Welche Routen nehmen Radfahrer:innen und warum? Dazu gibt es nun Forschungsergebnisse. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Welche Routen nehmen Radfahrer:innen und warum? Dazu gibt es nun Forschungsergebnisse. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Forscher stellen Planung von Radwegen auf den Kopf

Nicht bedingungsloser Ausbau sondern Orientierung an Nachfrage und Sicherheitspräferenzen.

Um in Städten den Radverkehr zu erhöhen, braucht es gut ausgebaute Radweg-Infrastruktur. Dafür versuchen Kommunen üblicherweise mit geringen Budgets das Radwegnetz sukzessive mit neuen Teilabschnitten auszubauen. Forscher in Dresden und Klagenfurt schlagen nun im Fachjournal „Nature Computational Science“ vor, die übliche Vorgehensweise umzukehren und orientiert an Nachfrage und Sicherheitspräferenzen mit Mitteln der Netzwerk-Dynamik Radwegnetze zu planen.

Wenn alle wichtigen Straßen einer Stadt mit Radwegen ausgestattet sind, wählen Radfahrer die kürzest mögliche Verbindung, um von A nach B zu kommen, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit. Verfügen nur einige Hauptverbindungsrouten über Radwege, nehmen sie auch einen kleinen Umweg in Kauf, um am Radweg zu bleiben. Gibt es kaum Radwege, wägen Radler Distanz und Sicherheit ab und nehmen auch größere, dafür sichere Umwege in Kauf.

Davon ausgehend schlägt das Forscherteam um Christoph Steinacker von der Technischen Universität (TU) Dresden, dem auch der Physiker Marc Timme von den Lakeside Labs in Klagenfurt angehörte, in seiner Studie einen neuen Ansatz vor, um effiziente Radwegnetze zu erzeugen. Statt wie derzeit ein Radwegnetz einfach durch stetiges Hinzufügen weiterer Teilabschnitte zu erweitern, berücksichtigen sie explizit die Routenwahl von Radfahrern auf Grundlage von Nachfrage und Sicherheitspräferenzen.

Dazu starten die Wissenschafter in ihrem Modell mit einem idealen, vollständigen Radwegenetz, bei dem alle Straßen einer Stadt mit einem Radweg ausgestattet sind. Ihr Algorithmus entfernt dann sukzessive Radwege von jenen Straßenabschnitten mit den geringsten Auswirkungen auf die Nutzungsmuster im jeweils aktuellen Netz. Es zeigte sich, „dass sowohl der Komfort als auch die Sicherheit des Radfahrens im Netz hoch bleiben, selbst wenn nur ein kleiner Teil des Straßennetzes mit Radwegen ausgestattet bleibt“, schreiben die Forscher.

So erhält man eine Serie von Radwegenetzen, die jeweils an die aktuelle Nutzung angepasst sind. In absteigender Reihenfolge entspricht jedes dieser Netze einer Variante, die weniger kostet. Verkehrsplaner könnten sich so jene Version heraussuchen, die zum real vorhandenen Budget ihrer Kommune passt. Veranschaulicht haben das die Wissenschafter in ihrer Studie anhand der Städte Dresden und Hamburg.

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