Gebi Mair führt die Grünen in die Landtagswahl

Gemeinsam mit Petra Wohlfahrtstätter gewann der 38-jährige Klubobmann die parteiinterne Vorwahl.

Gebi Mair heißt der neue starke Mann bei den Tiroler Grünen. Der 38-jährige Klubobmann entschied eine Online-Wahl unter Parteimitgliedern um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2023 gegen Soziallandesrätin Gabriele Fischer für sich. Das Ergebnis wurde bei einer Landesversammlung am Samstag in Kufstein bekanntgegeben. In seiner Rede nach der Verkündung des Ergebnisses mahnte Mair in Richtung Koalitionspartner ÖVP, die gesamte Legislaturperiode zu Ende zu regieren.

Die Volkspartei reagierte auf APA-Anfrage unterdessen sehr knapp auf die Mair-Kür. Bei der Entscheidung handle es sich um ein „internes Ergebnis“ der Tiroler Grünen, das „wir zur Kenntnis nehmen“, erklärte Landesgeschäftsführer Martin Malaun gegenüber der APA.

Mair und seine Co-Partnerin, Gesundheitsexpertin Petra Wohlfahrtstätter – die Grünen-Spitzen waren im Duo angetreten – erhielten bei der Landesversammlung 159 von 284 gültigen Stimmen und damit 56 Prozent. Auf Fischer und ihren Co., Landtagsabgeordneter Georg Kaltschmid, entfielen 44 Prozent bzw. 125 Stimmen. Wohlfahrtstätter wird Platz zwei auf der Landesliste einnehmen.

Mit 56 Prozent setzten sich Gebi Mair und Petra Wohlfahrtstätter parteiintern gegen Gabriele Fischer und Georg Kaltschmid durch. Foto: Grüne

Mair holte im Anschluss zu einer teilweise sehr emotionalen Rede im Kufsteiner Stadtsaal aus. Er dankte dabei Partnerin Wohlfahrtstätter, die zuvor kurz zu Wort gekommen war. Es sei „zuallererst ihr Verdienst“. Ganz klar sprach sich der Klubobmann gegen eine etwaige, manchmal gemutmaßte, vorgezogene Landtagswahl im Herbst aus. In Richtung ÖVP meinte er: „Es ist Zeit für Stabilität und Verlässlichkeit. Wir sind gewählt für die volle Legislaturperiode“. Die Vollendung der Arbeit sei der Maßstab – und nicht ein Agieren nach politischer Opportunität.

Die Grünen hätten einen Auftrag: Nämlich „Haltung“ einzubringen. An ebendieser fehle es in der heutigen Gesellschaft, nicht am Wissen. „Wir sind die letzte Generation, die aktiv etwas gegen die Klimakrise tun kann. Wir haben die verdammte Pflicht“. Dazu gehöre es, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Man müsse auch Opfer bringen. Die Energiewende sei absolut notwendig, so Mair: „Fossile Energieträger befeuern nur Teuerung und Despoten“. Mair trat für den massiven Ausbau von Photovoltaik ein und meinte: „Unsichtbare Windkraft wird es nicht geben. Windräder sind unsere Freiheitsstatue“. Der größte Feind der Grünen sei das „alte Denken“: Dazu gehöre etwa die Annahme, dass die Anhebung von Sozialleistungen leistungsfeindlich sei.

Erneut das Wort redete der Neo-Spitzenkandidat einer Wahlkampfkostenobergrenze und einem neuen Naturschutzgebiet noch vor der Wahl. Und er appellierte an grüne Geschlossenheit: „Helft uns alle. Gemeinsam sind wir ein gutes Team“. Man werde es im Wahlkampf mit beträchtlichen Angriffen zu tun haben, mutmaßte der Klubchef: „Es wird untergriffig, homophob, sexistisch und frauenfeindlich werden“.

Die Zukunft von Fischer nach der Landtagswahl ist indes ungewiss. Sie werde auf jeden Fall bis zum Ende der Legislaturperiode Landesrätin bleiben, sagte sie zur APA. Über die Wahl hinaus ließ die Osttirolerin ihre Zukunft offen. Dies würden sie und Kaltschmid in den kommenden Tagen mit der Partei beraten. Das Wahlsystem der Grünen sehe keine fixen Listenplätze vor – und „das ist auch gut so“. Sie sei davon überzeugt gewesen, der Partei einen „guten Themenmix“ angeboten zu haben, deshalb sei sie klarerweise enttäuscht. Aber mit Mair und Wohlfahrtstätter sei auch ein „gutes Team“ an der Spitze.

Innsbrucks Grünen-Bürgermeister Georg Willi hofft jedenfalls auf einen Verbleib Fischers nach der Wahl. „Ich hoffe, dass sie kandidiert. Sie hat im Sozialbereich unheimlich viel herausgeholt“, erklärte Willi am Rande der Versammlung gegenüber der APA. Die restliche Landesliste wählen die Grünen im Herbst.

Zu einer wohl letzten, kurzen Rede auf großer grüner Bühne hatte in Kufstein die nach der Landtagswahl scheidende Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe angesetzt. Felipe, die seit 2013 mit Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) das Regierungsschiff schaukelt, meinte unter anderem, „Erneuerung und Wechsel“ an der Spitze sei die „beste Korruptionsprävention“. „Wir leben Demokratie, so geht Demokratie“, rief Felipe den Mitgliedern zu.

Zu Gast in Kufstein war auch bundespolitische Prominenz: Justizministerin Alma Zadic und Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer, eine gebürtige Tirolerin. Zweitere betonte in einer Fragerunde auf der Bühne, dass das von der Bundesregierung geplante Teuerungspaket auf jeden Fall noch vor dem Sommer beschlossen werden soll. Man wolle treffsicher und vor allem die mit den niedrigsten Einkommen entlasten. Zudem müsse das Geld „so schnell wie möglich am Konto landen“.

Gratulation kam auch aus der bundespolitischen Ferne. Mair und Wohlfahrtstätter seien „ein starkes Duo, das mit geballter Kompetenz und viel Engagement die Grünen in die Wahl führen werden“, erklärte Grünen-Vizekanzler Werner Kogler in einer Aussendung.

Tirols FPÖ-Obmann Markus Abwerzger gratulierte Mair ebenfalls, legte dann aber gleich los: „Nun ist der Weg frei für rasche Neuwahlen, denn die Grünen haben in der Regierung nichts verloren, höchstens auf der Oppositionsbank“. Mit Mairs Sieg sah der Freiheitlichen-Chef den „linkslinken Block innerhalb der Grünen gestärkt“. Die ÖVP unter Platter sei ebenso mehr als angeschlagen und der Landeschef „nur mehr ein Schatten seiner selbst“.

In Tirol wird voraussichtlich im März oder April 2023 gewählt. Zuletzt gab es vereinzelt Spekulationen um eine von der ÖVP gewollte Vorverlegung. Die Volkspartei-Führung dementierte dies jedoch mehrmals, zuletzt Bildungslandesrätin Beate Palfrader im APA-Interview.

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