Osttirol hat laut aktuellsten Daten fast genau 49.000 Einwohner:innen, von denen rund 20.500 einer unselbstständigen Arbeit nachgehen. Größter Arbeitgeber – das mag manche überraschen – ist der öffentliche Sektor, sprich Bund und Land, Schulen, BKH, Altenheime, Bezirkshauptmannschaft und andere Ämter, Gemeinden und Stadt Lienz. Rund 15.000 Arbeitsplätze entfallen laut WKO aber auf die Privatwirtschaft.
Hier ist der größte Jobmotor in Osttirol nach allen Statistiken ganz klar die Industrie. Es folgen Gewerbe- und Handwerk. Deutlich abgeschlagen: Handel und Tourismus. Der Tourismus, oft als Schlüsselbranche genannt, bietet in Osttirol je nach Blickwinkel zwischen 1.600 (AMS) und 2.700 (WK Tirol) Arbeitsplätze an, die Industrie aber mittlerweile fast 5.000.
Das relativ hohe Lohnniveau im industriellen Sektor trägt maßgeblich dazu bei, dass sich die Einkommensschere zwischen Ost- und Nordtirol schließt. So lag das Bruttomonatseinkommen von unselbstständig Beschäftigten 2023 (aktuellere Daten gibt es nicht) im Bezirk Lienz bei 2944 Euro, im Tirolschnitt bei 3067 Euro.
Höhere Löhne bedeuten kumuliert auch höhere Lohnsummen und damit beträchtliche Steuereinnahmen für jene Gemeinden, in denen Industriebetriebe angesiedelt sind. Die Kommunalsteuer-Einnahmen von Lienz, Matrei, Abfaltersbach, Heinfels und Assling wären ohne Industrie auf gänzlich anderem Niveau und das hätte gravierende Auswirkungen auf die Daseinsvorsorge. Den kommunalen Töpfen würden jährlich Millionen fehlen.
Damit liegt die Industrie auch beim Thema „Umwegrentabilität“ in Osttirol klar vor dem Tourismus. Das beginnt – siehe oben – bei den Steuereinnahmen der Kommunen und endet bei der Kaufkraft der Beschäftigten, die ihre Löhne primär vor Ort ausgegeben. Zudem profitieren Gewerbe und Handwerk durch eine sehr gute Vernetzung von Aufträgen der Großbetriebe im Bezirk.
Osttirols Industriebetriebe bilden laut Kammerstatistik mehr als doppelt so viele Lehrlinge aus wie der Tourismus und bringen sich immer wieder aktiv in die Standortsicherung ein. Ohne die „Großen“ gäbe es weder die Innos GmbH – die von der Industrie mitfinanziert wird – noch den langsam aufblühenden MCI-Campus und die anhaltende Erfolgsgeschichte der Lienzer HTL, deren Maturant:innen exzellente Berufschancen direkt vor der Schultüre vorfinden.
Hunderte junge Techniker:innen arbeiten bei den Industrieunternehmen in Osttirol und sind genau aus diesem Grund nicht abgewandert. Auch die Zuwanderung – in Osttirol traditionell unterentwickelt – wird vor allem von der Industrie forciert. Wir reden hier nicht von billigen Saisonarbeitskräften für Großhotels, sondern von hoch- und höchstqualifizierten Menschen, die in den Bezirk einwandern, weil sie hier adäquate Arbeit finden.
Liebherr, Hella, iDM, Loacker, Durst und auch der zu industrieller Größe herangewachsene Holzbetrieb Theurl – all diese Unternehmen sind familiär geführt und zeichnen sich durch ein bodenständiges, dem Standort verpflichtetes Management aus. Das gilt selbst für Liebherr, den größten Betrieb, der in den siebziger Jahren Osttirols „Industriebewusstsein“ maßgeblich mitbegründete.
Bereits damals zeichnete sich ab, dass die Landwirtschaft sich vom Voll- zum Nebenerwerb entwickelt. Also waren und sind die Jobs in der Industrie selbst für die Aufrechterhaltung der ländlichen Struktur vor Ort ein nicht zu unterschätzender Faktor. Nicht von ungefähr ist der bäuerliche „Maschinenring“ vom Geräteverleiher zur Leiharbeitsfirma mutiert.
Womit wir bei der konkret angekündigten Förderung für Industriebetriebe wären. Beginnen wir beim Strom. Wussten Sie, dass Liftbetreiber wie Schultz & Co. für ihre Betriebe nicht einmal die Hälfte des regulären Tiwag-Strompreises bezahlen? Wenn günstiger Strom für Liebherr, iDM & Co. tausende Osttiroler Arbeitsplätze sichert, finde ich diese Maßnahme sinnvoll, ebenso die angekündigte Förderung von Zukunftstechnologien.
Liebherr forscht an den Kühlgeräten von morgen, iDM baut Wärmepumpen auf höchstem technischen Niveau, Hella investiert in eine eigene Forschungsabteilung zum Sonnenschutz im Klimawandel. Durst ist ebenfalls stark in der Forschung und Softwareentwicklung. Alle Genannten bieten wissenschaftlich tätigen Menschen hochkarätige Arbeitsplätze an. Sie können deshalb mit einer Förderung ihrer technologiegetriebenen Produktion als Basis für Wettbewerbsfähigkeit auch in der Zukunft rechnen.
Freuen wir uns darüber, denn – ob man will oder nicht – mit den Industriebetrieben steht und fällt die Lebensqualität in Osttirol!
5 Postings
ja, stimmt alles. Aber es wird nichts produziert das die Chinesen nicht auch können. Demnächst werden uns billige chinesische Kühlschränke und Wärmepumpen um die Ohren fliegen.
ja genau, weil die arbeiten auch nach dem Motto: China first. Gibts auf dem Planeten nur einmalig in Brüssel, wo alle anderen wichtiger sind als die eigenen Bürger.
industrieförderung ist immer wichtig, für die arbeitnehmer aus dem iseltal und aus oberkärnten und dem mölltal. irgendwie habe ich das gefühl, dass unser wohlstand zerbröselt.
......und was ist mit die Oberländer und Lienzer Talboden, sein de Arbeitnehmer unwichtig
gehts nur mir so? - aber den meisten Meldungen von lia erschließt sich mir nicht, was er/sie uns sagen will....
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