Die von Ministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzte Wehrdienstkommission hat am Dienstag ihren Bericht präsentiert und sich für eine Verlängerung des Wehrdienstes ausgesprochen. Von den drei ausgearbeiteten Modellen empfiehlt die Kommission die „Österreich plus“ genannte Variante, die acht Monate Grundwehrdienst und zwei Monate an verpflichtenden Milizübungen vorsieht, anstatt des derzeit sechsmonatigen Präsenzdienstes. Analog soll auch der Zivildienst ausgeweitet werden.
Laut dem Vorsitzenden der Wehrdienstkommission, dem Milizbeauftragten Erwin Hameseder, hat sich die Kommission mit nur einer Gegenstimme für das Modell „Österreich plus“ ausgesprochen. Dieses erfülle die rasche militärische Reaktionsfähigkeit, wäre auch für die Wirtschaft am praktikabelsten und hätte die geringste Auswirkung auf das Budget, so Hameseder. Zudem würde diese Variante der „bisherigen strategischen Kultur in Österreich entsprechen“.
„Es geht darum, die schnellste Möglichkeit zur Wiederherstellung des österreichischen Bundesheeres umzusetzen“, betonte der Vorsitzende der Wehrdienstkommission. Man habe Argumente aus allen Gesellschaftsschichten einfließen lassen, nun erwarte man sich ein Handeln der Politik: „In einer Phase der Polykrisen ist politisches Handeln gefordert. Ein Nicht-Handeln ist aus unserer Sicht keine Option und würde in der österreichischen Bevölkerung nicht verstanden werden“, findet Hameseder.
Kommission arbeitete drei Modelle aus
Die Kommission wurde im vergangenen Juni eingesetzt. 23 Expertinnen und Experten aus Organisationen und Institutionen des öffentlichen Lebens berieten Vorschläge zur Weiterentwicklung von Wehr- und Zivildienst sowie zur Miliz. Dafür trafen sie sich insgesamt zu 13 Sitzungen. Am Ende stehen nun knapp 50 Empfehlungen, drei Modelle zur zukünftigen Ausgestaltung des Wehrdienstes sowie an die 40 Vorschläge für begleitende Anreizsysteme. Alle drei von der Kommission ausgearbeiteten Modelle sehen insgesamt eine längere Dauer vor.
Bei der ersten, von der Kommission präferierten Variante („Österreich plus“: acht Monate plus 60 Tage Milizübungen) ist ein achtmonatiger Grundwehrdienst und anschließend Milizübungen in der Dauer von insgesamt zwei Monaten vorgesehen. Beim zweiten Modell („Stufenmodell“: sechs Monate plus 60 Tage plus weitere 40 Tage Milizübungen) ist geplant, den Grundwehrdienst in seiner bestehenden Dauer unverändert zu lassen.
Die für die volle Einsatzbereitschaft der Rekruten notwendige Truppenausbildung soll dann innerhalb von 18 Monaten nach dem Grundwehrdienst in Form einer zweimonatigen Milizübung folgen. Zudem wären hierbei weitere Milizübungen mit einer Dauer von insgesamt 40 Tagen vorgesehen. Dieses Modell wäre in der Umsetzung laut Hameseder jedoch um 250 bis 300 Mio. Euro teurer als das Modell „Österreich plus“.
Die dritte, erarbeitete Variante ist an das „Schweizer Modell“ angelehnt und sieht einen viermonatigen Grundwehrdienst vor. Danach erfolgen verpflichtend 140 Tage Milizübungen. Dieses Modell wird aber selbst von der Kommission nicht favorisiert, da es nur mit einer Systemänderung einhergehen könnte und erst nach dem Aufbauplan 2032+ in Angriff genommen werden könnte.
Für die Konzeption habe man sich andere europäische Systeme angesehen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende Walter Feichtinger. Darunter auch Modelle aus dem skandinavischen Raum, die den Präsenzdienst für Frauen geöffnet haben. Generell sei festzustellen, dass die mannigfaltigen Krisen zu einer „Revitalisierung der Wehrpflicht“ geführt haben.
Zivildienst-Ausweitung auf zwölf Monate
Fix ist aus Sicht der Kommission, dass der Zivildienst bei einer Änderung des Wehrdienstes ebenfalls verlängert werden müsste - und zwar bei allen drei Varianten. Schließlich seien Präsenz- und Zivildienst „kommunizierende Gefäße“, wie der Leiter der Zivildienstagentur, Ferdinand Mayer, sagte. Derzeit sei das Verhältnis 55 zu 45 Prozent. „Wenn man das einseitig ändert, würde es sich wohl zulasten des Präsenzdienstes verschieben.“ Die bisherige, unterschiedliche Dauer würde auch von Höchstgerichten als begründet gesehen. Auch ist vorgesehen, dass Zivildiener für den Krisenfall einen sogenannten „Bereitstellungsschein“ zu geplanten Aufgaben der Zivilen Landesverteidigung erhalten.
Auch, was die zeitliche Komponente angeht, drückt die Kommission auf die Tube. Die Verlängerung der Dauer des Wehrdienstes und des Wehrersatzdienstes soll bereits mit Anfang kommenden Jahres erfolgen, wie Hameseder betonte. Im Idealfall soll eine politische Entscheidung noch im ersten Quartal fallen, spätestens jedoch mit Ende des zweiten Quartals. Nötig ist aus seiner Sicht die Änderung der Verfassungsbestimmung zum Wehrersatzdienst. Alles andere betreffe die „einfachgesetzliche Ebene“.
„Entwicklungsmodelle“ mit Wehrdienst für Frauen
Neben den drei Modellen hat die Wehrdienstkommission zusätzlich zwei „Entwicklungsmodelle“ konzipiert, die einen weitaus längeren Planungshorizont haben und von der europäischen Sicherheitslage, gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und der künftig personellen Einsatzbereitschaft des Bundesheeres abhängig sind. In beiden Varianten ist jedenfalls ein Wehrdienst auch für Frauen vorgesehen. Hierbei spricht sich Hameseder für eine Evaluierung im Jahr 2029 aus. Wenn die personelle Ausstattung nur über Männer dann nicht mehr möglich ist, „wird man handeln müssen“, so der Milizbeauftragte: „Es ist freilich nur ein Vorschlag.“
Das „Skandinavische Modell“ sieht etwa eine geschlechtsneutrale, allgemeine Wehrpflicht vor. Soldatinnen und Soldaten sollen mit umfangreichen Anreizsystemen vorwiegend auf freiwilliger Basis rekrutiert werden. Bei diesem Modell gilt eine 16-monatige Dauer des Grundwehrdienstes bei anschließender selektiver Übungspflicht. Bei Engpässen soll diese selektive Wehrpflicht durch Losentscheide ergänzt werden.
Das Modell „Alle acht“ stellt der Einschätzung der Kommission zufolge mit einer generellen Dienstpflicht aller Geschlechter eine Option im Falle einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage und nachhaltigen Herausforderungen bei der Deckung des Personalbedarfs dar. Der Grundwehrdienst würde acht Monate in Anspruch nehmen, darauf folgt eine selektive Heranziehung zu Milizübungen.
14 Postings
Zivildiener sind für unzählige Einrichtungen unverzichtbar. Ich bin bis heute stolz darauf, selbst vor vielen Jahren meinen Beitrag geleistet und Menschen durch meine Arbeit unterstützt zu haben.
Wer ständig von Gleichberechtigung spricht, sollte auch den Mut haben, sie konsequent umzusetzen: Der Zivildienst muss für alle verpflichtend sein.
Das Bundesheer mag in Katastrophenfällen wie Überschwemmungen seine Berechtigung haben. Jungen Männern Waffen in die Hand zu drücken und sie auf einen angeblichen „Ernstfall Krieg“ vorzubereiten, ist jedoch absurd und rückständig. Krieg und Waffengewalt waren noch nie eine Lösung — und es ist erschreckend, dass sie immer noch als solche verkauft werden.
