Zita Fuxjäger (Mitte) hat sich ein Ziel gesetzt: Pädagogisch wertvolles Fernsehen für Kinder zu produzieren. Alle Fotos: MiriTV

Zita Fuxjäger (Mitte) hat sich ein Ziel gesetzt: Pädagogisch wertvolles Fernsehen für Kinder zu produzieren. Alle Fotos: MiriTV

„Wie kann ich auf der Welt am meisten bewirken?“

Für Zita Fuxjäger ist das klar: Als Pädagogin. Mit MiriTV will sie nun das Fernsehen für Kinder revolutionieren.

Wenn Zita Fuxjäger über Bildung spricht, dann spürt man, dass es sich um eine Herzensangelegenheit handelt, die sich bei ihr auf mehreren Ebenen verankert hat. „Ich habe schon immer gern mit Kindern gearbeitet – ich habe Kindergruppen geleitet, Nachhilfe gegeben, später dann in allen möglichen Schulen unterrichtet – angefangen von Waldorfschulen bis hin zu Schulen im 21. Bezirk in Wien“, lacht die aufgeweckte Pädagogin, die zwar in der Steiermark aufgewachsen ist, ihre Ferien allerdings aufgrund ihrer Lienzer Wurzeln meist in Osttirol verbracht hat.

Noch einen anderen Aspekt verbindet sie mit Bildung: Die Grazerin hat in Shanghai Wirtschaft studiert, in Berlin dann Sinologie, immer mit dem Hintergrund des kulturwissenschaftlichen Interesses. Sie hat viel von der Welt gesehen, eines ist ihr geblieben: „Egal welche Überlegungen ich zu den Problemen unserer Welt angestellt habe – sei es zum Kapitalismus, zur Klimakrise oder zu Themen wie der Geschlechtergerechtigkeit – ich bin immer wieder dabei gelandet, dass Bildung die Basis für alles ist und wir bei den Kindern beginnen müssen.“

„Man merkt, wenn Kinder viel fernsehen, aber man merkt vor allem auch, was sie anschauen –  an der Art, wie sie spielen.“

Zita Fuxjäger, Pädagogin und Gründerin von MiriTV

Zitas weiterer Weg lag also auf der Hand: „Ich habe mich gefragt, wie ich auf der Welt am meisten bewirken kann – die Antwort war ganz klar: Als Pädagogin.“ Aus diesem Grund absolvierte sie einen dreijährigen Masterstudiengang zur Waldorfpädagogik in Linz. In allen Bildungseinrichtungen, in denen Zita während und nach ihrer Studienzeit gearbeitet hat, ist ihr eine Sache besonders aufgefallen: „Man merkt, wenn Kinder viel fernsehen, aber man merkt vor allem auch, was sie anschauen –  an der Art, wie sie spielen.“

Was für Zita zunächst ein subjektives Empfinden war, hat sich längst in Studien bestätigt: Die vielen schnellen Schnitte, sowie die Effekte und Sprünge in der Handlung, die die aktuellen Serien und Filme im Fernsehen und auf Streaming-Plattformen aufweisen, sind selbst für Erwachsene überstimulierend, für ein kindliches Gehirn, das sich gerade erst entwickelt, erst recht. Kinder die zu viel fernsehen, haben eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne, können Anweisungen schwerer folgen, sind anfälliger für Lernschwierigkeiten, Sprachdefizite und Verhaltensauffälligkeiten.

„Teilweise war es schon schwierig, einfach nur ein Buch vorzulesen“, erzählt Zita aus ihren pädagogischen Praxiserfahrungen. „Es sind auch viele Eltern auf mich zugekommen und haben gefragt, welche Sendungen sie ihren Kindern zeigen können.“ Ein Jahr intensiver Recherche zeigte: „Eigentlich gibt es fast gar nichts.“

Eine Marktlücke, die Zita so nicht stehen lassen wollte. Gemeinsam mit Claire Coleman, einer ausgebildeten Kindergartenpädagogin und Filmemacherin, setzte sich Zita vor etwas über einem Jahr ein Ziel: Pädagogisch wertvolles Videomaterial zu produzieren und Eltern sowie ihren Kindern anzubieten. Mitstreiter für das Projekt waren schnell gefunden: William Tolson, in Lienz aufgewachsen und zur Schule gegangen, steuert als Volksschullehrer sowie Kameramann zusätzliches pädagogisches und technisches Know-how bei. Till Bönninghausen hat lange Zeit als Vertriebler im eCommerce gearbeitet und unterstützt das Team im Onlineauftritt, in den Verhandlungen und der Kommunikation. Zu viert entwickelte das Team „MiriTV“.

