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Streuobstwiesen sind ökologische Schatzkammern

Großkronige Bäume sind bedeutsam für die Biodiversität und die regionale Wertschöpfung.

Blühende Obstbäume bieten derzeit vielerorts ein malerisches Landschaftsbild und Naturerlebnis. Die großkronigen Bäume, bunt in Wuchsform, Alter und Sorte, stehen in Weingärten, auf Äckern und Grünland, in Hausgärten und Höfen in ganz Österreich und sind bedeutsam für die regionale Wertschöpfung in Landwirtschaft und Tourismus sowie für die Biodiversität. Österreich sitzt auf einem Obstschatz. Der Klimawandel stellt den Erhalt des Streuobstes aber vor Herausforderungen.

Sie tragen Namen wie „Steirische Schafnase“ oder „Gute Graue“ und ihre Früchte finden kaum je den Weg in den Supermarkt - laut Schätzungen gibt es in Österreichs Streuobstgärten rund 2.000 Obstsorten, genau weiß man es nicht. Einige davon sind so selten, dass sie nie beschrieben wurden, und viele sind sehr alt. So dürfte die „Streuobstsorte des Jahres 2024“, die „St. Veiter Pfelzkirsche“, laut der „ARGE Streuobst“ bereits weit vor 1900 im Pongau verbreitet gewesen sein. In vielen Regionen Österreichs, wie in Oberösterreich, im Mostviertel, in Kärnten, der Steiermark oder in Vorarlberg, gehören Streuobstflächen, als Grundlage für Tafelobst, Most und Edelbrände, zur Kulturlandschaft.

Doch seit dem Beginn des Intensivobstbaus Mitte des 20. Jahrhunderts werden die Streuobstflächen immer weniger. Pflanzenkrankheiten wie der „Feuerbrand“ oder der Birnenverfall, Verbauung und der Verlust von Wissen um Pflege und Schnitt tun ihr Übriges. Bis zu 70 Prozent der Obstbäume sind laut der „ARGE Streuobst“ bereits verschwunden, viele bestehende sind überaltert. Inzwischen hat aber ein Umdenken eingesetzt: Brenner, Mosterzeuger, Bauern, Imker-, Obst- und Gartenbauvereine engagieren sich für den Erhalt der Bäume.

1930 gab es rund 35 Millionen Obstbäume in Österreich. Heute sind es nur mehr 4,2 Millionen. Foto: Themenbild/APA

Seit 2000 bemüht sich die Initiative „ARGE Streuobst“ um das Kulturgut, das 2023 als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt wurde, etwa im Rahmen des „Tags der Streuobstwiese“ jeden letzten Freitag im April, heuer am 26. April. Vielerorts werden Bestände aufgeforstet: So wird eine Aktion der Vorarlberger Landwirtschaftskammer 1.500 neue Obstbäume in die Gärten bringen, 1.000 waren geplant. Parallel müsse auch bei der Wissensvermittlung um Schnitt und Obstverwertung nachgezogen werden, so Obstbaumreferent Ulrich Höfert, „allein die Pflanzung ist zu wenig“.

Immer mehr anerkannt wird die Bedeutung der Streuobstwiesen als Kohlenstoff-Speicher, Erosionsschutz, Schattenspender, Umgebungskühler und für die Biodiversität. Sie gehören zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas, bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten sollen dort zu finden sein. Seit Ende 2023 untersucht ein interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) das genauer. Ziel ist eine Methode zur Erfassung und zum Biodiversitätsmonitoring von Streuobstflächen.

Mithilfe von Geodaten und Felderhebungen sollen die Baumbestände bundesweit kartiert werden, denn viel weiß man dazu bisher außerhalb des landwirtschaftlichen Bereichs nicht. 1930 dürfte es rund 35 Mio. Obstbäume in Österreich gegeben haben, heute sind es vermutlich nur mehr 4,2 Mio., so die Schätzung. Das Projektteam erfasst zudem Indikatorarten: Wildbienen, Tagfalter, Vögel, Fledermäuse. „Viele definieren den Wert von Streuobstflächen über die traditionelle Bewirtschaftung, ihr Stellenwert als Lebensraum rückt aber immer mehr in den Fokus“, sieht Projektleiterin Sophie Kratschmer vom Institut für Zoologie ein wachsendes Bewusstsein.

