Die Kunst als Wegbegleiter zur inklusiven Gesellschaft

Das Pfleghaus Anras gibt den Kunstwerkstätten der Lebenshilfe aus Bruneck und Lienz eine Bühne. 

Zwei Institutionen, dasselbe Anliegen: Die Kunstwerkstatt „Akzent“, Bruneck, und die Kunstwerkstatt Lienz begleiten und fördern im Rahmen der Trägerorganisationen Lebenshilfe Südtirol und Lebenshilfe Tirol künstlerisch begabte Personen auf ihrem Weg zur selbstständigen und gleichberechtigten Teilnahme am öffentlichen Kunstbetrieb.

Am Freitag, 4. November, wird unter dem Motto „Inklusion – Kreativität – Wertschätzung“ im Anraser Pfleghaus eine gemeinsame Ausstellung von Künstlerinnen und Künstlern beider Einrichtungen von der Südtiroler Landesrätin Waltraud Deeg eröffnet. Am Samstagnachmittag gibt es zusätzlich noch eine Theateraufführung der Kunstwerkstatt Akzent, am Sonntagvormittag eine Lesung von Annemarie Delleg und Julian Messner, beide aus Bruneck, sowie ein Konzert der Band „Miteinanders“.

Darüber hinaus leiten am Freitag um 20.00 Uhr zwei Impulsreferate, gehalten vom Geschäftsleiter der Lebenshilfe Südtirol und Thomas Niederwieser, Regionalleiter der Lebenshilfe in Osttirol, ein Symposium zum Thema Inklusion ein. „Die Veranstaltung, finanziell unterstützt von der Tiroler Versicherung, versteht sich nicht zuletzt als Beitrag zur Stärkung der länderübergreifenden Achse des Pustertals“, betont Gottfried Unterweger, der Geschäftsführer des Vereins Pfleghaus Anras.

Die Kunstwerkstatt „Akzente“ hat ihren Ursprung in einer privaten Elterninitiative vor gut zwanzig Jahren, zu einem Zeitpunkt, als Künstlerinnen und Künstler der Kunstwerkstatt Lienz bereits an internationalen Ausstellungen, u. a. an der Documenta in Kassel, teilgenommen hatten. Die Zusammenarbeit war damals sehr eng und soll nun einen neuen Anstoß erhalten. Im Fokus steht das Verhältnis zwischen Künstler und Kunstbetrieb, das prototypisch nach Antworten auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Einzelperson und Gesellschaft zu geben versucht.

Als durchaus erfreulich beurteilen die Leiter beider Standorte, Sarah Zingerle und Rudolf Ingruber, bei einem Pressegespräch die Entwicklung in Richtung einer inklusiven Gesellschaft. „Es gibt aber immer noch Luft nach oben“, weiß Ingruber, der die Aufgaben aus über dreißigjähriger beruflicher Tätigkeit kennt. „Dazu gehören auch wechselnde Sprachkonventionen, die sich so lange in der euphemistischen Tretmühle verrennen, solange man Menschen etwa aufgrund vermeintlicher besonderer Bedürfnisse an ihrer restlosen Gleichwertigkeit hindert.“

In der Vorbereitung auf die Ausstellung entstand ein beeindruckendes Video von Rudolf Ingruber und Clemens Pilch über die Kunstwerkstatt Lienz, das wir unseren Leser:innen nicht vorenthalten möchten:


Das Programm der Lebenshilfe-Veranstaltungsreihe am 4., 5. und 6.November im Pfleghaus Anras zum Download.

Ein Posting

Raphael Pichler

Großes Lob! Eine Reportage, die gleichzeitig unsere provinziellen Grenzen lange hinter sich gelassen hat und sie doch wieder in bittere Erinnerung ruft.

 
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