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Hoffnung für chronisch an Darmentzündung Erkrankte

Eine Tiroler Studie stellt neue Behandlungen in Aussicht. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen nehmen zu.

Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck haben in einer Studie neue Erkenntnisse für die Diagnose von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gewonnen. Neben dem Wert des Gesamtmoleküls Calprotectin wurden im Stuhl von Patienten auch dessen Untereinheiten gemessen. Anhand dieser könne man genauer nachweisen, wie aktiv eine Krankheit tatsächlich ist, betonte Timon Adolph im APA-Gespräch. Dies sei „ein erster bedeutender Schritt“ zu neuen Behandlungsmöglichkeiten.

„Calprotectin selbst war nicht entzündungsfördernd, seine Untereinheiten S100A8 und S100A9 hingegen schon“, erklärte der Mediziner. Dabei gelte Calprotectin als klassischer Darm-Entzündungsmarker, anhand dessen man den Schweregrad von Entzündungen im Darm feststellen kann: „Ist der Wert erhöht, spricht das für eine Entzündung“, erklärte der Gastroenterologe.

Herbert Tilg, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin, macht Darmpatienten Hoffnung. Foto: Uniklinik Innsbruck/Gerhard Berger

Unter der Leitung von Herbert Tilg, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin, habe man in der Studie jedenfalls nachweisen können, dass die Einzelteile des Moleküls genauere Aussagen auf das Krankheitsbild eines Patienten ermöglichen. Nun möchte man in einer Folgestudie am Menschen versuchen, die Einzelteile von Calprotectin (S100A8 und S100A9) jeweils gezielt zu hemmen. Das würde „ganz neue Therapieansätze eröffnen“, betonte Adolph. Es könne in der Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nämlich bald möglich sein, dass „nicht mehr der gesamte Calprotectin-Komplex, sondern direkt die Untereinheiten“ gehemmt werden. Man sei jedenfalls auf dem besten Weg, gemeinsam mit Partnern Therapeutika zu entwickeln, welche genau dafür eingesetzt werden könnten, berichtete er.

Getrennte Eiweiße trieben Entzündung in Modellen an

Die Arbeitsgruppe habe Stuhlproben von fast 700 Betroffenen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen analysiert, betonte indes Almina Jukic, Erstautorin und PhD-Studentin an der Med Uni Innsbruck. „Neben dem bekannten Calprotectin-Komplex haben wir auch Homodimere nachgewiesen“, erklärte sie. Das seien Moleküle, die aus zwei gleichen Eiweißbausteinen - etwa zwei S100A8 oder zwei S100A9 Eiweißen - bestehen. Im Gegensatz dazu setze sich der Calprotectin-Komplex aus zwei unterschiedlichen Eiweißen zusammen. Während die Calprotectin-Gesamtwerte bei einigen Patienten mit klinischer und endoskopischer Krankheitsaktivität offenbar unauffällig bzw. niedrig waren, konnten erhöhte Werte von S100A9 im Stuhl nachgewiesen werden, berichtete Jukic. „Das macht S100A9 zu einem vielversprechenden zusätzlichen Marker für die Krankheitskontrolle“, sagte sie.

Darüber hinaus hat eine Behandlung mit den getrennten S100A8- oder S100A9-Proteinen Darmentzündungen in experimentellen Versuchen verschlimmert, während dies beim gesamten Calprotectin-Komplex nicht zu beobachten war. Eine genetische Ausschaltung von S100A9 habe bei den Modellen zudem vor Darmentzündungen geschützt und eine medikamentöse Hemmung von S100A9 eine chronische Kolitis verbessert, sagte Jukic.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen nehmen zu

In Österreich seien indes rund 75.000 Menschen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa betroffen, erklärte indes Adolph. Epidemiologen würden jedoch einen Anstieg auf etwa ein Prozent der Bevölkerung bis 2030 erwarten, sagte er. Weltweit seien bereits jetzt circa 20 Millionen Menschen daran erkrankt.

Diese chronischen und nicht heilbaren Darmerkrankungen würden bei Menschen vor allem „in der zweiten und dritten Lebensdekade diagnostiziert“ und begleiten die Patienten dann „bis ins hohe Alter“, erklärte der Gastroenterologe. „Wir glauben jedenfalls, dass eine Verwestlichung der Ernährung - mit all den Schadstoffen stark industrialisierter Lebensmittel - ein wichtiger Treiber für diese Entzündungsprozesse im Darm und folglich für chronisch entzündliche Darmerkrankungen ist“, meinte Adolph.

Folgestudien geplant

Die aktuelle Studie würde indes in Kürze im Fachjournal „Gastroenterology“ veröffentlicht werden, betonte der Mediziner. Zurzeit arbeite man jedenfalls an großen Biomarkerstudien, um der Frage nachzugehen, ob dies die Früherkennung einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder eines Schubes der Erkrankung hat. Ein nächster Schritt sei dann auch die Entwicklung von Hemmstoffen gegen S100A9 im Rahmen von Kooperationen voranzutreiben, berichtete der Forscher.


Zu diesem Thema gibt es auch einen Dolomitenstadt-Podcast aus der Serie „Reden hilft“:

2 Postings

isnitwahr
vor einem Monat

Allein schon der eine Satz über die hochverarbeiteten Lebensmittel sagt alles. Deshalb ist es für mich so überhaupt nicht nachvollziehbar, dass die Politik nicht handelt. Preise bei diesem, man verzeihe mir den Ausdruck "Billigfraß" massiv hinauf setzen vzw. hoch besteuern und diejenigen unterstützen, die gesunde Lebensmittel herstellen, damit diese für alle leistbar werden. Lieber schröpft man die Bevölkerung mit Erhöhung der Krankenkassenbeiträge, anstatt die Verursacher in die Pflicht zu nehmen. Aber man lässt sich zu leicht von Lobbyisten kaufen.....

 
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Anavlis123
vor 2 Monaten

Schön zu lesen, dass man diese Thematik transparent macht und auch die Forschung voran kommt, ich hoffe wir lesen dann auch über die Entwicklung und den Fortschritt. Der Darm mit "Charme" hat so seine Tücken und Herausforderungen, die für Betroffene den Alltag und deren Lebenswelt stark einschränken. Wie erwähnt, stößt man immer noch auf Unverständnis und ist oft in Erklärung, oder Rechtertigung. Das sind keine Befindlichkeiten die CED mit sich bringt, sondern es ist eine schwerwiegende Erkrankung. Man sieht es einem von außen nicht an, aber innen ist ganz viel los. Vielen Dank für den Podcast!

 
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