Tourismus lässt Tiroler Arbeitsmarkt aufatmen

Im Jahresvergleich ist die Arbeitslosigkeit im Februar um 59,3 Prozent gesunken.

Vor einem Jahr ist die Arbeitslosigkeit in Tirol erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder unter die 40.000er Marke gesunken. Wie das Arbeitsmarktservice (AMS) mitteilt, befindet sich der Arbeitsmarkt nun beinahe wieder auf Vorkrisenniveau. Großen Anteil hatte demnach der Tourismus. Nach dem Totalausfall 2020/21 entwickelte sich die heurige Wintersaison vor allem im Endspurt positiv.

Mit Stichtag 28. Februar waren in Tirol 15.674 Personen arbeitslos. Im Vergleich zum Februar 2021 sind das um 22.797 Menschen weniger, was wiederum einem Rückgang von 59,3 Prozent entspricht. Im Februar 2020 – also vor der Corona-Krise – zählte man 15.307 Arbeitslose. Österreichweit betrug der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Februar 30,7 Prozent, im Bezirk Lienz 52,9 Prozent. 1.278 Personen waren mit 28. Februar beim AMS Lienz als arbeitslos vorgemerkt.

Im Februar wurde in Tirol ein Rückgang über alle Branchen verzeichnet. Nach dem Ausfall der Wintersaison 2020/21 ging die Arbeitslosigkeit in der Beherbergung und Gastronomie im Vergleich zum Vorjahr um 90,1 Prozent auf 1.430 Personen zurück und liegt wieder auf Vorkrisenniveau. Den zweitstärksten Rückgang verzeichnete der Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit minus 65,4 Prozent. Bei den Langzeitarbeitslosen ist im Vorjahresvergleich ein Rückgang um 34,2 Prozent auf 1.480 Personen zu verzeichnen. 62,2 Prozent davon sind älter als 50 Jahre.

Ende Februar waren beim AMS Tirol insgesamt 9.758 offene Stellen zur sofortigen Besetzung gemeldet. „Damit liegen wir weiter auf Rekordniveau“, lässt Lercher wissen. Die Dynamik am Stellenmarkt sei weiterhin sehr hoch. Derzeit stehen in Tirol 304 sofort verfügbare Lehrstellensuchende 1.335 entsprechenden Lehrstellen gegenüber. Das sind um 870 Jobs mehr als noch vor einem Jahr.

Die Öffnung von Hotellerie und Gastronomie ließ die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich deutlich sinken. Foto: Unsplash/Taylor Davidson

Mittlerweile hat sich auch die Frauenarbeitslosigkeit, die während der Krisenmonate Sorgen bereitet hat, auf Vorkrisenniveau eingependelt. Sie liegt mit einer Quote von 3,1 Prozent aktuell auch deutlich unter jener der Männer in Tirol. Auch hier greifen die saisonalen Effekte – viele Frauen arbeiten in den Bereichen Gastronomie und Dienstleistung. „Die nach wie vor großen Unterschiede und Problematiken für Frauen am Arbeitsmarkt liegen weniger im Bereich der vorgemerkten Arbeitslosen, sondern finden sich strukturell in Form der hohen Einkommensunterschiede und der hohen Teilzeitquote“, erklärt AMS-Landesgeschäftsführer Alfred Lercher.

Für ihn stellt sich die Arbeitsmarktsituation derzeit „so chancenreich wie noch nie“ dar. Von den bevorstehenden, großen Öffnungsschritten ab 5. März erwartet man sich weitere positive Auswirkungen. „Mit den weiteren Lockerungen sollte sich der positive Trend am Arbeitsmarkt sowohl im Tourismus, als auch im Handel weiter fortsetzen. Trotzdem ist mir jede und jeder Arbeitslose einer zuviel“, betont Landeshauptmann Günther Platter in einer Aussendung.

Der Arbeitsmarkt richte sich nach der Erholung wieder neu aus. Das AMS legt den Fokus „auf die große Herausforderung der Wirtschaft, passendes Personal zu finden und den Fachkräftebedarf zu organisieren.“ Gelingen soll das mit schneller Vermittlung und Schulungsoffensiven. Wie Arbeits- und Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) erklärt, möchte das Land Arbeitslosen eine Zukunftsperspektive aufzeigen. Palfrader führt die Fachkräfteoffensive und neue Bildungsangebote an.