Gemeinsam für pädagogisch wertvolles Streaming: Till Bönninghausen, Zita Fuxjäger, Claire Coleman und William Tolson.

Am vergangenen Freitag ging die Streaming-Plattform erstmals online, ein spannender Tag für die vier Beteiligten: „In dem Projekt steckt so viel Liebe und Zeit, einen Großteil des vergangenen Jahres haben wir quasi unbezahlt gearbeitet und über 100 Videos produziert, die jetzt auf MiriTV zur Verfügung stehen“, erzählt Zita. Finanziert haben sich die vier ihr Herzensprojekt zu einem großen Teil selbst, von einem Investor haben sie eine finanzielle Unterstützung bekommen, die Erlöse aus einem Crowdfunding-Aufruf gingen in die Entwicklung der MiriTV-App.

„Unsere Videos haben wir für Kinder ab drei Jahren produziert, davor sollten Kinder ohnehin keine Medien konsumieren“, erklärt Zita. Keines der Videos dauert länger als 20 Minuten, die Inhalte sind sanft und langsam produziert und geschnitten, sodass die Kinder der Handlung leicht folgen können. Die Puppen und Hintergrundbilder sind zum Teil handgemacht, kein Video wird gedankenlos produziert. „Alle Inhalte werden von uns erstellt und überprüft, ob sie pädagogisch wertvoll sind oder nicht“, erzählt Zita. „Es gibt Puppenspiele und Geschichten, Mitmachformate mit Klatschspielen und ähnlichem und Dokus, die dann vor allem für ältere Kinder gestaltet sind.“ Angesprochen werden Kinder bis zu einem Alter von etwa elf Jahren, „manche Videos – beispielsweise die Beatbox-Tutorials – können aber auch für 14-Jährige noch interessant sein. Oder sogar für Erwachsene“, lacht Zita.

Die Kinder sollen auch nicht einfach nur vor dem Fernseher sitzen, sondern auch selbst aktiv werden – währenddessen oder danach, indem sie von den Videos inspiriert werden, selbst etwas auszuprobieren oder eine Geschichte weiterzuerzählen. Für Eltern werden Hintergrundinformationen zu den einzelnen Inhalten angeboten, „derzeit vor allem noch auf Instagram, unter anderem gibt es dort Infos zum Medienkonsum von Kindern“, erklärt Zita. In weiterer Folge sollen auch Informationsvideos für Eltern auf der Streaming-Plattform hinzukommen. Generell wird das Angebot auf MiriTV stetig wachsen: „Es werden auf jeden Fall immer wieder neue Videos sowie Formate und Kategorien dazukommen. Gleichzeitig wollen wir den Erziehungsberechtigten aber auch zeigen, dass weniger oft mehr ist und gerade für jüngere Kinder ist es sinnvoll, einzelne Videos öfter anzuschauen.“

Monatlich kosten die Inhalte für eine Familie zwölf Euro. „Wir sind allerdings ein Social Business, es geht uns weniger darum, mit unserem Konzept viel Geld zu machen, sondern mehr darum, eine kritische Reflexion des Medienkonsums anzuregen und zu überlegen, was wir unseren Kindern zeigen wollen“, erklärt Zita das Konzept, das bereits im Vorjahr mit dem Social Impact Award ausgezeichnet wurde.


Mehr Informationen und die Möglichkeit eines Probeabos gibt es auf miritv.com.

Anna Maria Huber studiert in Innsbruck, schreibt nicht nur für dolomitenstadt.at sondern auch für die Straßenzeitung 20er und betreut unser Redaktionsbüro in der Landeshauptstadt. Annas Stärken sind penible Recherchen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in klare und verständliche Artikel zu verwandeln.

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