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Gewerkschaft für bessere Bedingungen in der Pflege

Anwerbung von Pflegepersonal aus Drittstaaten über Headhunter koste tausende Euro pro Pflegekraft.

Die Gewerkschaft vida fordert im Pflegebereich die Umsetzung von besseren Arbeitsbedingungen statt der Anwerbung von Pflegepersonal aus Drittstaaten. Während solche Anwerbungen über „Headhunter“ mehrere tausende Euro pro Pflegekraft kosten würden, werde an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen gespart, sagte der Vorsitzende des vida-Fachbereichs Gesundheit, Gerald Mjka, im APA-Gespräch mit Verweis auf die aktuellen Kollektivvertragsverhandlungen bei den Ordensspitälern.

Die Beschäftigten in diesem Bereich streiken nach vier erfolglosen Verhandlungsrunden am Donnerstag an allen acht Standorten. Gefordert werden von der Gewerkschaft 3,5 Prozent Gehaltsplus sowie eine Stundenreduzierung von 40 auf 35 Stunden stufenweise bis ins Jahr 2030, erinnerte Mjka. Die Arbeitgeber boten bisher aber für die rund 10.000 Beschäftigten nur 3,3 Prozent Plus und lehnten eine Arbeitszeitverkürzung ab.

Gerald Mjka, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Gesundheit. Foto: APA Images/Indra

Ein Dorn im Auge ist der Gewerkschaft auch das Bestreben, Fachkräfte aus Drittstaaten zu hohen Kosten anzuwerben. Am Dienstag wurde in einer Pressekonferenz in Linz erklärt, dass seit 2021 263 Pflegekräfte von den Philippinen nach Oberösterreich gekommen sind. Heuer werde erstmals auch Personal aus Kolumbien einreisen, hieß es. Gemeinsam mit den philippinischen Pflegekräften sollen es 100 Personen sein.

Teure Vermittlungskosten

Der vida-Fachbereichsvorsitzende verwies gegenüber der APA auf hohe Kosten der Vermittlungsagenturen und auf eine aktuelle Ausschreibung des Landes Oberösterreich, die der APA vorliegt. Laut dieser sollen in Summe bis zu 6.000 Pflegefachkräfte aus Drittstaaten vermittelt werden - konkret aus Nordmazedonien, den Philippinen, Brasilien, Kolumbien, Indien und Indonesien.

„Jeder versucht, sein Personalteam aus der ganzen Welt zu decken, zu horrenden Kosten. Da sind Integrationskosten und verlängerte Einschulungszeiten noch gar nicht drinnen.“

Mjka betonte, dass pro vermittelter Kraft in der Regel zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro vermittelter Person anfallen würden. „Jeder versucht, sein Personalteam aus der ganzen Welt zu decken, zu horrenden Kosten. Da sind Integrationskosten und verlängerte Einschulungszeiten noch gar nicht drinnen.“ Selbst wenn man von einem günstigen Rabatt ausgeht, würden pro vermittelter Person wohl Kosten von rund 10.000 Euro entstehen. Bei 6.000 Personen wäre man also bei einem Volumen von 60 Millionen Euro, rechnete Mjka vor.

In Österreich gibt es laut Gewerkschafts-Angaben ca. 179.000 Pflegekräfte. Davon würden laut Mjka 158.000 aus Österreich stammen, 14.000 aus dem EU- und EWR-Raum sowie der Schweiz und 7.000 aus Drittstaaten. „Ich weiß nicht, wie viele Pflegekräfte man da nach Österreich holen will. Aber um damit den Pflegebedarf zu decken muss man horrende Summen hineinstecken.“

Bessere Arbeitsbedingungen gefordert

Kritisch sieht der Gewerkschafter, dass im Gegenzug die Mittel für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen fehlen würden. Konkret gehe es um den Wunsch der Reduzierung der Arbeitszeiten, wie auch aktuell in Oberösterreich gefordert. Man habe in verschiedenen Branchen diesbezüglich gute Erfahrungen, betonte er. Als Beispiel nannte Mjka die Sozialwirtschaft, wo eine 37-Stunden-Woche eingeführt worden sei und dort sei „das System auch nicht zusammengebrochen“. Vielmehr habe das die Arbeitsplätze attraktiv gemacht, so der Gewerkschafter.

„Wir haben einen 24/7-Bereich“, verwies er auf die hohe Belastung der Pflegefachkräfte. Da brauche es Zeit, sich zu erholen. Es gebe auch Studien, die klar zeigen würden, dass viele Arbeitskräfte (wegen der hohen Belastungen) daran denken würden, den Beruf zu verlassen, sagte er.

„Wir arbeiten mit denen allen gerne. Aber es wird das Problem in Summe nicht lösen. Man muss vor Ort bei den Arbeitsbedingungen etwas tun.“

Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen würde den Standort auch international attraktiver machen, betonte Mjka. Damit würden Pflegekräfte aus dem Ausland angezogen werden und man müsste „nicht so viel Geld an Headhunter zahlen“, betonte er. „Die haben ja nicht alle den Traum, in Österreich zu arbeiten. Wir konkurrieren dabei mit Staaten weltweit“, das werde auch den Preis für die Vermittlungen hinauftreiben.

Klargestellt wurde von Mjka gleichzeitig, dass die Zusammenarbeit mit Arbeitskräften aus dem Ausland von der Gewerkschaft prinzipiell gewünscht sei. „Ca. vier Prozent des Pflegepersonals kommt aus Drittstaaten, wir arbeiten mit denen allen gerne. Aber es wird das Problem in Summe nicht lösen. Man muss vor Ort bei den Arbeitsbedingungen etwas tun“, so die Forderung.

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