10 Postings

leiWEITERso

Dolofaxe dürfte untertreiben. Kleines Beispiel aus der Praxis gefällig? Von einem mir gut bekannten Unternehmer wurde mir folgendes berichtet: Er hatte vor wenigen Wochen ein Vorstellungsgespräch mit einem Pärchen, sie Kellnerin, er Koch. Die Gehaltsvorstellungen lägen für eine 5 Tage Woche, 40 Stunden bei € 1.800, - für die Kellnerin, bei € 2.000, - für den Koch. So weit so gut. Dazu kommt, dass das Pärchen auch in der Hochsaison jedes zweite Wochenende frei haben möchte. Nun, in Zeiten wie diesen keinesfalls mehr ungewöhnlich, die Bedingungen stellt heutzutage der Mitarbeiter, das kennt man inzwischen aus so gut wie allen Branchen. Dann erklärte ihm aber die junge Dame, dass Sie geringfügig (!) beschäftigt sein wolle, da sie derzeit noch in Karenz sei und das darüberhinausgehende Geld möchte sie „SCHWARZ“ ausbezahlt haben. In dem Betrieb, in dem sie derzeit arbeite, bekomme sie Schwarzgeld und wäre das ihre Bedingung. Auf Hinweis meines Bekannten, dass Schwarzgeldzahlung ein schweres Vergehen sei, äußerte sie sich dahingehend, dass sie keinerlei Probleme hätte ihren derzeitigen Arbeitgeber in Schwierigkeiten zu bringen, das wäre ja nicht ihr Problem. Da es in dieser Diskussion um Entlohnung in der Gastrobranche geht, zuletzt anhand dieses Beispiels die Einkommensvorstellung dieses Pärchens: die Beiden kämen mit Sonderzahlungen, Trinkgeld und zusätzlich noch dem Karenzgeld samt Kinderbeihilfe auf über € 6.500, - im Monat. Trinkgeld habe ich in Höhe von € 500,-/Monat einkalkuliert…! Das sind leider die Auswüchse des gravierenden Personalnotstandes in der Gastronomie. Die Pflege wird folgen…!

 
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    senf

    da hast du dir ja eine schöne geschichte auftischen lassen. natürlich gibt es schwarze schafe, dafür aber kaum noch schwarzgeld. die bösen regisitrierkassen ... und auf den ersten moment kam in mir sogar ein wenig zornesröte auf, aber deine erzählung scheint doch eher eine lego-bastelei zu sein.

    bitte analysiere für uns: kinderanzahl des pärchens mit beihilfenhöhe jährlich, trinkgeld er & sie oder nur sie, ganzjahresbeschäftigung für beide, karenzgeld der mutti. und dann erklär uns bitte, ob du im falle des schwarzgeldanteiles im betrag auch zwei sonderzahlungen einkalkuliert hast. wenn ja, dann wärs wirklich sonderbar.

    nicht gut finde ich von dir die aufrechnung des kindergeldes, denn das ist ja ein beitrag an/für die kinder und keine lohn. nicht gut finde ich auch zu behaupten, dass diese methode des schwarzgeldes bereits angewendet wird. falls ja, dann erinnere ich mich gerne an den spruch eines sozialdemokraten "sozialdemokratie ist gut, nur die leute sind schlecht". man hört ja allzu oft "bist blöd, i werd doch den staat nichts schenken, die da oben haben ja das geld"

    und wenn sie oder der ihnen bekannte unternehmer zuvilcourage haben, dann rechercheren sie und melden die angelegenheit der behörde. das wär sogar ihre pflicht als ordentlicher staatsbürger!

     
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dolofaxe

@spitzefeder - sie haben anscheinend keine Ahnung wie es in der Praxis aussieht. Ich vermute dass sie ihr Statement an KV Löhne stützen. Im Tourismus werden aktuell im Service und Küchenbereich für 5 Tage 40 Stunden AB 1.900,- netto (x14) mit Praxis über 2.000,- gezahlt, plus Trinkgeld (bis über 1.000,-/Monat) plus Verpflegung und teilweise plus Unterkunft. Zimmermädchen ab 1.700,-! Prekär und ersticken habe ich nicht ganz verstanden aber wie hoch ist dann bitte in den anderen Branchen der Verdienst um sich eine normale Wohnung leisten zu können?

