Tiroler Jungbauern erneut im Oppositions-Visier

Nach der Covid-Förderung stößt nun die Finanzierung der Mitgliederzeitung „Logo“ auf Kritik.

Die Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend befindet sich wieder im Visier der Opposition. Der Grund: Ein Bericht der „Tiroler Tageszeitung“, wonach die Organisation in den Jahren 2018 bis 2022 85.000 Euro an Förderungen durch das Landwirtschaftsministerium für ihre Mitgliederzeitung „Logo“ erhielt. Das Ministerium teilte indes der APA mit, dass die Förderungen „nicht für ein einzelnes Bundesländermagazin“ ausbezahlt worden seien. Die Opposition sprach von „schwarzer Fördergier“.

Laut Landwirtschaftsministerium sei die Förderung für Grafik- und Druckkosten „an die Landjugend Österreich und deren Landesorganisationen insgesamt ausgezahlt“ worden – im Jahr macht dies einen Betrag von 17.100 Euro, gerechnet auf fünf Jahre also 85.500 Euro, aus. Damit würden die „acht Bundesländer-Ausgaben der Landjugend-Zeitschriften“, die jährlich vier Mal mit einer Auflage von mehr als 60.000 Stück erscheinen, unterstützt, so das Ressort in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Als Lehrbehelf für land-und forstwirtschaftliche Schulen empfohlen? Die Zeitschrift „LOGO“ der Tiroler Jungbauernschaft. Fotomontage: Dolomitenstadt

Die Gelder wurden im Zuge der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ bekannt, auf die sich die „TT“ bezog. „Auf Grundlage der jeweiligen Förderansuchen erhielt die Landjugend Österreich und deren Landesorganisationen in den Jahren 2018 bis 2022 jährlich insgesamt 17.100 Euro an Bundesmitteln gemäß der Sonderrichtlinie des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus zur Förderung der Land-und Forstwirtschaft aus nationalen Mitteln (Bildung – Fort-und Weiterbildung) für Grafik-und Druckkosten“, hieß es darin konkret von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP).

Die gewährte Förderung erfolge „auf Basis der Sonderrichtlinie zur Förderung der Land- und Forstwirtschaft, um Maßnahmen zu setzen, die Jugendlichen die Ziele der österreichischen Landwirtschaft bzw. der Gemeinsamen Agrarpolitik näher bringt, und sie motiviert sich aktiv damit auseinander zu setzen bzw. im Sinne dieser Ziele im ländlichen Raum mitzuwirken“, wurde seitens des Ressorts zudem mitgeteilt.

Vom Ministerium wurde die Broschüre laut „TT“ als Lehrbehelf für land- und forstwirtschaftliche Schulen empfohlen. Dazu hieß es vom Ministerium, dass in den Schulen des Landwirtschaftsministeriums Lehrbehelfe im Unterricht „gemäß den gesetzlichen Vorgaben nach Bedarf und Aktualität eingesetzt“ würden. Im Sinne der Methodenfreiheit treffe die Entscheidung über den Einsatz von Materialien im Unterricht die jeweilige Lehrkraft. Eine Abnahmeverpflichtung der Zeitschrift bestehe nicht.

Das Mitgliedermagazin „Logo“ erscheint fünfmal im Jahr. Als Herausgeber fungiert die Landjugend Österreich. Medieninhaber, Eigentümer, Verleger und für den Inhalt verantwortlich ist jedoch, wie aus dem Impressum ersichtlich, die Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend.

Die Tiroler Opposition brachten die bekannt gewordenen Förderungen jedenfalls auf die Palme. „Die Mitglieder der Tiroler Jungbauernschaft sind das Opfer schwarzer Fördergier“, zeigte sich Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger empört. Von den Spitzenfunktionären seien die einfachen Funktionäre und Mitglieder politisch missbraucht worden, um an Gelder zu kommen. Liste Fritz-Klubobmann Markus Sint hielt es für „komplett unangebracht“, das Mitgliedermagazin großzügig mit dem Steuergeld aller Bürger zu fördern und es noch dazu als Lehrbehelf an den landwirtschaftlichen Schulen einzusetzen: „Das geht gar nicht, das gehört sofort abgestellt.“

Empört auch Grünen-Klubobmann Gebi Mair, bis vor kurzem ÖVP-Koalitionspartner im Land. Er sprach von einer „Unverfrorenheit“. Der Landwirtschaftsminister müsse die Finanzierung „für die ÖVP-Parteizeitschrift ‚Logo'“ unverzüglich einstellen. Für NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer ist „alles unfassbar“. Er sprach sich für eine transparente Förderung aus.

