„Ich will immer Stress auf dem Feld haben.“

Markus Hanser hat dem FC Sillian eine Siegermentalität eingeimpft, die Unterliga ist in Sichtweite. Ein Interview.

In der vergangenen Saison setzte der FC Sillian-Heinfels in der Winterpause Markus Hanser auf die Trainerbank, der mit der bis dahin formschwachen Mannschaft den Klassenerhalt schaffte. Nach der ersten kompletten Vorbereitung unter Hanser spielen die Oberländer derzeit in der 1. Klasse groß auf.

Mit 33 Punkten aus 15 Spielen und nur zwei Niederlagen grüßt Sillian in der Winterpause mit Lurnfeld von der Tabellenspitze. Nun könnte Hanser schaffen, was ihm bereits vor Jahren in Assling gelungen ist: Der Aufstieg in die Unterliga.

Sillian-Coach Markus Hanser beim Dolomitenstadt-Interview in einem Lienzer Café. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Markus, vor knapp einem Jahr hast du den FC Sillian mitten in der Saison übernommen. Damals drohte der Abstieg in die 2. Klasse. Ein Jahr später steht der Verein an der Spitze der Tabelle und spielt um den Aufstieg mit. Was hat sich in diesem Jahr getan?

Ich bin damals angekommen, die Mannschaft war verunsichert und körperlich in keinem guten Zustand. Ich wollte dann einfach punkten, um die Klasse zu halten. Mich hat die Aufgabe gereizt. Die Wintervorbereitung damals war brutal, sonst hätte das nicht geklappt.

Wie hast du aus einer verunsicherten Truppe ein Siegerteam geformt?

Vor der aktuellen Saison habe ich die Mannschaft dann gefragt, ob sie bereit ist, ein Jahr alles zu investieren und Feiern, Krampustreiben und Ausflüge zurückzuschrauben. Das Team hat das angenommen und das sieht man an den Resultaten. Ich will defensiv ins Risiko gehen, hoch stehen und aggressiv sein. Das als Team zu verinnerlichen, ist brutal anstrengend. Bisher habe ich es glücklicherweise überall geschafft, meine Philosophie zu vermitteln und die Zuschauer lieben diese Spielweise. Es herrscht große Euphorie.

Seit 17. September seid ihr ungeschlagen. Bist du überrascht, wie schnell und gut sich das Team entwickelt hat?

Ja, weil wir personell nicht viel verändert haben. Wir haben uns mit ein paar Kräften verstärkt, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft. Gemerkt habe ich das dann recht schnell. Schon in den Aufbauspielen haben wir in jeder Hinsicht mitgehalten, auch mit Unterligisten. Ich will einfach Stress auf dem Feld haben, die Arbeit gegen den Ball muss genauso Spaß machen wie eigene Aktionen und natürlich braucht es Laufbereitschaft. Mein Team zieht voll mit und entwickelt sich stetig weiter.

Die Hinrunde ist nun zu Ende. Lauten die Ziele für die Rückrunde Aufstieg und Meistertitel?

Ich treffe mich demnächst mit dem Verein, um zu klären, was die Verantwortlichen wollen.

Bei all den beeindruckenden Auftritten im Herbst muss man doch um den Aufstieg spielen?

Natürlich, das steht außer Zweifel. Es müssen aber alle mitziehen. Die Mannschaft hat das Zeug dazu, wir können jeden ärgern.

Mit welchen Teams rechnest du im Meisterkampf?

Die Liga hat heuer generell ein hohes Niveau, ich habe daher alle Teams, die jetzt oben dabei sind, auf dem Zettel. Lurnfeld wird sich verstärken, auch Seeboden, Kötschach und Oberlienz sind gefährlich.

Sind auch bei euch in Sillian Neuzugänge im Gespräch?

Man braucht immer wieder neues Blut. Ich werde dem Verein vorschlagen, aktiv zu werden. Es macht aber nur Sinn, ein, zwei Spieler zu holen, die uns sofort helfen. Ich habe in Sillian den Vorteil, 18 gute Spieler zu haben. Ich kann beliebig durchwechseln, ohne spürbar an Qualität zu verlieren. Diese Leistungskultur formt das Team, das wissen die Spieler auch. Fünf von ihnen haben im letzten Jahr während meiner Vorbereitung nahezu 15 Kilogramm abgenommen.

Wie wichtig ist für einen Trainer auch der zwischenmenschliche Draht zu den Spielern?

Ich bin kein großer Psychologe, nehme aber meist die starken Kicker zuerst in die Kritik, weil die schwächeren Spieler dann merken, dass gerecht beurteilt wird. Nur so schafft man Zusammenhalt in der Kabine.

Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, auch im Amateursport. Das haben wir zuletzt bei den Trainerwechseln in Nußdorf-Debant und Matrei gesehen. Ist das Trainergeschäft undankbarer geworden?

Ja, absolut. Es wird mittlerweile zu wenig Geduld entgegengebracht. Nichtsdestotrotz macht das Trainerleben enorm viel Spaß (lacht).

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz und ist ein Reporter mit Leib und Seele. 2022 wurde Roman vom Fachmagazin Österreichs Journalist:in unter die Besten „30 unter 30“ gewählt.

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