Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören

Trotz Schnee: trockenste Winterperiode seit Jahren

In Osttirol fehlen zwei Drittel des üblichen Niederschlags. Defereggental und Sillian sind besonders betroffen.

Der Wetterdienst tauernwetter.at konstatiert zur Winterhalbzeit ein alarmierendes Bild: Seit Beginn des meteorologischen Winters am 1. Dezember fehlen in Kärnten und Osttirol rund zwei Drittel des üblichen Niederschlags. Dabei sieht man im Moment eine weiße Winterlandschaft, in den Tälern liegen zwischen einem und 25 Zentimeter Schnee, auf den Bergen deutlich mehr.

Doch dieser Schein trügt, die dünne Schneedecke verdeckt eine der trockensten Winterperioden seit vielen Jahren. Im gesamten Westen Kärntens und in Osttirol liegt die Niederschlagsabweichung bei minus 60 bis minus 80 Prozent. Am stärksten betroffen ist das Gebiet zwischen dem Defereggental und Sillian sowie das obere Drautal. Dieses erhebliche Ausmaß der Trockenheit könnte für die Wasserversorgung im kommenden Sommer Folgen haben.

Jänner: viel zu trocken und extrem kalt

Auch im Jänner setzt sich die Tendenz des bisherigen Winters weiter fort: Seit Jahresbeginn ist es viel zu trocken und gleichzeitig extrem kalt, denn die Temperaturen liegen 3,6 Grad unter dem Klimamittel 1991-2020. Im Vergleich mit dem älteren Klimamittel 1961-1990 beträgt die Abweichung hingegen nur minus 2 Grad. Das zeigt, wie stark sich das Temperaturmittel durch den Klimawandel bereits nach oben verschoben hat. Was früher ein normaler Jännertag war, gilt heute bereits als überdurchschnittlich kalt.

Polarwirbel als „Wetter-Regisseur“

Diese aktuelle Wetterlage - eisige Kälte bei gleichzeitigem Ausbleiben von nennenswertem Neuschnee - ist eine direkte Folge des jüngsten Polarwirbel-Splits. Der Polarwirbel, ein großes Tiefdrucksystem mit kalter Luft, das sich über den Erdpolen bildet, ist einer der wichtigsten Wetter-Regisseure. Im Moment ließ er polare Kaltluft bis in den Alpenraum vorstoßen, schnitt aber gleichzeitig die Zufuhr feuchter Luftmassen fast vollständig ab. Die Folge: Kälte, jedoch kein Niederschlag.

Der Polarwirbel ist der alles entscheidende Regisseur für das Wetter in der zweiten Winterhälfte. Regeneriert er sich, kommt es zu Niederschlag bei milden Temperaturen, misslingt die Regeneration, droht die nächste trockene Kältewelle. Grafik: Tauernwetter

Derzeit versucht sich der Polarwirbel zu regenerieren. Davon hängt der weitere Verlauf des Wetters in der zweiten Winterhälfte ab. Sollte eine Stabilisierung gelingen, erreichen uns feuchtere Luftmassen vom Atlantik. Die Chance auf Italientiefs und dringend benötigten Niederschlag steigt damit, die Temperaturen wären in diesem Fall deutlich milder als zuletzt. Misslingt hingegen die Regeneration, erwartet uns Ende Jänner die nächste trockene Kältewelle, die das ohnehin extreme Niederschlagsdefizit weiter verschärfen würde. Die Wahrscheinlichkeit für beide Szenarien ist derzeit ausgeglichen, die Chancen stehen bei 50:50.

Ausblick für diese Woche

Wenngleich uns im Laufe des Wochenendes ein kleines Italientief streift, ist kein nennenswerter Niederschlag zu erwarten. In den Beckenlagen und Tälern Kärntens bilden sich wieder Nebelfelder, die sich tagsüber nur zögerlich auflösen. Kalt bleibt es tagsüber in den tiefen Lagen, wo der Nebel zunehmend zum Thema wird. Abseits des Nebels zeigt sich der Winter von seiner milderen Seite. In den höheren Lagen und auf den Bergen ist mit Temperaturen um den Gefrierpunkt oder leicht darüber zu rechnen.

Keine Postings

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren