Mitte Mai wurde die Ausstellung der „offenen multimedialen Galerie“ in Innsbruck eröffnet. Foto: Anja Antonia Ruetz

Mitte Mai wurde die Ausstellung der „offenen multimedialen Galerie“ in Innsbruck eröffnet. Foto: Anja Antonia Ruetz

OMG – Kunst hinter QR-Codes in Innsbruck

Eine offene multimediale Galerie lädt zum Spaziergang durch die Stadt ein.

Schön verzierte, künstlerisch eingerahmte QR-Codes finden sich derzeit an manchen Gebäudefassaden quer durch Innsbruck. Von der Stadtbibliothek bis zum Reich für die Insel – Kubus vor dem Tiroler Landestheater. Tatsächlich handelt es sich hierbei um Kunst – genauer gesagt, um eine „offene multimediale galerie“. Initiiert wurde das Projekt „omg-ibk“ von den Innsbrucker Künstler:innen Nikolina Žunec und Bertram Schrettl.
 
Mitte Mai eröffneten die beiden unter dem Titel „frei.raum,ge(h)stalten. oder digitale wege aus der analogen krise“ ihre erste digitale Ausstellung im öffentlichen Raum Innsbrucks. Kunstinteressiertes Publikum war eingeladen, an einem Vernissage-Spaziergang teilzunehmen, bei dem die neun Standorte der Freiluftgalerie gemeinsam erkundet wurden. „Es war uns wichtig, die Ausstellung ein bisschen großräumig auf die Stadt zu verteilen, aber so, dass es etwa als Nachmittagsspaziergang gut machbar ist“. Trotzdem empfehlen die beiden einen Besuch in der Abend-, Morgendämmerung oder bei Nacht, da dann die digitalen Werke am effektvollsten wirken. Ungefähr zweieinhalb Stunden solle man für die Runde einplanen, schätzen die Initiator:innen.

Mit dem Smartphone kann man derzeit Kunst im öffentlichen Raum in Innsbruck erkunden.
Nikolina Žunec und Bertram Schrettl bei der Ausstellungseröffnung  | Bild: Anja Antonia Ruetz

Digitale Kunst muss nicht zwangsläufig nur im digitalen Raum stattfinden, genauso wenig wie sich Kunst im öffentlichen Raum auf analoge Methoden beschränken muss. „Wir wollen die Vorteile beider Welten zusammendenken“, so das Künstlerteam, dessen Idee ausgehend vom pandemiebedingten Lockdown entstanden ist, als sie gespürt hatten, „dass sich die Normalisierung des öffentlichen Lebens nicht so schnell vollziehen wird, und dass gerade auch bildende Künstlerinnen und Künstler durch die Maßnahmen um ihre Einnahmen gebracht wurden – es hat ja keine Möglichkeiten für Ausstellungen gegeben“. Kunst und Kultur wurden hauptsächlich über das Internet konsumiert. „In der Zeit dienten digitale Galerien als eine etwas schwache Substitution für das eigentliche Kunsterlebnis“, so Schrettl, der mit diesem Ausstellungsformat digitaler Kunst dabei helfen möchte, relevanter zu werden: „Diese Form hat auch viele Vorteile, die in herkömmlichen Ausstellungen viel zu wenig zum Einsatz kommen“. Die offene multimediale Galerie solle das aufzeigen und auch Künstler:innen dazu einladen, mit digitalen Formaten zu experimentieren.

Videoarbeit von Karin Ferrari bei der Congress Talstation. Foto: Anja Antonia Ruetz

Für die erste Ausstellung wurden Künstler:innen mit Innsbruckbezug angefragt, einen künstlerischen Dialog mit der Stadt einzugehen. Auch die Architektur der jeweiligen Ausstellungsstandorte wird dabei berücksichtigt. Somit ist es eine Ausstellung, die sich im digitalen sowie auch im öffentlichen Raum abspielt – die Werke können allerdings nur vor Ort angeschaut werden, nicht über einen Link im Internet. Karin Ferrari etwa bespielt die von Zaha Hadid entworfene Talstation Congress der Innsbrucker Nordkettenbahnen mit einer digitalen Videoarbeit. Das Video wird aktiviert, sobald der dort angebrachte QR-Code mittels Smartphone oder Tablet gescannt wird. „Die Corona-Pandemie hat bewirkt, dass Leute die Scheu vor QR-Codes verloren haben. Mittlerweile sind wir sie alle gewohnt“, meint Schrettl, für den dieses Projekt vor zwei Jahren noch nicht in der Form vorstellbar gewesen wäre.
 
Was die Zukunft betrifft, so werde es hoffentlich nicht nur bei dieser einen Ausstellung bleiben. Žunec und Schrettl haben bereits weitergedacht und können sich noch einiges in diese Richtung vorstellen. Um auch die Künstler:innen zu fördern, gibt es eventuell schon bald die Möglichkeit, die Designer-QR-Codes samt den digitalen Kunstwerken bzw. die digitalen Werke als NFT zu erwerben. Diese könnten dann im eigenen Wohnzimmer aktiviert und zum Leben erweckt werden.
 
Die Ausstellung ist noch bis 17. Juni 24/7 kostenlos und barrierefrei zugänglich (Smartphone mit QR-Code-Scanner nicht vergessen!).

Brigitte Egger, geb. 1993, hat in Innsbruck Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie studiert. Sie schreibt als freie Journalistin über Kunst und Kultur und ist auch selbst in der Kulturarbeit tätig.

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