NEOS bringen Bobbahn Igls für Olympia 2026 ins Spiel

Cortina könnte 85 Mio Euro einsparen. Südtiroler Oppositionspartei Team K unterstützt den Vorschlag.

Die Tiroler NEOS und das Südtiroler Team K haben am Dienstag in einer Pressekonferenz die Bobbahn in Igls bei Innsbruck als Austragungsstätte der Bob-, Rodel- und Skeletonbewerbe im Rahmen der Olympischen Spiele 2026 ins Spiel gebracht. Diese finden in Mailand und Cortina statt. In Cortina soll eine neue Bobbahn entstehen – „90 Kilometer Luftlinie“ von Igls entfernt, wie NEOS-Klubchef Dominik Oberhofer unterstrich. Das sei „weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll“.

Zumal die Bobbahn in Igls ohnehin 2024 saniert werden müsse, wie Dagmar Klingler, Innsbrucker Gemeinderätin der NEOS, betonte. Der Gemeinderat habe sich bereits im Mai mit der Causa befasst und ersten Planungsarbeiten stattgegeben. Für Investitionen in der Höhe von 30 Mio. Euro liege bereits ein Regierungsbeschluss vor. Was den bloßen „Erhalt“ der Sportstätte betreffe, seien somit die Weichen „mehr oder weniger gestellt“, hielt die NEOS-Kommunalpolitikerin fest.

Eine „riesengroße Chance – auch in touristischer Hinsicht“ ortete Klingler indes in einer damit einhergehenden, möglichen „Ökologisierung und Ökonomisierung“ der Bahn in eine „zeitgemäße Sportstätte“ – etwa durch die Installierung von PV-Anlagen, eine Überdachung und einer Wiederaufbereitung des Eises. Dafür gebe es einen „Masterplan“, der vom Gemeinderat bereits „zur Kenntnis genommen wurde“. Trimme man die Anlage auf Nachhaltigkeit und brächte sie damit auf den neuesten Stand, so würde dies mit 20 Mio. Euro zusätzlich zu Buche schlagen.

Außerdem hätte die Bahn ja „auch über Olympia hinaus“ einen Mehrwert für die Region, hielt Oberhofer fest. Er fordere deshalb die künftige Tiroler Landesregierung auf, „den Kontakt und Verhandlungen mit dem Olympischen Komitee“ aufzunehmen. Dies werde sein erster (dringlicher) Antrag in der neuen Landtagsperiode sein, kündigte der NEOS-Landessprecher an. Er rechne damit, dass es im November so weit sein werde und sich der Landtag am 25. Oktober konstituieren werde. In Tirol hatte am 25. September eine Landtagswahl stattgefunden, derzeit befindet sich die ÖVP in Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ. In der Causa Bobbahn Igls dränge jedenfalls die Zeit, drückte Oberhofer auf das politische Gaspedal, man müsse nun „massiv aktiv werden“.

Paul Köllensperger und Alex Ploner vom Team K aus Südtirol, die Innsbrucker NEOS-Gemeinderätin Dagmar Klingler und NEOS-Klubchef Dominik Oberhofer (von links) treten dafür ein, dass die Bobbahn in Igls für Olympia 2026 genutzt wird. Foto: NEOS Tirol

Neben Oberhofer und Klingler kamen auch die Südtiroler Landtagsabgeordneten des – ebenfalls liberalen, oppositionellen – Team K, Paul Köllensperger und Alex Ploner, zu Wort. Jene stießen sich vor allem daran, dass Südtiroler Steuergeld nicht nur in den Bau, sondern später auch in die Erhaltung der Bobbahn in Cortina d’Ampezzo fließen könnte. Und daran, dass diese möglicherweise zur „Kathedrale in der Wüste“ würde, handle es sich doch um einen „Nischensport“.

Hart ins Gericht ging Listengründer Köllensperger mit dem Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP). Die Finanzierung der geplanten Bobbahn in Cortina, für die 85 Mio. Euro veranschlagt worden seien, sei „undurchsichtig“. Wie hoch genau die Kosten nach den Spielen für den Erhalt der Anlage sein werden, könne niemand genau beantworten. Er befürchtete, dass Kompatscher dafür den Grenzgemeindefonds, in den jährlich 40 Mio. Euro Südtiroler Steuergeld flössen, angreifen könnte. Außerdem würden den Nachhaltigkeitsversprechen des Landeshauptmanns keine konkreten Taten folgen.