Unterdessen kam offenbar nicht nur der schwarze, sondern auch der rote Nachwuchs in den Genuss von Förderungen. Der Sozialistischen Jugend (SJ) wurden laut „TT“ – ebenfalls aus dem Titel des Bundes-Jugendförderungsgesetzes – für ihre Website und die Mitgliederzeitung „Trotzdem“ für die Jahre 2019, 2021 und 2022 zusammengerechnet 57.000 Euro zuerkannt.

Die Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend war im heurigen Herbst während des Landtagswahlkampfes in die Negativschlagzeilen geraten. Vom grünen Vizekanzleramt wurde ihr auferlegt, aus dem NPO-Fonds erhaltene Corona-Hilfsgelder über 800.000 Euro an Teilvereine der Jungbauernschaft zurückzuzahlen, da die Jungbauern vom Ministerium dem Tiroler Bauernbund, einer Teilorganisation der Tiroler ÖVP, zugerechnet werden.

Die Jungbauern argumentieren jedoch, dass die Ortsvereine keine Teilorganisationen der ÖVP seien, sondern lediglich ihr nahestehende Organisationen. Nur die Landesorganisation der Jungbauern sei eine Sektion des Tiroler Bauernbunds. Und die hatte nicht um Förderung angesucht. Die Jungbauern wollen nicht zurückzahlen, im Oktober gaben sie eine entsprechende Stellungnahme ab. Eine Prüfung durch das Vizekanzleramt dauerte vorerst an.

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7 Postings

senf

grundsätzlich sollte es die als övp-parteiorganisation klar deklarierte "jungbauernschaft" weiterhin im ländlichen raum geben. ob der anspruch allen gerecht ist, sei dahingestellt, denn es gibt unter jungbauern auch andersdenkende mit anderen wertevorstellungen, für die es ev. andere politische vertretungen gäbe. der begriff "Landjugend" ist ein überbegriff und hat in dieser gruppierung allerdings nichts verloren.

unter "landjugend" in den ländlichen gemeinden stell ich mir eine parteifreie organisation vor, in der sich die heranwachsenden für viele gemeinnützige aufgaben entfalten können und dort ein soziales und überparteiliches umfeld finden. sie bleiben dann handlungsfrei und wären auch projektbezogen ohne fahlen beigeschmak förderungswürdig. Dazu bedarf es führungskräfte, die keine politische partei vereinnahmen oder inhalieren kann. auch nicht der heutzutage übliche "überparteiliche" bürgermeister/in.

leider wird begriff "landjungend" seit 1991 als schlagkräftige begriffserweiterung von den jungbauern völlig falsch interpretiert und parteilich vereinnahmt, ja eigentlich missbraucht, weil eine klare definition fehlt. ein alter trick, um auch bauernfremde jugendliche nach und nach an parteinteressen heranzuführen oder zu gewöhnen. es wär daher höchst an der zeit, diesen zusatz der jungbauernorganisationen ersatzlos zu streichen.

eine eigene zeitschrift der " die landjugend" würde dann auch für schulen in allen berufssparten und auch zur fortbildung dienlich sein.

einen versuch wärs wert, liebe chronos!

 
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    Chronos

    Ja, lieber senf! Das sehe ich auch so.

    Den meisten Mitgliedern der JBLJ ist die Instrumentalisierung der Tiroler JBLJ gar nicht bewusst. Und auch, dass die ÖVP aus den wohlverdienten Landgemeinden-Vereinen der JBLJ ihre jungen Funktionäre für Bauernbund und ÖVP lukriert - Kaderschmiede der ÖVP! Von den jungen ÖVP-Partei Mitgliedern, welche als Funktionäre im Verein der Jungbauern/Landjugend tätig sind, ist es jedoch kalkuliert. Denn der Weg ist damit geebnet und vorgezeichnet, mit Aufstieg in Bauernbund und in der Partei!