"... Jungen Männern Waffen in die Hand zu drücken und sie auf einen angeblichen „Ernstfall Krieg“ vorzubereiten, ist jedoch absurd und rückständig... " -Zitat Ende-
Ich persönlich habe lieber einen Krieger im Garten als einen Gärtner im Krieg!
Auch die subjektive Einstufung der Absurdität ist zu akzeptieren, solange der "Ernstfall Krieg" nicht Eintritt. Und wenn doch...?
Der „Krieger-im-Garten“-Spruch ist kein Argument, sondern Kriegsromantik. Er setzt voraus, dass Krieg unvermeidlich sei – genau diese Haltung macht ihn erst denkbar. Österreich ist neutral, nicht wehrlos aus Naivität, sondern aus politischer Überzeugung. Wer junge Menschen auf Waffen statt auf Verantwortung, Hilfe und Zusammenhalt vorbereitet, verabschiedet sich von dieser Neutralität.
Der Ernstfall ist nicht ein hypothetischer Krieg, sondern Pflegekollaps, Rettungsdienste, Katastrophenhilfe. Dort fehlen Menschen jetzt. Waffen haben noch nie Probleme gelöst, nur neue geschaffen. Stärke zeigt sich nicht im Vorbereiten auf Krieg, sondern im konsequenten Verhindern davon.
Wenn man die internationalen Schlagzeilen jedoch ansieht, wird man bemerken, dass ein ordentliches Heer heutzutage leider notwendig ist. Zu sagen, uns wird eh nix passieren weil wir neutral sind intressiert einen Machthungrigen Herrscher nicht (siehe Belgien im Ersten Weltkrieg). Das Bundesheer ist keine Armee, die in irgendwelchen Ländern einmaschiert, sondern es ist eine Armee, die unsere Demokratie und unsere Bevökerung schützt. Dafür muss und sollte man Geld in die Hand nehmen. Lieber ist es mir, dass Geld ist im Endeffekt umsonst eingesetzt worden und es gab keinen Ernstfall, anstatt dass wir im Ernstfall komplett durch die Finger schauen. Zu Ihrer Aussage "Krieg und Waffengewalt waren noch nie eine Lösung" möchte ich eine kurze Frage stellen: Wie konnte Nazi Deutschland dann besiegt werden? Ich sage nur eins, die Konzentrationslager wurden nicht von Zivildienern befreit.
Der „Krieger-im-Garten“-Spruch ist nicht Kriegsromantik, sondern beschreibt eine Notwendigkeit. Er setzt keineswegs voraus, dass Krieg unvermeidlich sei, sondern trifft Vorkehrungen für den Ernstfall. Ich nehme an Sie haben die eine oder andere Versicherung – oder verweigern Sie auch das, weil "eine Versicherung voraussetzt, dass der Schadensfall unvermeidlich sei"? Und Ihre Behauptung, Österreich sei aus politischer Überzeugung wehrlos (weil neutral), zeigt nur, dass Sie die Neutralität nicht einmal im Ansatz verstanden haben.
Ich habe noch nie einer Fliege etwas zu leide getan Doch Denjenigen der mir befehlen will, jemand anderen zu töten erschiesse ich sofort.
Seit ich denken kann, war die Weltpolitische Lage noch nie so angespannt und unsicher wie jetzt! Und wenn jetzt noch die mögliche - diskutierte "Wehrpflicht für Frauen" in Frage käme, dann sind wir tatsächlich in den "Militärischen Wahnsinn" eingetreten! Für die Aufrüstung des Militärs werden Milliarden freigesetzt u. beschlossen. Gute Nacht Österreich.....
