Eigentlich ist die Position der Frau im Tiroler Schützenwesen ja klipp und klar definiert und bei jedem „landesüblichen“ Aufmarsch gut sichtbar. Die Frau folgt dem Manne in Tirol nicht nach, wie mancher Pfarrer immer noch gern behauptet, sie marschiert ihm voran oder zumindest an seiner Seite, selbstbewusst, emaniziert und bei den Schützen mit einer durchaus tragenden Rolle.
Gleich hinter oder gar neben dem Kommandanten tragen die Marketenderinnen nämlich den Zaubertrank der Tiroler Männlichkeit in kleinen Fässchen mit sich, hochprozentigen Alkohol, der zuerst lustig und dann aggressiv macht. Was sonst braucht der Schütze für seinen martialischen Auftritt und der volksnahe Politiker als Inspiration für ein paar markige Worte?
Zielwasser ist der klare Trank allerdings nicht, denn im Stutzen platzt nur eine harmlose Patrone, die das Trommelfell von Freund und Feind auf die Probe stellt, wenn die Salve nach einem kehlig hervorgestoßenen „Hoch an. Frrrr!“ aus vielen Rohren wie ein einziger Schuss hinausknallt. Bis hierher ist die Welt der Tiroler Leitkultur noch heil. Aber jetzt kommt´s!
Man stelle sich vor, in den Reihen grimmig blickender Mander stehen plötzlich zierliche Frauen, nicht im Dirndl und mit Schnapsfass, sondern in der Krachledernen mit einer Puffen in der zarten Hand! Da klappt doch dem Bischof und dem LH beim Abschreiten der Front der Unterkiefer weg. Was? Das soll landesüblich sein?
Bevor die weniger „woken“ unter meinen Lesern jetzt zügellos zur Preglerflasche greifen – so schnell schießen die Franzosen und auch die Weibischen nicht. Herrgott sei Dank! Die Schützen haben demokratiebewusst abgestimmt und obwohl – Sensation! – immerhin 13 Prozent die Mädels an ihre Flinte gelassen hätten, war doch die große Mehrheit für das biblische Rollenbild: Die Frau ist demnach eine „Ergänzung“ des Mannes, eh klar, schließlich wurde sie ja einst aus Adams Rippe gebastelt.
Nun möchte ich aber doch noch eine Lanze für echte Gleichberechtigung brechen. Ganz konsequent war die Diskussion über eine neue Rollenverteilung der Geschlechter bei den bewaffneten Trachtenträgern nämlich nicht.
Warum nicht auch darüber nachdenken, ob Männer als Marketender aufmarschieren dürfen? Absurd? Keineswegs, sondern ebenfalls jahrhundertealte Tradition! „In der Geschichte gehörten bereits früh sowohl männliche als auch weibliche Marketender selbstverständlich zum Tross der antiken, spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heere“, schreibt das Online-Lexikon. „Fast jedes Fähnlein der Landsknechte hatte im Mittelalter einen eigenen Marketender, der die Soldaten als Händler mit Lebensmitteln versorgte.“
Na also. Der Marketender könnte zum Schnaps den Speck servieren – fertig ist die landesübliche Tiroler Jause. Fragt sich nur, ob der „Schitz“ dabei auch Frauenkleider tragen sollte? Aber das ist eine andere Geschichte.
Ein Posting
Absolute Gleichberechtigung! Frauen ans Schützengewehr, Männer als "Marketender", aber auch Militär- oder Zivildienst für Mädchen! Warum soll es gerade da keine Gleichberechtigung geben? Übrigens, ob sich Nichtschützen wie so mancher Kommentator (und auch ich) in eine demokratische Abstimmung des Tiroler Schützenbundes einmischen sollen??
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