Oberhofer schlug in dieselbe Kerbe und strich mehrfach hervor, dass Nachhaltigkeit ja auch bedeute, „bestehende Strukturen zu verwenden“. In dem Vorschlag, den die beiden Parteien nun übrigens auch dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorlegen wollen, sah Oberhofer die Prämisse der NEOS, Wirtschaft und Umwelt zu verbinden, verwirklicht. Zudem hätten die letzten Winterspiele in China gezeigt, dass ein „immer höher, immer größer“ nicht mehr zeitgemäß sei. Auch sei dieser Vorstoß ein Beispiel für „praktische Lösungen in der Europaregion“ und ein „Win-Win für alle Seiten“, schloss Oberhofer.

Bisher habe es „unseres Wissens keine formelle Anfrage des Internationalen Olympischen Comitees (IOC) an das Österreichische Olympische Comitee (ÖOC) gegeben, teilte indes Sportlandesrat LHStv. Josef Geisler (ÖVP) auf APA-Anfrage mit. Dementsprechend sei auch an die Landesregierung noch nichts herangetragen worden. Seitens des Landes stehe man einer Nutzung der Bobbahn allerdings „grundsätzlich positiv gegenüber“, unterstrich der ÖVP-Politiker. „Sollte eine offizielle Anfrage einlangen, werden wir mit allen Beteiligten in konstruktive Gespräche über die Rahmenbedingungen eintreten“, kündigte er an. Das Prinzip der Nachhaltigkeit stehe dabei „an oberster Stelle“. Eine Austragung der Bob- und Skeletonbewerbe würde zudem die „Chance“ bieten, dass das IOC einen „namhaften Betrag zur ohnehin anstehenden Sanierung des Eiskanals leistet“, so Geisler.

Auch Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) machte sich diesbezüglich Hoffnungen: „Am liebsten wäre mir, dass olympisches Geld in die Erneuerung der Bahn fließt, weil sich Italien damit den Bau einer eigenen Bob- und Rodelbahn erspart“, argumentierte er und schrieb auf APA-Anfrage: „Wenn die Bob-, Rodel- und Skeletonbewerbe im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2026 in Innsbruck-Igls stattfinden, soll mir das recht sein.“ Auch Willi betonte, dass die Planungen für die notwendige Erneuerung der Bahn „sichergestellt“ seien. Er habe „als Erster“ dafür gesorgt, dass es einen Finanzierungsbeschluss der Stadt für die Adaptierung gibt, betonte der Bürgermeister. Inzwischen hätten auch Bund und Land Gelder freigegeben.

5 Postings

isnitwahr

ich finde es gut, Vorhandenes zu verwenden und nicht wieder Grünland zu vernichten. Aber was macht man nicht alles für noch mehr Kohle....

 
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Migranten Kind

Cortina hat eine grosse Bobsport Tradition , Weltmeister u Olympiasieger stammen aus Cortina . Die drei olympischen Sportarten Bob, Rodeln und Skeleton haben sich eine zukunft in Cortina verdient . Politisch gehört es ja zu Venetien, verstehe nicht was sich Südtiroler oppositionelle einmischen. Ausserdem möchte ich Egoist möglichst viele Wettbewerbe anschauen , wenn schon Olympia in unserer geographischen Region zu Gast ist .

 
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    Edi1913

    die Bahn in Cortina ist leider nicht viel besser beinander als die in Sarajewo, nur ohne Einschusslöcher. Wird wohl ein kompletter Neubau werden müssen.

     
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rony

Warum man bei einer geplanten Rodelbahn in Cortina,in der Provinz Belluno,in Venetien,den Südtiroler Landeshauptmann derart anpatzt und beschimpft ist mir ein Rätsel. Die Südtiroler sind ja nur mit den Anlagen in Antholz dabei und das ist doch eher Nachhaltig und auch wirtschaftlich interessant.

 
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beobachter52

Da schmückt sich wieder einmal jemand mit fremden Federn! Nicht die NEOS bringen die Bobbahn Igls ins Spiel, sondern gleich nach der Vergabe der Spiele an Cortina hat der Bob- und Rodelverband angeboten, die Bewerbe in Igls auszutragen! ÖOC, Stadt Innsbruck und Landesregierung haben ebenfalls schon lange ihr Interesse bekundet! Nun liegt es am italienischen Bobverband, am Organisationskomitee, am IOC zu entscheiden, ob in Cortina eine neue Bahn gebaut wird oder die Bewerbe nach Igls verlegt! Die Entscheidung ist also weder Verdienst noch Fehler der Landesregierung, schon gar nicht Verdienst der NEOS ... Außerdem ist es schon sonderbar, wenn Innsbruck und Tirol die Austragung olympischer Spiele ablehnt und dann um Bewerbe kämpft!

 
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