Unsere Politik kann es einfach nicht. Ob in der Bildung, der Gesundheit und oder jetzt beim Bundesheer. Wann wird endlich mal einer verstehen, dass man Österreich komplett neu denken muss. Anstatt jetzt reflexartig nach mehr Soldaten zu rufen wäre auch beim BH eine umfassende Reform notwendig. Man sollte endlich die neue Sicherheitsstrategie (wie lange dauert der Krieg in der Ukraine schon) veröffentlichen, erklären und diskutieren. Daraus - ich bin pessimistisch - sollte sich dann die Anzahl der Soldaten und die benötigte Ausrüstung ableiten lassen. Wir aber gehen zuerst mal einkaufen (Flugzeuge, Hubschrauber, Panzer, Kanonen, Autos, usw.) und erhöhen die Zahl der Soldaten - das wird dann schon klappen. Die erste Frage müsste sein: Wie ist ein modernes Heer organisiert? Brauchen wir tatsächlich neun Militärkommandos? Müsste man das BH nicht österreichweit als Einheit sehen? Dringend verabschieden sollten wir uns auch von zwei Illusionen: Österreich ist schon lange nicht mehr neutral und Österreich wird sich niemals alleine militärisch verteidigen können.
Mit Trump und seiner Bagage ist der Krieg nahe! Keiner sollte denken, dass 'Neutralität' noch irgendetwas bewirkt; und warum diese US-Nazis in Europa noch immer nicht Einreiseverbot haben, ist auch gut zu verstehen, jedoch die falsche Antwort.
Befremdend ist generell, man redet über Wehrpflicht, Soldaten, Krieg als wäre es das tägliche Brot das dazugehört !!!.....Als wären es Schachfiguren, Robotor.....und wer redet und konzenpiert über diese Sache ?? Leute, die teilweise noch nie eine Waffe in der Hand, geschweige damit geschossen haben und die wahrscheinlich niemals ganz vorne dabei sein werden !!!!....da wird diskutiert zum Teufel komm raus... doch wie man dies verhindern könnte, kein Wort ,nur wenig, hinter vorgehaltener Hand.... das hinter den Waffen Menschen stehen, uninteressant ..... Nur mal zum Nachdenken..... spätestens wenn es zur Sache geht werden auch diese Männer aufgerüttelt, die dabei nur zu gerne mitmachen, es kaum erwarten können.....
Was konkret tut man, wenn man "konzenpiert"?
Zivildienst auch für junge, kinderlose Frauen, warum denn nicht? Gerade dort werden viele Kräfte benötigt. Und wer weiß, wievielen diese Arbeit gefällt und sie in Folge dann sogar dort bleiben und weiter machen möchten.
Gebären Männer dann jetzt auch Kinder??? „Es ist freilich nur ein Vorschlag.“
Im Hinblick auf die Sicherheitslage und die ableitbare Prognose auf die nächsten 10 Jahre, ist das die einzig richtige Empfehlung. 6 Monate Grundausbildung in der Waffengattung bis auf Ebene Kompanie und im Anschluß 2 Monate das Zusammenwirken in Battalion mit dem Abschluss einer Brigadeübung legen den Grundstein für den Erhalt der Fähigkeiten im Rahmen von Milizübungen und die damit einhergehende Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte. Wichtig wäre jetzt nur noch, dass die Kontingente jener Soldaten die nicht als Einsatzsoldaten in der Waffengattung sondern als Funktionssoldaten den Dienstbetrieb aufrecht erhalten minimiert werden. Dafür müsste jedoch Geld in die Hand genommen und diese notwendigen Leistungen ausgelagert und der Fortbestand im Einsatzfall vertraglich geregelt werden (Stichwort Heeresgefolge). Es gilt nur zu hoffen, dass die Parlamentsparteien die Empfehlungen im Sinne der nationalen und europäischen Sicherheit entsprechend beurteilen und bei der Entscheidungsfindung parteipolitische Interessen in den Hintergrund stellen. Gezeigt wurde dies ja bereits im Rahmen des Landesverteidigungsfinanzierungsgesetzes. Auch die geplante Verwendung/Einsatz von bereits "abgedienten" Zivildienern im Mobilmachungsfall zeigt von Weitblick und Ausrichtung auf das große Ganze dieser unabhängigen Kommission.
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