 
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    senf

    dolofaxe, mag schon sein, dass ihre genannten Bezüge zutreffen. allerdings glaube ich nur bei den wenigsten. soweit mir bekannt liegt das nettogehalt im servicebereich etwa zwischen 1.300 und 1.500 € und das mit dem trinkgeld halte ich für einen scherz. nicht jede/r ist auch zahlkellner/in, ausserdem bekommt davon das küchenpersonal wohl am wenigsten.

    ich zähle die führung eines gastgewerbe zu den schwierigsten unternehmen, weil die umsätze wetter-, urlaubsbedingt usw. schwanken und auch die personalkräfte nich überall 1/1 beschäftigt werden können. durchgehende beschäftigungsmöglichkeit mag zwar auf größere oder ganzjahresbetriebe zutreffen, nicht aber auf die vielen kleinen entlang von pisten, wanderwege und auch ausflugsorten. bei teilbeschäftigungen kommt noch dazu, dass täglich vielerorts auch enorme wegzeiten anfallen. die zeiten der saisonsgeher mit 70 bis 90 stundenwochen mit vermeintlich viel kohle am heimweg sind längst vorbei, aber auch die, in denen man das personal ohne lohnzettel bezahlte.

    ich finde, das beide teile zufriedenstellende dienstverträge eingehen und sich dann auch danach halten. dann kann z. bsp. ein zimmermädchen flexibel sein und auch für andere aufgaben in ihrer arbeitszeit eingesetzt werden.

    betriebe, wo das nicht so hinhaut erkennt man in den medien durch ihre dauersuche nach personal.

     
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    Chronos

    @dolofaxe, Küchen- u. Servicepersonal - Jahresstelle 40h/5T monatl. 1.900 - 2.000,-netto/Monat plus bis 1.000,-/M Trinkgeld plus freie Unterkunft u. Verpflegung. Dh. mind. 2.900-3.000,-/netto/Monat. 14x Top!!!

    Bitte @dolofaxe, geben Sie mir schnell die TelNrn. von diesen Tourismus - Betrieben. Unter diesen Bedingungen stelle ich mein Studium und Nebenjob oder zumind. meinen Nebenjob (andere Branche) vorerst auf Eis...

     
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    Bergtirol1

    @dolofaxe.. "Zimmermädchen ab 1700 Euro netto"... Also bei allem Respekt das ist sehr weit hergeholt! Die allermeisten bewegen sich so um 1400 bis 1500 netto auf Vollzeitbasis und da muss man schon zufrieden sein. Aber abgesehen vom Lohn ist Ihnen wahrscheinlich die "körperliche Arbeit" eines Zimmermädchen nicht bewusst oder Sie verdrängen sie mit Absicht!? Denn wenn ein Zimmermädchen einen ganzen Stock mit bis zu 20 Zimmer!! täglich alleine bewerkstelligen muss ist das in meinen Augen kein gutes Preis--Leistung verhältniss. Alles was in jedem Hotel von Jahr zu Jahr teurer wird ist der Urlaub an sich - - - nur schade das das Geld immer nur in das Hotel fließt und das Personal gefuehlt ewig das gleiche verdient...

     
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spitzeFeder

Tourismus lässt Arbeitsmarkt aufatmen und Beschäftigte in den Betrieben ersticken. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit grenzwertigen Entlohnungen - thats it.

 
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    wolf_c

    Die Entlohnung paßt schon, es ist bloß unmöglich sich damit eine 'normale' Wohnung zu leisten.

     
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      Ceterum censeo

      @wolf_c: Erklären Sie mir bitte den Begriff "normale" Wohnung?

       
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      wolf_c

      KatA,m²40+/- Person(persönlich würde ich m²16 bevorzugen),LAGE und im Gegensatz dazu die Armutsgefährdungsgrenze von ca€1400/Monat/1Person

      und das eigentliche Problem sind jedoch die Verkehrskosten

       
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