Rotes Kreuz Osttirol setzt auf junge Lebensretter

Das Projekt „Just do it“ trägt Früchte. Pro Jahr werden rund 600 Jugendliche für den Ernstfall geschult.

Erste Hilfe ist wichtig. Nicht nur für Erwachsene, auch für Kinder. „Studien und Alltagsszenarios belegen, dass durch die Schulung der Jüngsten lebensrettende Erfolge möglich sind“, erklärt Stephan Hofmann, Rotkreuz-Geschäftsführer in Osttirol. Weltweit betrachtet hat die Schulung von Jugendlichen in der Wiederbelebungskette eine besonders hohe Wirkung. Das wurde unter anderem vom Europäischen Wiederbelebungsrat (ERC) bestätigt.

Das Potenzial von Kindern und Jugendlichen hat man im Bezirk schon 2009 erkannt und damals – initiiert von Peter Lechleitner – das Projekt „Just do it“ ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Kooperation des Roten Kreuzes mit dem Jugendrotkreuz und dem Lienzer Krankenhaus. In drei Einheiten lernen Schüler:innen der siebten Schulstufe das richtige Verhalten im Ernstfall. Notfallcheck, Herzdruckmassage und die Verwendung eines Defibrillators meistern die jungen Menschen danach ohne Probleme.

Im Rahmen von „Just do it“ werden Jugendliche aus Osttirol für den Ernstfall geschult.
Alfred Senfter ist Facharzt für Anästhesie und trainiert Schüler:innen seit 2009. Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Ein Umstand, der sich bezahlt macht. „Im Schnitt liegt die Überlebensrate nach einem Herz-Kreislaufstillstand bei rund acht Prozent. Mit diesem Projekt und weiteren strukturellen Veränderungen konnte dieser Wert in Osttirol nachweislich verdoppelt werden“, berichtet Alfred Senfter, der im BKH Lienz als Facharzt für Anästhesie arbeitet und das Projekt seit 2009 betreut.

So ergab eine Untersuchung im Bezirk, dass 43 von 135 erfassten Wiederbelebungen zwischen 2004 und 2009 erfolgreich waren. Nach Start von „Just do it“ gab es zwischen 2010 und 2015 insgesamt 196 Reanimationen – 68 mit Erfolg. Die Zahl der Patienten, die ohne neurologische Schäden überlebten, wurde von 4,4 auf 9,7 Prozent deutlich gesteigert. „Und das, obwohl der Bezirk Lienz für das Überleben im Ernstfall alles andere als ideale Bedingungen bietet“, so Senfter.

Die verbesserte Quote führt der Experte unter anderem auf die umfassende Ausbildung an Pflichtschulen, verstärkte Lehrerfortbildungen und die reibungslose Zusammenarbeit mit den Schulen zurück. Pro Jahr lautet für 500 bis 600 junge Menschen das Motto „Just do it“: „Nahezu alle Schulen in Osttirol beteiligen sich an der Aktion.“ Nach zwei Jahren Corona-Pause kehrt die lebensrettende Initiative heuer zurück ins Klassenzimmer.

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz und ist ein Reporter mit Leib und Seele. 2022 wurde Roman vom Fachmagazin Österreichs Journalist:in unter die Besten „30 unter 30“ gewählt.

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