbe einfach mal auf die Leinwand“, lacht Fanny. „Funktioniert manchmal auf Anhieb und manchmal male ich gefühlt hundert Mal über die Leinwand.“ Während ihre Hand über die Leinen gleitet, denkt Fanny darüber nach, was die Menschen so treiben und was sie dazu treibt. „Kunst muss eigentlich gar nichts, kann aber viel hinterfragen.“ Ihr gibt die Kunst den Mut, sich selbst zu öffnen: „Verletzlichkeit kann auch etwas unfassbar Gutes sein.“ In ihren Bildern stecke oft der kleine Wunsch, „etwas Magisches zu erfinden und eine Welt greifbar zu machen, die oft schwer zugänglich ist“, sagt Fanny, während sie durch ihr Wohnzimmer schlendert.

Ein besonderes Projekt hat die Lienzerin aber nicht auf Leinwand, sondern auf Baumwolle umgesetzt. „Mir gefiel der Gedanke, dass ein paar Leute an manchen Tagen aufstehen und ein T-Shirt mit meinem Design anziehen“, schmunzelt Fanny. Sie hebt einen Karton auf den Tisch und kramt einen Stapel grauer T-Shirts hervor. Auf der Brust ist ein Kanute zu sehen, hinter ihm die Berge und die Sonne. „Take it Isel“ steht darüber. Die 24-Jährige verbringt viel Zeit am und im Gletscherfluss. Auch die Rückseite der Shirts ist eine Hommage an den wilden Fluss. „Ich finde es so schön, dass die Kunst keine Grenzen oder vorbestimmte Medien hat. Sie findet überall statt. Überall dort, wo wir sie sehen wollen.“

Drei Kanuten in den Wellen des Gletscherflusses. Auf ihre „Take it Isel“-Shirts ist Fanny besonders stolz.

Den Pinsel wird Fanny weiterhin schwingen, mit ihrer Kunst hat sie noch einiges vor. Noch zeigt sie ihre Bilder auf Instagram, „aber irgendwann möchte ich die Möglichkeit bekommen, meine Bilder auszustellen. Ich finde, ein Bildschirm schafft es nicht, das Essenzielle zu vermitteln.“

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz Journalismus und Public Relations. Er ist Reporter mit Leib und Seele, am liebsten mit Mikrophon und Kamera unterwegs und leitet das Sportressort bei Dolomitenstadt.

Ein Posting

Claudia Moser

"Verletzlichkeit kann auch etwas unfassbar Gutes sein". Was für schöne Aussage! DANKE.

 
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