Sind olympische Winterspiele in den Alpen nachhaltig?

Die CIPRA klagt über Großbauten in Cortina – Kärnten überlegt eine Bewerbung.

Spätestens seit der Diskussion über dritte olympische Winterspiele in Innsbruck klingeln bei Umweltorganisationen und Verfechtern nachhaltiger, halbwegs klimaneutraler Tourismusentwicklung die Alarmglocken, wenn Politiker und Sport-Lobbyisten von einer derartigen Großveranstaltung in den Alpen träumen. In Cortina wird dieser Traum 2026 wahr und könnte – so ist die Einschätzung der CIPRA – auch zum Albtraum werden. Die Organisation, die sich dem Schutz alpiner Lebensräume verschrieben hat, sieht auch vor dem Hintergrund der Spiele in Peking alle vollmundigen Versprechungen des IOC zu Worthülsen verkommen.

Gigantismus, Umweltschäden, unkalkulierbare Kosten und das Diktat des allmächtigen Kommitees – alles bleibe wie gehabt. In einem offenen Brief und einem Statement forderte die CIPRA nun das IOC und das italienische Olympische Komitee dazu auf, die Pläne für die Winterspiele 2026 zu überdenken. „Mit der Agenda 2020 wollte sich das Internationale Olympische Komitee um mehr Transparenz und Nachhaltigkeit bemühen: Es solle keine Bauruinen und öffentliche Schulden mehr geben, so das Versprechen. Die tatsächlichen Pläne für die Winterspiele 2026 zeichnen ein anderes Bild“, beklagt die CIPRA und bringt als Beispiel den geplanten Bau einer neuen Bobbahn in Cortina um 60 Millionen Euro, „obwohl es kostengünstigere und umweltschonendere Alternativen gäbe – beispielsweise die Austragung einzelner Bewerbe im Eiskanal von Innsbruck-Igls“.

Knapp 40 Heimat- und Umweltschutzgruppierungen gingen bereits im Herbst 2021 in Cortina und im Pustertal auf die Straße. Sie kritisieren den geplanten Bau zu vieler Gebäude und Infrastrukturen, die nur für kurze Zeit genutzt würden – inmitten der UNESCO-Welterberegion der Dolomiten. Vanda Bonardo, Präsidentin von CIPRA Italien meint dazu: „Wenn die Art und Weise, wie die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden, nicht drastisch überdacht wird – angefangen bei der Infrastruktur, die direkt oder indirekt mit den Spielen zu tun hat – sollte der Alpenraum nie wieder als Austragungsort für solche Veranstaltungen in Betracht gezogen werden.“

Landeshauptmann Peter Kaiser bringt Kärnten für eine Olympiabewerbung in Stellung. Foto: Expa

Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) teilt diese Bedenken offenbar nicht. Er kann sich eine gemeinsame Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2034 mit Friaul und Slowenien vorstellen. Einen entsprechenden Bericht des ORF Kärnten bestätigte der APA am Freitag das Büro des Landeshauptmanns. Eine Neuauflage von „Senza Confini“, als Kärnten sich Ende der 1990er-Jahre mit Friaul und Slowenien für die Olympischen Winterspiele 2006 bewarb, sei vorstellbar.

Allerdings müsse man zum Grundgedanken der Olympischen Spiele zurückkehren, meint der Kärntner Landeshauptmann, der im Grunde die schon bisher gemachten – und in Cortina nicht eingehaltenen – Versprechungen wiederholt: „Wenn das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf Nachhaltigkeit, auf die Ursprungsidee von Coubertin zurückgeht, dass man Spiele macht, die Menschen verbinden, dass man auch mit Rücksicht auf Enkelverantwortlichkeit die Natur unbeschädigt lässt, dass man nur bereits vorhandene Sportstätten adaptiert“ – dann könne er sich eine gemeinsame Bewerbung vorstellen, so Kaiser, der zugleich die „Gigantomanie“ und die artifiziellen Spielstätten bei den am Freitag eröffneten Winterspielen in Peking kritisierte.

Da die nächsten Winterspiele in Europa stattfinden und turnusmäßig danach wieder nicht-europäische Länder ausgewählt werden, wäre 2034 der frühestmögliche Bewerbungstermin. Daher müssten dies andere entscheiden, so Kaiser. Wenn es um nachhaltige Spiele ginge, seien die Weichen jedoch bereits gestellt.

