Wahlen in Tirol ohne klaren politischen Trend

Kein ÖVP-Sieg in Platters Heimatgemeinde Zams, MFG in 47 Gemeinderäten vertreten.

Die Tiroler Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen sind geschlagen und lassen einen Schluss zu: Es ist kein klarer, allgemeiner politischer Trend ersichtlich. Die auf Landesebene regierende ÖVP kann sich – trotz einiger herber Enttäuschungen – als „Bürgermeisterpartei“ großteils behaupten, die impf- und maßnahmenkritische MFG zieht dort, wo sie angetreten ist, fast überall in die Ortsparlamente ein, ein berauschendes Ergebnis kann die Partei trotzdem nicht verzeichnen.

Die Wahlbeteiligung betrug 66,33 Prozent und lag damit unter dem Wert der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen von 2016, damals waren es 71,42 Prozent. Die höchste Wahlbeteiligung verzeichnete die Gemeinde Fendels (Bezirk Landeck) mit 95,65 Prozent. In Osttirol schritten in St. Johann im Walde am meisten Wähler:innen zur Wahlurne (88,21 Prozent), am wenigsten Wahlberechtigte machten sich in Virgen auf den Weg zum Wahllokal (46,88 Prozent).

Die ÖVP sammelte die größten Pluspunkte in der Stadt Wörgl, wo man die amtierende SPÖ-Bürgermeisterin Hedi Wechner dezimierte und mit einem Kandidaten als Favorit in die Stichwahl geht. In Mils bei Hall gelang es dem ÖVP-Kandidaten den NEOS den Bürgermeistersitz abzujagen. Gleichzeitig gibt es auch schwarze Schlappen, beispielsweise in der zweitgrößten Stadt des Landes, Kufstein, in der man erneut unter ferner liefen blieb. Grundsätzlich bleiben die größeren Städte weiterhin eine Problemzone für die Volkspartei, auch wenn man in Telfs, Kitzbühel und Landeck die jeweiligen Amtsinhaber bereits im ersten Anlauf über die Ziellinie brachte.

Schmerzhaft ist wohl der Verlust des schwarzen Bürgermeistes ausgerechnet in der Günther Platter-Heimatgemeinde Zams an die SPÖ, wenngleich dort schon einmal ein roter Bürgermeister regiert hatte. In Imst, Schwaz und Hall müssen sich drei ÖVP-Kandidaten der Stichwahl stellen. Insgesamt war das Bürgermeister-Rennen in 31 Gemeinden noch offen. Dort kommt es am Sonntag, den 13. März zur Stichwahl.

Auch für die SPÖ ist es eine gemischte Bilanz. Neben Highlights in Schwaz, Zams, Lienz und Zirl, setzte es auch Enttäuschungen, unter anderem in Wörgl und Kirchberg. NEOS-Erfolge waren indes nicht nur in Kufstein – wo die pinke Kandidatin Birgit Obermüller in die Stichwahl zieht, sondern auch in Telfs zu verzeichnen: In der drittgrößten Stadt Tirols erzielte die Partei auf Anhieb knapp 20 Prozent der Stimmen. Dass dem einzigen pinken Bürgermeister Markus Moser in Mils bei Imst nur wenige Stimmen zum Wahlsieg fehlten, und er den Bürgermeistersessel an den ÖVP-nahen Bernhard Schöpf abtreten musste, trübte aber den Wahlsonntag aus pinker Sicht.

Auch die FPÖ blickte wohl mit einem freudigen und einem weinenden Auge auf die Wahlergebnisse. Obwohl das Ziel von hundert Gemeinderäten wohl gehalten wurde, mussten die Freiheitlichen Verluste vor allem in Städten und Gemeinden über 5.000 Einwohnern und Ortschaften, in denen die MFG kandidierte, verzeichnen. Auch in der einstigen Hochburg Kufstein blieb man chancenlos. In Reutte wird man indes erstmals in den Gemeinderat einziehen.

Die Grünen legten in vielen Gemeinden zu, konnten teilweise eine Verdoppelung der Mandate verzeichnen. Ein grüner Bürgermeister außerhalb Innsbrucks lässt aber weiter auf sich warten. Das grüne Scheinwerferlicht war auf Fieberbrunn (Bezirk Kitzbühel) gerichtet, wo die Partei aus dem Stand zur stimmenstärksten Partei wurde.

Die impf- und maßnahmenkritische MFG wird indes in die meisten Gemeindestuben einziehen, für die die Partei eine Liste aufstellte – konkret in 47 von 50. Man scheiterte lediglich in den drei Schwazer Gemeinden Eben am Achensee, Fügen und Mayrhofen. In Kufstein wurde die Liste drittstärkste Kraft. Weniger erfolgreich schnitten am Wahlsonntag indes die 22 MFG-Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten ab. Keiner von ihnen erzielte eine Mehrheit oder zog in eine Stichwahl.

2 Postings

spitzeFeder

Zitat @Der Graukofler: "Bezeichnend für mich ist auch, dass nur wenige deklarierte ÖVP Ortschefs unter dem Listennamen ÖVP angetreten sind." Zitatende. You nailed it. Bei Harry Potter hieß es "der dessen Name nicht genannt werden darf" und in der Realsatire heißt es "nur nicht ÖVP, nennt euch irgendwie anders" Ohhh wehhh

 
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Der Graukofler

Ich erkenne schon einen politischen Trend, nämlich weg von der ÖVP. Da kann man nichts schönreden und nichts deuteln. Die Anzahl der Bürgermeister ist ein Parameter. Wesentlich sind aber auch die Verluste der Stimmen innerhalb der ÖVP Listen. Bezeichnend für mich ist auch, dass nur wenige deklarierte ÖVP Ortschefs unter dem Listennamen ÖVP angetreten sind. Das müsste Herrn Platter zu denken geben. Wenn keine gravierende Änderung innerhalb der ÖVP auf Landes- bzw. Bundesebene stattfindet, dann wird die Fahrt wohl weiter bergab gehen.

 
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