Im Bild v.l.: Itta Tenschert, Leiterin des FBZ Lienz, mit den Dolmetscherinnen Haneen Alsaleh, Liza Maskhudova, Mina Saiedi, Neslihan Tozar und FBZ-Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin Katrin Mitterdorfer. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Huber

Im Bild v.l.: Itta Tenschert, Leiterin des FBZ Lienz, mit den Dolmetscherinnen Haneen Alsaleh, Liza Maskhudova, Mina Saiedi, Neslihan Tozar und FBZ-Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin Katrin Mitterdorfer. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Huber

Lienzer Laiendolmetscherinnen bauen Brücken

Im FBZ Lienz werden Beratungen auf Arabisch, Russisch, Türkisch, Farsi und Dari übersetzt.

„Ich möchte nicht, dass eine Frau das Gefühl hat, dass sie alleine dasteht. Ich möchte anderen Frauen zeigen, dass sie zu mehr fähig sind, als sie vielleicht glauben und dass sie in der Gesellschaft wichtig sind“, beschreibt Haneen Alsaleh ihre Beweggründe, sich als Laiendolmetscherin im Frauenberufszentrum in Lienz zur Verfügung zu stellen. Sie versteht sich als „Brückenbauerin“, um es anderen Frauen zu ermöglichen, sich zu integrieren.

So wie Haneen Alsaleh haben sich noch drei weitere Frauen gefunden, die den Beraterinnen des Frauenberufszentrums als Übersetzerinnen zur Seite stehen. So soll es Frauen, die noch sehr wenig Deutsch sprechen, ermöglicht werden, ihre Anliegen unmittelbar auszudrücken. Alsaleh übersetzt ins und aus dem Arabischen, Neslihan Tozar die türkische Sprache, Liza Maskhudova leistet die Übersetzung für russischsprachige Klientinnen und Mina Saiedi unterstützt das Team als Freiwillige für die Sprachen Dari und Farsi.

Alle vier Dolmetscherinnen haben schon im Vorfeld oft Übersetzungsarbeit für ihre Mitmenschen geleistet, erzählen sie.

Die vier Frauen wurden im Rahmen des österreichweiten Projektes „Etablierung von Dolmetscherinnen-Pools in Frauen- und Mädchenberatungsstellen“ ausgebildet. 18 Frauenberatungsstellen arbeiten bei diesem Projekt zusammen, österreichweit wurden 72 Laiendolmetscherinnen für die Tätigkeit ausgebildet. Die Finanzierung erfolgt über den Österreichischen Integrationsfond. „Im Rahmen der Ausbildung wurden den Frauen die Ziele und Werte der Frauenberatungseinrichtungen vermittelt, sie wurden hinsichtlich der Verschwiegenheitspflicht, ihrer Verantwortung, der Zusammenarbeit mit der Beraterin und Interkulturalität sensibilisiert und in ihre Rolle, Aufgaben und Arbeitsweise als Dolmetscherin eingeführt“, erklärt Katrin Mitterdorfer, Mitarbeiterin des FBZ und Projektkoordinatorin.

„Es war gar nicht so leicht, sich auf die Sprachen festzulegen, für die wir Übersetzerinnen anbieten“, erklärt Itta Tenschert, Leiterin des FBZ Lienz. „Im letzten Jahr zählten wir bei unseren Beratungen Frauen aus 24 verschiedenen Ländern. Manchmal ist es nur eine Klientin aus einem Land bzw. mit einer Sprache. Wir haben versucht, die in den letzten Jahren am häufigsten benötigten Sprachen herauszufiltern“, so Tenschert.

Alle vier Lienzer Übersetzerinnen bringen bereits Erfahrungen in diesem Bereich mit. Liza Maskhudova lebt seit 17 Jahren in Österreich und hat schon in der Vergangenheit russischsprachige Menschen bei ihren Amtsgängen oder Arztbesuchen unterstützt. Neslihan Tozar ist mit den Sprachen Türkisch und Deutsch aufgewachsen, da sie Deutsch irgendwann besser konnte als ihre Eltern, hat sie für diese übersetzt. Mina Saiedi ist Profi auf dem Gebiet des Übersetzens, im Iran war sie als Englisch-Dolmetscherin tätig.

Neslihan Tozar und Haneen Alsaleh freuen sich nicht nur, dass sie mit ihren Sprachkenntnissen andere Frauen unterstützen können, sie wollen ihre Fähigkeiten außerdem im Rahmen eines Studiums ausbauen.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit haben die Damen selbst neue Perspektiven für sich entdeckt: „Als ich die Broschüre für das Berufszentrum ins Russische übersetzt habe, bin ich draufgekommen, das ist genau meins“, erzählt Liza Maskhudova. Ähnlich ist es Neslihan Tozar ergangen: Sie wird aufgrund ihrer Tätigkeit für das FBZ im Herbst ein Studium zur Transkulturellen Kommunikation beginnen und im Anschluss den Master machen, um später als Übersetzerin zu arbeiten: „Ich bin durch das Projekt draufgekommen, wie wertvoll es ist, wenn man mehrere Sprachen spricht“, so Tozar. „Ich fange auch ein Studium an“, schmunzelt daraufhin Haneen Alsaleh, bei ihr wird es ein Jus-Studium sein. Das helfe ihr, später auch bei Gerichtsterminen oder bei der Polizei Übersetzungsarbeit leisten zu können.

„Unsere Dolmetscherinnen sind nicht an das FBZ gebunden, sie können auch von anderen sozialen Einrichtungen oder Firmen über uns angefragt werden, wenn sie Hilfe bei einer Übersetzung brauchen oder einen Text in eine der Sprachen übersetzen lassen wollen“, erklärt Tenschert. Bis Anfang März wird die Tätigkeit der Übersetzerinnen noch über den ÖIF abgegolten, im Anschluss müsse sich das FBZ selbst um die Finanzierung kümmern. Weiterführen wolle man das Projekt auf jeden Fall und so wird es den Dolmetscherinnen gelingen, weiterhin Brücken zu anderen Frauen zu bauen.

Anna Maria Huber studiert in Innsbruck, schreibt nicht nur für dolomitenstadt.at sondern auch für die Straßenzeitung 20er betreut unser Redaktionsbüro in der Landeshauptstadt. Annas Stärken sind penible Recherchen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in klare und verständliche Artikel zu verwandeln.

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iseline

Brücken bauen ist immer gut! Danke an die engagierten Frauen !

 
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