Inspiriert von Gaston Glock: „Herr im Garten“ in Klagenfurt

Das klagenfurter ensemble zeigt eine beklemmend reale Fiktion, inszeniert als eine Art Hörspiel zum Sehen.

Rund 50 Minuten lang fällt bei der Premiere Dienstagabend kein einziger Schuss. Und doch ist die Textmontage, der ein Hörspiel der Wiener Autorin Verena Dürr zugrunde liegt, Angst einflößend: „Herr im Garten“, die Uraufführung des klagenfurter ensembles wirft grelle Blitzlichter auf die moralische Fragwürdigkeit des Waffengeschäfts. Der Pistolenproduzent darin hat allerdings nur Angst vor Wespen.

Dass „alles frei erfunden“ ist, „so oder so aber stattfinden könnte“, wird gleich zu Beginn klargestellt. Zu heikel ist das Thema, zu demaskierend wäre die Verortung in Kärnten, wo Gaston Glock seit Ende der 1980er-Jahren ansässig ist. Doch die Fakten treffen ins Schwarze: Die Geschichte eines Waffenproduzenten, der das österreichische Bundesheer ebenso ausstattete wie das amerikanische FBI, dessen Name weltweit zum Synonym für diverse Schießeisen wurde, der einen Mordanschlag überlebte und einen Pferde-Rennstall gründete, ist deutlich inspiriert vom heute 93-jährigen Gaston Glock.

Gernot Piff (rechts) und Clemens Janout als philosophierender Waffenproduzent mit wortkargem Bodyguard. Foto: APA/klagenfurter ensemble

Mit einer weißen Guckkastenbühne auf der Bühne, umgeben von hohem Gras und Vogelgezwitscher (Bühne und Kostüm: Andrea Simeon, Sound: Philipp Pettauer), lässt Regisseur Stefan Schweigert die hermetisch abgesicherte Welt eines fiktiven Waffenproduzenten erstehen.

Der „Herr im Garten“, der sich selbst als „Eremit auf Lebenszeit“ bezeichnet, wird nur von seinem meist stummen Personenschützer begleitet – so wie er mit Sonnenbrille und ganz in Schwarz gekleidet. Gernot Piff und Clemens Janout sind dieses unheimliche, emotionslose Paar. Während „der Herr“ sich in schöngeistigen Betrachtungen über das Leben und die Natur ergeht („Selbst Unkraut treibt manchmal schöne Blüten!“), hat der Bodyguard stets das Wespennest im Feigenbaum im Blick.

Angie Mautz, Anna-Eva Köck und der irakische Schauspieler und Regisseur Hayder Saad geben als Passanten die Erzählerinnen, die in dem Wechselspiel zwischen Fakten und Fiktion das dokumentarische Material über die Waffenindustrie aufbereiten. Videoprojektionen und ein lebendiges Lichtdesign (Martin Siemann) strukturieren das Bühnengeschehen in zwölf Szenen. Handlungsarm, aber inhaltsreich sind sie so zu einer Art Hörspiel zum Sehen geworden – ein nicht einmal einstündiges Experiment, aus dem das Publikum mit sichtlicher Beklemmung wieder in die Realität zurückkehrt. Eine Realität mit Krieg, Massenmördern und Amokläufern …


„Herr im Garten. Eine Spekulation in 12 Szenen“ nach dem Hörspiel von Verena Dürr. Eigenproduktion des klagenfurter ensemble.
Uraufführung: Theater Halle 11, Termine: 14., 15., 19. – 21., 26. – 30. Oktober, 20.00 Uhr; Karten: 0463/310 300 oder ke@klagenfurterensemble.at

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