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SPÖ will Wahlärzte zum Kassentarif arbeiten lassen

Zehn bis 15 Prozent der Kapazität seien „fair“. Wenig Gegenliebe für Reformvorschlag von Anton Mattle.

Geht es nach der SPÖ, sollen Wahlärzte zehn bis 15 Prozent ihrer Kapazität für die Betreuung von Kassenpatienten aufwenden und dafür auch nur den Kassentarif erhalten. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das das Gesundheitsministerium im Vorfeld des Auftritts von Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“ an Medien verteilt hat. Grundsätzlich steht das auch schon im Regierungsprogramm, neu ist aber der angepeilte Prozentanteil.

Sie selbst nannte die Zahl am Sonntag nicht und sprach lediglich von einem „gewissen Teil der Arbeitszeit“. Dies erfolge „natürlich mit Vergütung“ und sei ein Akt der Fairness, so Königsberger-Ludwig zu dem Plan, der schon länger zum Repertoire der Sozialdemokratie gehört.

„Faire Verpflichtung“

Aus dem Ministeriumspapier geht hervor, dass zunächst auf ein freiwilliges Modell gesetzt werden soll, bei dem zum Beispiel über die Gesundheitshotline 1450 Kassenpatienten an Wahlärzte zugewiesen werden könnten. Eine „faire Verpflichtung“ soll allerdings dann geben, wenn alle freiwilligen Schritte ausgeschöpft seien und dennoch Versorgungsengpässe bestünden.

Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig überlegt, wie man eine Verschiebung von Wahl- zu Kassenärzten bewerkstelligen könnte. Foto: APA/Hochmuth

„Wir müssen im Bereich der Wahlärzte Akzente setzen, damit wir mehr Kassenärzte haben“, sagte Königsberger-Ludwig in der „Pressestunde“. Dazu gehöre auch der Abschluss eines österreichweit gültigen Gesamtvertrags mit den Ärzten, zum aktuell intensive Gespräche zwischen Sozialversicherung und Ärztekammer liefen. Hier die Landesärztekammern zu entmachten, wie es der Rechnungshof vorgeschlagen hatte, „sollte wenn überhaupt am Ende stehen“, meinte die Staatssekretärin. Sie sei zuversichtlich, dass man auch so zu einem guten Ergebnis kommen könne.

Generell brauche es eine Reform im Gesundheitswesen, denn es gebe demografische Veränderungen, die Leistungen seien teurer geworden und es gebe eine Verschiebung Richtung Privatmedizin. Notwendig sei in diesem Prozess zunächst die Leistungs- und Versorgungsanalyse, so Königsberger-Ludwig: „Es ist tatsächlich wichtig zu wissen, wo will man welche Leistung anbieten, und dann zu schauen, wie kann man das finanzieren.“

Gegen Mattle-Vorstoß

Wenig begeistert zeigte sich zum Umstrukturierungsvorschlag des Tiroler Landeshauptmanns Anton Mattle (ÖVP) für den Gesundheitsbereich. „Auf den ersten Blick würde diese Verschiebung viel Verantwortung für den Bund und viel Mitsprache für die Länder bringen“, kritisierte sie. Eine bundesländerübergreifende, abgestufte Versorgung komme darin aber nicht vor. „Nur die Kompetenz verschieben, ohne zu sagen, wer bietet die Leistung an und wer bezahlt, macht wenig Sinn“, formulierte sie ihre Absage.

Königsberger-Ludwig ist auch für Konsumentenschutz zuständig, deshalb verwies sie auf Pläne der Bundesregierung, etwaige Preistreiberei im Lebensmittelhandel einzudämmen. Als Beispiele nannte sie die in Ausarbeitung befindliche Preisdatenbank und eine Preisvergleichsplattform sowie die Kennzeichnung von Shrinkflation. Man habe hier viel auf den Weg gebracht, das zeige sich auch daran, dass der Lebensmittelhändler Billa geschrumpfte Packungsinhalte nun freiwillig ausweise.

Zuvor habe es geheißen, dies sei alles schwierig und aufwendig, nun zeige sich, dass „Politik wirkt“, so die Staatssekretärin. „Das ist kein Mehraufwand“, betonte sie mit Verweis auf die digitalen Warenwirtschaftssysteme der Händler.

Ein Posting

Domenik Ebner
vor 20 Minuten

Ein super Beispiel von der SPÖ wie man ein Problem mit Kosmetik übermalen will - ein Grundübel sind die vielen Krankenkassensysteme die wir haben. Einige Krankenkassen (nicht ÖGK) sind privilegiert und haben mehr Geld zur Verfügung - wär ich ein Mediziner würd ich auch eine Wahlarztpraxis mit den "gschmackigen" Krankenkassen betreiben und mehr Geld verdienen. Wie kriegen wir das hin? Also erstmal eine fairere Verteilung der Kosten der Allgemeinheit auf alle Krankenkassen - es kann ja nicht sein, dass sich einzelne Berufsgruppen die Rosinen rauspicken. Um das zu erreichen, brauchts die Möglichkeit geben die Kasse selbst zu wählen wie in Deutschland (mehr Wettbewerb hab noch nie geschadet) - somit kann dann der Kassenarzt auch mehr verdienen und das System als solches wird aufgewertet.

 
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