    Deshalb sollten sich alle Nicht-ÖVP-Mitglieder in der Tiroler JBLJ und alle, welche mit der Partei (ÖVP) nichts am Hut haben (wollen), an ihre Funktionäre in der ÖVP wenden, um ihren Umut an der richtigen Adresse, kund zu tun!

     
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Holzknecht

jeden tag was neues was die övp an födermittel und subvensionen bekommen oder ergaunert haben! aber langsam reicht es aber.war eimal kleiner unternehmer ,hatte aber nie einen cent förderung erhalten. kam aber immer so schlecht und recht über die jahre hinweg.eine jammerrei hatte ich aber nie.würde mal gerne die immer ehrliche övp(bauernbund und jungbauernschaft) einmal fragen,ob sie sich überhaupt nicht schämen gegen andere berufsgruppen die selten etwas bekommen haben!!!!!!

 
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Biker

Man kann davon ausgehen dass die Wahlkämpfe der nächsten Jahrzehnte alle schon über undurchsichtig versickerte Coronahilfen und Auszahlungen an parteinahe Vereine, Firmen und Institutionen finanziert sind!

Unser Staat ist ein Selbstbedienungsladen für einige wenige! Klar ist das wir alle das bezahlen dürfen!

Es gilt die Unschuldsvermutung!

 
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    senf

    @biker;

    TT-heute, Fiskalratchef Badelt warnt vor "sinnlosen Ausgaben" und sieht "Eine konjunkturgerechte Rückführung der gegenwärtigen expansiven Fiskalpolitik" als notwendig und "eine planmäßige Rückführung temporärer Unterstützungsleistungen als unerlässlich"

    Vielleicht derwischt es dann doch auch "die wenigen im Selbstbedienungsladen Österreichs", wie du ja meinst - oder uns alle!

    I grins ma oans!

     
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Chronos

Es ist einfach mühsam. Eine ÖVP ohne Einsicht!

Unvorstellbare 46 Milliarden an Covid-Förderungen wurden von der Regierung (ÖVP/Grün) ausgeschüttet und dafür eine eigene Finanzierungsagentur, die COFAG gegründet, abseits jeder Kontrolle! Der Endbericht des Rechnungshofs geht mit der COFAG hart ins Gericht – vieles bleibt Geheimsache.

Ein Wildwuchs an Förderungen – "Koste es, was es wolle"! Und das ÖVP-Klientel wurde natürlich bevorzugt behandelt, unter anderem auch die Tiroler Jungbauern. Es ist auch mühsam zu diskutieren, ob die TJBLJ nun ÖVP-Teilorganisation ist oder nicht.

Wer zahlt schon gerne "Geschenke" - Fördergelder in Millionenhöhen zurück. Man sollte aber bedenken, dass es sich um Steuergeld handelt. Und in irgendeiner Form werden wir alle, das begleichen müssen. Devise: Hauptsache man ist selber gut ausgestiegen und hat im vollem Umfang profitiert! Die anderen sind mir egal...

Und was ich am wenigsten verstehe, ist, dass Parteien wie die FPÖ oder die ÖVP mit der Bevölkerung tun und lassen kann, wie sie wollen, doch mind. 20% der Bevölkerung wird eine dieser Parteien trotz allem wählen. Vielleich hängt es daran, dass es einigen egal ist, oder sich sagen, die anderen Parteien sind nicht besser.

 
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steuerzahler

Wieso muß eine Vereinszeitung überhaupt gefördert werden? Die Vereine sollen ihre Zeitschriften, Veranstaltungen, Werbung usw, gefälligst aus ihren Mitgliedsbeiträgen finanzieren. Dazu ist der Verein schließlich da. Die bei uns übliche Gießkannenförderung dient nur als Parteienwerbung und -finanzierung. Das ist Steuergeldmißbrauch und gehört abgestellt.

 
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