„Jeder neu gepflanzte Obstbaum hat einen hohen Wert“, betont auch Johanna Kronberger von Birdlife. Die Streuobstbäume seien für Vögel, darunter die selten gewordenen Arten Gartenrotschwanz, Wendehals oder Steinkauz, extrem wichtig, da die alten Bäume Nisthöhlen und viele Insekten böten. „Sie sind Nahrungs- und Wohnplatz in einem“, so die Expertin. Lange habe es kaum Bewusstsein für den Wert dieser Bäume gegeben und gerade im Vorarlberger Rheintal habe der Feuerbrand große Verluste verursacht, nachgepflanzt wurde wenig. „Dass sich das nun ändert, ist sehr, sehr erfreulich“, so Kronberger.

Der Klimawandel mit langen Trockenphasen und Hitze, warmen Wintern und Spätfrösten fordert die Obstbäume allerdings stark heraus. Dieser Stress führe zu einer stärkeren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten, so Andreas Spornberger, der für das BOKU-Institut für Wein- und Obstbau in einem federführend vom Verein „Arche Noah“ geleiteten Forschungsprojekt Strategien zur Klimawandelanpassung im Obstanbau entwickelt. „Gerade bei der Birne hatten wir durch den Birnenverfall ein großes Baumsterben“, erzählt Spornberger. Die Wahl des richtigen Standorts und der richtigen Obstart wird also wichtiger - und schwieriger.

Für derzeitige Gunstlagen kommen laut dem Forscher in Zukunft vielleicht andere Obstarten als bisher infrage, möglicherweise erschließen sich auch neue Anbaugebiete in höheren Lagen. Wie alle Bäume leisteten die Obstbäume einen wichtigen Beitrag zur Umgebungskühlung und zur CO₂-Speicherung. „Die Streuobstflächen sind im Prinzip ein lichter Laubwald und wirken klimaausgleichend“, so Spornberger. Am Ende soll ein konkreter Leitfaden für die klimafitte Anlage und Baumpflege entstehen, in den auch lokales Wissen der Obstbauern einfließt.

In der Sorten- und Artenvielfalt liegt also der Schlüssel zum Erhalt des Streuobstes: Der bunte Genpool bietet Sorten, die Wetterextremen und neuen Krankheiten gewachsen sind. So wird die Obstbaumblüte hoffentlich auch in den nächsten Jahrhunderten der Inbegriff des Frühlings in Österreich sein.

3 Postings

Gertrude
vor einem Monat

Leider sind wir fast immer spät.

Sind wichtige Dinge für immer verschwunden, dann erst erkennen wir deren Wert. Daher, liebe Politik, handelt vorausschauend für unsere nächsten Generationen.

Auch sie hätten noch gerne eine lebenswerte Umwelt.

 
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wolf_C
vor einem Monat

bei -hagel.at- gibt es viele schöne Beispiele für würdige Umweltgstaltung in dieser Richtung; hier im Lienzer Autodrom fährt der Beton über die letzten Wiesen(beim restlichen Grünland braucht niemand mehr von -Wiese- zu reden)um platten Platz für Auti zu machen, Politik und Behörde als oberste Naturzerstörer

 
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Burgi
vor einem Monat

Umso schmerzlicher ist es, dass die schöne, alte Streuobstwiese beim Schlossmoar von den LBB zerstört und furchtbar verschandelt wurde (derzeit teilweise asphaltiert und mit Containern verstellt). Das hätte, im Sinne eines sanften Tourismus, ein feiner, parkähnlicher Aufenthaltsort und ein Eldorado für Artenvielfalt in Stadtnähe werden können! https://osttirolnatur.at/tourismusaward-fuer-schlossmoar-idyll/

 
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