Als mögliche Spielstätten nennt Kaiser die Alpenarena Villach, die sich gemeinsam mit Planica in Slowenien für die nordischen Bewerbe anbietet, oder etwa Bad Kleinkirchheim und Tarvis, wo die alpinen Bewerbe stattfinden könnten. Weiters die Eissportzentren in Klagenfurt und Villach, die gerade ausgebaut würden. Am Weissensee gebe es FIS-homologierte Technikstrecken, der ÖSV trainiere dort. Eine Weltcup-taugliche Strecke für Snowboard gebe es auf der Simonhöhe. Und Biathlon wäre in der Villacher Alpen Arena mit der Installierung einer Anlage auch möglich.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe und Kommunikationswissenschafter arbeitete Jahrzehnte als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Lienz zurückkehrte und dort 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief.

8 Postings

hunter

Am BESTEN ist nichts zu tun bzw. verändern und sich für ja kein größeres Ereignis zu bewerben ... so sind wir nachhaltig und biologisch (Stichwort Greenwashing) ... übrigens haben österreichische Unternehmen sehr sehr gut verdient mit Olympischen Spielen, auch in Peking ... (und diese Firmen sind alle nachhaltig und biologisch)

 
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senf

Titel: Sind olympische Winterspiele in den Alpen nachhaltig?

Kann mir jemand erklären, was mit diesem Titel gemeint ist? Mit dem Abgedroschenen Wort "Nachhaltig", das immer und überall zur Rechtfertigung, Entschuldung oder Begründung herhalten muss oder sollte, kann ich und wahrscheinliche auch viele überhaupt nichts anfangen.

Dieser Begriff stammt aus dem Forstgesetzt und man hat damit gemeint, dass aus dem Wald jährlich nur Holz in der Menge entnommen werden darf, wie im selben Zeitraum auch wieder nachwächst. Und das lässt sich ja wohl berechnen! Logisch!

Olympische Sommer- oder Winterspiele sollten sich wieder auf den Erfindergeist beschränken und man sollte sie an geeigneten Plätzen über Regionen durchführen.

Wem nützen die batzigen Eröffnungsspektakel etwas, oder Anlagen, die nachher verrotten (Sarajevo ...)?

 
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Edi1913

Nur wenn es wieder kleiner auch geht. Was macht ein Städtchen wie Ibk. danach mit 5 Eishallen mit jeweils 10.000+ Zuschauerplätzen?

 
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MagdaLe

Die Winterspiele sind in Zukunft vermutlich eh nur mehr in bestimmten Breitengraden durchzuführen. Spätestens in den 2050er-Jahren sind die meisten Orte in Europa klimatisch gesehen "nicht zuverlässig" genug, um Winterspiele austragen zu können. https://www.meinbezirk.at/tirol/c-sport/klimawandel-bedroht-moeglichkeiten-fuer-olympische-winterspiele_a5116471

In den letzten Jahrzehnten galt bei sämtlichen solcher Großveranstaltungen "immer größer, immer pompöser". Und spätestens nach der Vergabe an China sind die Olympischen Spiele ohnehin hinterfragenswert. Diktatur, Umerziehung und Mord an den Uiguren, Unterdrückung Andersdenkender - die Liste ist lang.

 
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beobachter52

Wenn ich Cortina vor 2, 3, Jahren in Erinnerung habe: Ein nur in der Hochsaison belebter Ort mit verfallenen Hotels, leerstehenden Geschäften, unzumutbaren Straßenverhältnissen und alten Liften. Cortina lebte nur noch von seinem Namen und der herrlichen Bergkulisse. Nach der Zusage zur Alpinen WM und den Olympischen Spielen geht ein Ruck durch den Ort! Überall wird gebaut, renoviert, alte, ehrwürdige Hotels entstehen in zeitgemäßem Glanz, die Straßen werden saniert, neue Liftge gebaut, alte erneuert! Der Ort lebt wieder, hat "die Kurve gekratzt"! Dass man bestehende Sportstätten (Antholz, Toblach, vielleicht auch Igls, ...) nutzt, ist ein weiterer positiver Aspekt!

 
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Kiew

Leider hat der Gigantomanismus Einzug gehalten. Dazu kommt die vielfach in Frage gekommmene Vergabemethode. Die Leidtragenden sind die Masse der Sportler und die Einheimischen. Zuschauer werden von oben bestimmt oder können sich die Preise nicht leisten. Ich glaube nicht, dass das der olympischen Idee entspricht!

 
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    bergfex

    Wäre schon interessant wer bei der Vergabe an China beide Augen zugehalten und die beide Hände aufgehalten hat.

     
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      Kiew

      Vor allem die Hände!

       
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