Quantentechnologie: Testlabor startet in Villach

Uni Innsbruck und Joanneum Research kooperieren unter dem Dach von Infineon.

Ein neues Testlabor zu Quantencomputern, einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, ist jetzt bei Infineon Villach in Betrieb gegangen. Mit „OptoQuant“, einem gemeinsamen Projekt mit der Universität Innsbruck und Joanneum Research, sollen entscheidende Schritte bei der Entwicklung eines Quantenrechners gesetzt werden, sagten die Verantwortlichen am Dienstag bei einem Pressegespräch.

„Die Quantentechnologie hat das absolute Potenzial, völlig disruptiv zu wirken“, erklärte Infineon-CEO Sabine Herlitschka. In diesem Zusammenhang ist auch die Rede von einer „Gamechanger-Technologie“, mit der bisher ungelöste Aufgaben gelöst werden sollen. Das klingt noch harmlos im Vergleich zu dem Titel, den eine aktuelle McKinsey-Studie zu Quantencomputern trägt – darin ist sogar die Rede von der Rettung der Welt. Ein Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes könnte mit Hilfe von Quantencomputern eingespart werden. Die Zeit läuft, vor allem zwischen Europa, Nordamerika und China ist ein regelrechtes Rennen rund um die Quantentechnologie gestartet, und bis zum Jahr 2026 könnte der erste Quantencomputer am Markt sein: „Das ist fast morgen“, so Herlitschka.

Im Infineon Quanten-Labor v.l.n.r.: Philipp Schindler (Quantenforscher Universität Innsbruck), Sabine Herlitschka (Vorstandsvorsitzende Infineon Austria), Heinz Mayer (Geschäftsführer Joanneum Research), Henrietta Egerth (Geschäftsfüherin FFG). Foto: Infineon

Im Wesentlichen gehe es bei der Technologie darum, dass Rechenschritte parallelisiert stattfinden können, und nicht mehr hintereinander, wie bei klassischen Computern. Das werde bei den großen Herausforderungen der Zukunft und damit verbunden mit immer komplexeren Aufgaben auch nötig sein. Die Anwendungsgebiete seien vielfältig: Abhörsicherer Informationsaustausch oder noch genauere Navis, was vor allem für Autonomes Fahren entscheidend ist, seien nur zwei Gebiete, erklärte Henrietta Egerth von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG: „Bis ein Impfstoff auf den Markt kommt, gibt es präklinische Phasen, die jetzt mehrere Monate dauern. Mit Quantencomputern würde es gelingen, Moleküldatenbanken in wenigen Wochen zu durchsuchen.“ Weitere Gebiete seien die Logistik oder die Einspeisung von Strom, der auf Photovoltaik-Elementen auf Dächern von Privathäusern erzeugt wird: „Damit das funktioniert, sind höchstkomplexe Strukturen notwendig. Und das rechentechnisch abzubilden, funktioniert mit normalen Rechnern in Komplexitäten, die kaum mehr handhabbar sind.“

Wie lange wird es wohl dauern, bis die Quantentechnologie bei den Endverbrauchern ankommt? „Wir werden in den nächsten 20, 30 Jahren eher nicht mit einem Quantencomputer durch die Gegend laufen wie heute mit einem Handy“, meinte Philipp Schindler, Senior Researcher an der Universität Innsbruck. Die Technologie komme aber dann in Rechenzentren zum Einsatz – also werde man als Benutzer gar nicht mitbekommen, wenn Quantentechnologie verwendet wird. Außer bei der Geschwindigkeit: „Wenn ich ein Ticket für eine bestimmte Strecke für den Zug kaufe, mache ich eine Abfrage – und das kann dann mit Hilfe der neuen Technologie effizienter berechnet werden.“

Das Projekt, in dessen Zuge das Quanten-Testlabor in Villach betrieben wird, startet mit Juni und läuft bis 2024. Das Forschungsvolumen beträgt 2,7 Mio. Euro. „Wir wollen dazu beitragen, dass der Quantencomputer Realität wird“, gab sich Herlitschka bestimmt. Und eines soll mit dem Projekt ausgeschlossen werden: „Wir wollen nicht das europäische Paradoxon befördern, dass wir zwar in der Grundlagen-Forschung gut sind, aber nicht in der Umsetzung.“

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