Verlagerung auf die Schiene: „Es liegt an den Betrieben.“

Osttiroler Firmen kritisierten die ÖBB, deren Pressesprecher Herbert Hofer bezieht im Interview Stellung.

Die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene geht in Österreich nur schleppend voran. Immer noch ist für Speditionen und Firmen der Lastwagen das Transportmittel der Wahl. Wie berichtet, sehen viele Osttiroler Unternehmen der Zukunft der Schiene skeptisch entgegen. Die Firmen äußerten Kritik an den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die als Dienstleister auf der Schiene eine tragende Rolle spielen.

Zur Güterverkehrslage in Osttirol, aber auch zu den Vorwürfen der Betriebe bezieht Herbert Hofer im Interview Stellung. Hofer ist als Pressesprecher der ÖBB für die Regionen Kärnten, Osttirol, Steiermark und das südliche Burgenland zuständig.

Laut Herbert Hofer sei eine Erhöhung des Frachtvolumens mit den derzeitigen Ressourcen möglich. Foto: ÖBB/Wegscheider

Herr Hofer, wie viele Betriebe verfügen in Osttirol über einen eigenen Bahnanschluss und nutzen diesen für Transporte?

In Osttirol gibt es zehn Betriebe mit direkten Anschlussgleisen, die durch die ÖBB bedient werden. Außerdem gibt es an den Bahnhöfen Lienz, Sillian, Thal und Dölsach sogenannte „allgemeine Ladegleise“, die unsererseits im ständigen Betrieb sind. Die Anschlussgleise zu den Betrieben erfordern laut Eisenbahnbehörde natürlich eine gewisse Wartung für die Sicherheit. Genau diese Kosten wollen Betriebe aber nicht übernehmen und weichen aus diesem Grund auf den Straßenverkehr aus.

Wie entwickelt sich das Transportaufkommen auf der Schiene in Osttirol?

2019 wurden 162.000 Tonnen befördert, 2021 waren es 199.000 Tonnen. Das Jahr 2020 kann man wegen der Pandemie nur bedingt vergleichen.

Wollen die ÖBB den Güterverkehr von und nach Osttirol verstärkt auf die Schiene verlegen? Inwiefern ist das möglich?

Die Auslastung der Züge hat noch deutlich Luft nach oben. Es liegt also an den Betrieben, auch Angebote der Schiene anzunehmen. Dabei kann eine Erhöhung des Frachtvolumens mit den derzeitigen Ressourcen bewältigt werden. Unser Interesse liegt absolut in der nachhaltigen Mobilität – im Personen-, aber auch im Güterverkehr.

Manche Osttiroler Betriebe werfen den ÖBB mangelndes Interesse an der Güterbeförderung auf der Schiene vor…

Dieser Behauptung möchten wir entschieden entgegentreten. Wir stehen weiterhin für Konzepte und Umsetzungen – wie bisher – jederzeit zur Verfügung.

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz Journalismus und Public Relations. Er ist Reporter mit Leib und Seele, am liebsten mit Mikrophon und Kamera unterwegs und leitet das Sportressort bei Dolomitenstadt.

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hawi

Die ÖBB war und ist eine politische Vorfeldorganisation mit angeschlossenem Schienenbahnunternehmen. von diesem Unternehmen Kundenorientiertheit, Flexibilität zu erwarten ist verwegen. Die "Kern"aufgaben liegen ganz woanders.

 
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trans.lorenzoni@hotmail.de

Tirolweit in 3 Stunden und österreichweit in 4 Stunden, so laufen heut zutage die flächendeckenden Expreßlieferungen

 
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isnitwahr

also bitte, anstatt sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben, alle Beteiligten an den runden Tisch und mit Unterstützung eines guten Moderators sollte sich doch eine gangbare eine Lösung finden lassen. Nehmt euch die Schweiz als Vorbild!

