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Digitales Dänemark hängt seine letzten Briefkästen ab

Staatliche Post stellt die Briefzustellung wegen geringer Nachfrage ein. Ein Privatunternehmen übernimmt.

Als wohl erstes Land Europas hat das hoch digitalisierte Dänemark kürzlich die öffentliche Briefzustellung eingestellt und nun auch sämtliche Briefkästen aus dem Stadtbild entfernt. Das Privatunternehmen Dao übernimmt das Ruder und hält die Briefzustellung aufrecht. Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang: Der Weltpostverein teilt mit, ihm sei nicht bekannt, dass ein anderes Land unlängst einen ähnlichen Schritt gemacht habe.

Seit Jahren werden kaum Briefe verschickt

„Die Dänen sind immer digitaler geworden, und das, was früher als Brief verschickt wurde, erhalten die allermeisten heute digital", heißt es von Postnord. Seit der Jahrtausendwende sei die Briefmenge im Land um mehr als 90 Prozent gefallen, Tendenz weiter sinkend.

Auch seine Tage sind gezählt: Die roten Briefkästen des staatlichen Postunternehmens sind zwar ab sofort Geschichte, doch noch können sie ersteigert werden. Foto: APA/AFP/Archiv

Viele der rund 1.500 roten Briefkästen im Land wurden bereits seit dem Sommer nach und nach abgenommen. Auf dem Schrottplatz sind sie aber nicht gelandet: Seit Mitte Dezember konnten Interessierte einen von 1.000 der Kästen - „ein kleines Stück dänisches Kulturerbe", wie es von Postnord hieß - online erwerben. Je nach Gebrauchsspuren kosteten sie umgerechnet 200 bis 270 Euro. Die Einnahmen sollen einem guten Zweck zugutekommen. Innerhalb weniger Tage waren alle Briefkästen verkauft. Ab Jänner sollen weitere 200 Exemplare versteigert werden, darunter auch einige, die von dänischen Künstlern gestaltet wurden. Weitere Exemplare der Postkästen, die mehr als 170 Jahre einen Teil des dänischen Stadtbildes ausmachten, dürften einen Platz im Museum finden.

Hoch digitalisiertes Dänemark

Dänemark gilt in Sachen Digitalisierung als Vorreiter. Der Großteil des Schriftverkehrs mit öffentlichen Stellen findet längst über digitale Plattformen statt. Im privaten Briefkasten landet meist nur Werbung. Ausnahmen gibt es für diejenigen, die von der sogenannten „Digital Post“ ausgenommen sind: Dazu zählen etwa 300.000 der knapp sechs Millionen Einwohner, darunter manche Ältere auf dem Land. Die Folgen der Digitalisierung spürte auch Postnord. Das staatliche Unternehmen, zu dem sich die dänische und die schwedische Post 2009 zusammengeschlossen hatten, nahm mit der Zustellung von Briefen in den vergangenen Jahren immer weniger Geld ein. In Zukunft will sich Postnord mit Blick auf den in Dänemark überaus starken Online-Handel vor allem auf die Zustellung von Paketen konzentrieren. Man wolle der bevorzugte Paketlieferant der dänischen Verbraucher:innen werden, erklärte das Unternehmen, als es im Frühjahr die Einstellung der Briefzustellung ankündigte - und zudem die Streichung von 1.500 Stellen verkündete.

Großer Aufschrei blieb aus

Größere Kritik an dem Schritt wurde kaum laut. Die Seniorenvereinigung Faglige Seniorer monierte zwar, dass eine Epoche ende. Man habe eine solche Entwicklung aber schon seit Inkrafttreten eines neuen Postgesetzes Anfang 2024 kommen sehen. Auch der ländliche Interessenverband Landdistrikternes Fællesråd forderte, dass Briefe weiterhin jeden Landesteil zu gleichen Bedingungen erreichen müssten. Doch der große Aufschrei, der blieb aus.

Der dänischen Bevölkerung bleibt nun in erster Linie eine private Zustellungsfirma namens Dao, um Briefe zu verschicken. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht: Was die Pünktlichkeit bei der Briefzustellung betrifft, schnitt das Unternehmen in einer Untersuchung der dänischen Verkehrsbehörde deutlich besser ab als Postnord. Auch der Preis ist attraktiver: Ein Standardbrief innerhalb Dänemarks kostete bei Postnord umgerechnet knapp 3,90 Euro, bei Dao rund 3,10 Euro.

Aus österreichischer Sicht erscheint allerdings auch dieser reduzierte Preis noch absurd hoch: Hierzulande kostet ein Standardbrief innerhalb Österreichs je nach Gewicht zwischen 1,00 und 1,55 Euro. Besonders drastisch wird der Unterschied, wenn man die Auslandspreise betrachtet: Wer einen Brief oder eine Postkarte von Dänemark ins Ausland verschicken wollte, der bezahlte bei Postnord zuletzt umgerechnet stolze 6,70 Euro. Mit Dao werden es nach dem jetzigen Stand immer noch umgerechnet knapp 6,20 Euro sein. Bei der österreichischen Post werden für die vergleichbare Leistung hingegen 1,20 Euro fällig, sofern man die kostengünstige Versandvariante wählt.

„Der Brief lebt weiter"

Doch wie funktioniert in Dänemark künftig die Zustellung der Briefe? Dao verwies in diesem Zusammenhang darauf, selbst 1.500 Postkästen im ganzen Land platziert zu haben. Auch diese sind rot, allerdings stehen sie in bestimmten Paketshops und nicht an der Straße. Man habe keine Pläne, sich wie Postnord vom Briefmarkt zu verabschieden, erklärte Dao: „Der Brief lebt weiter."

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