 
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trans.lorenzoni@hotmail.de

Im Großen und Ganzen kommt es immer auf die Logistik der jeweiligen Firma darauf an. Wenn 2 Palletten für eine Fa. im Lager stehen heißt das noch lange nicht das der Empfänger die Ware erhält. Erst wenn die Daten übermittelt sind kann die Ware außer Haus.Hier sollte man Seitens der ÖBB viel flexibler agieren das man kurzfristig 1 oder 2 WAP mehr dazuhängen kann. Ansonsten wird sich hier nichts ändern und die Ware kommt mit dem LKW nach Matrei i. O. hier wird umgewapt und geht dann nach Maria Saal weiter, und kommt am nächsten Tag nach Osttirol

 
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Brunnen

Es liegt nicht nur an den Betrieben das Auto muß viel mehr besteuert werden beim Transport finde ich Die Politik müsste strengere Gesetze heraus lassen finde ich dann würde es mehr Güterverkehr geben das ist meine Meinung was kostet eigentlich ein Gleis Anschluss frage ich mich das müsste man wissen finde ich. Der LKW muss teuer werden finde ich als der Güterverkehr mit der Eisenbahn finde ich.

 
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    steuerzahler

    Was hat eine Autosteuer mit dem Frachtverkehr auf der Schiene zu tun? Außerdem sind due Autofahrer löngst viel zu hoch besteuert. Strengere Gesetze bewirken nichts, denn die derzeitigen werden ja auch nicht überwacht. Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h für LKW. Eine wirksame Kontrolle findet nicht statt. Ich bin kürzlich auf einen zweispurigen Autobahnabschnitt in Deutschland gefahren, auf dem es für gut 80 km ein Überholverbot für LKW gibt. Keine LKW-Kolonnenbildung, keine sinnlosen Überholmanöver, einfach entspanntes Fahren. Ich wäre für ein europaweites Überholverbot für LKW, ausgenommen an Steigungen mit eigener Kriechspur. Das Problem mit der Bahn liegt auch zum Teil an der Bequemlichkeit der Disponenten in den Betrieben und nicht vorhandener Lagerkapazität. Es ist zu einfach, einen Laster mit "just in time"-Lieferung zu beauftragen. Leider ist so ein System sehr störanfällig.

     
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    Ceterum censeo

    Mir ist nicht bekannt, ob es ausreichend Aquisition zwischen ÖBB und den Betrieben gibt. Hapert es vielleicht an der "mir-san-mir-Mentalität der Bahn, die mir oft wie eine "geschützte Werkstätte" vorkommt?

     
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so ist es vielleicht

Ich sagte ja, wo ein Wille, da ein Weg! Der Gesetzgeber ist nun gefragt!!!!

 
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    Ceterum censeo

    Die ÖBB sind gefragt. Die agieren wie "in alten Zeiten", nicht marktgerecht. Bis die Ware vor Ort ist, dauert es ewig. Das verträgt die Wirtschaft heute nicht mehr. Daran liegt es. Mehr Flexibilität ware gefragt.

     
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      steuerzahler

      Die Bahn hat noch immer kein einheitliches System. Es gibt noch immer verschiedene Schienensysteme und Stromversorgungen. Die Harmonisierung wurde konsequent verschlafen. Das behindert den zügigen Transport ungeme. Ein LKW fährt auf allen Strassen. Ich kenne auch keine einspurigen Strassen, die für beide Richtungen verwendet wird. Kein Laster muß beim Passieren der Grenze auf anderen Treibstoff oder Spurweite umgestellt werden.

      Die Bahn ist mit sich selbst zufrieden, bekommt zum Überleben staatliche Unterstützung. Wer betreibt bei der Bahn aktive Kundenwerbung, wer spricht mit den Kunden über deren Wünsche? Es gibt ein riesiges Potential im Transportwesen, warum wird es nicht abgeholt? Eigentlich müssten die LKW-Frächter stöhnen, wegen der starken Konkurrenz durch die Bahn.

      Die heutige Wirtschaft hat sich in eine große Abhängigkeit der Frächter begeben. Just in time, das funktioniert nur, wenn es keine Störungen gibt. Die Abhilfe wäre Lagerhaltung und Eigenproduktion. Die Globalisierung funktioniert nicht, das wird gerade bewiesen.

       
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